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DEMÄCHST: Summer Street, Old Red Lion Theatre
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Von
julianeaves
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Julian Eaves wirft einen Blick auf eine Konzertpräsentation von Summer Street, einer neuen Musical-Parodie auf Soap Operas.
Hier kommt etwas herrlich Unterhaltsames: eine Musical-Parodie auf eine Soap Opera der 1980er Jahre – voll wackeliger, pappiger Dialoge, grell überbeleuchteter Charakterzeichnungen und mit einer ganzen Reihe von Kurzauftritten samt Songs im Pop-Stil vergangener Jahrzehnte. Die Ausgangslage: Es wird ein Reunion-Event für eine einst beliebte Soap inszeniert – die titelgebende Summer Street – und während die Truppe abgehalfterter Ex-Stars wieder zusammengetrommelt wird, erfahren wir nach und nach, dass längst nicht alles so ist, wie es zunächst scheint. Unterwegs nimmt die Show mit Witz und liebevoll-satirischem Spieltrieb die Konventionen und Klischees des Genres aufs Korn.
Während die Welt auf Stiles und Drewes Version von Soapdish wartet, ist das hier eine sehr erfreuliche Zwischenlösung. Andrew Norris ist der Kopf hinter dem Stück – verantwortlich für Buch, Musik und Liedtexte – und ein energiegeladener Eigenwerber dieser leichtfüßigen Musical-Komödie. In einer Konzertaufführung im gewohnt einfallsreichen Old Red Lion Theatre wurde uns eine prächtige Werkschau der vielen Reize dieses Stücks geboten.
Julie Clare, Michael Cotton, Simon Snashall und Sarah-Louise Young übernahmen eine ganze Reihe von Rollen – allesamt Varianten herrlich überzeichneter australischer Akzente; die etwas urbaneren, vorab aufgenommenen Töne von Dicky Eton wurden für ein paar unsichtbare Rollen eingespielt. Im Kern entpuppt sich die scheinbar harmlose Einladung zu einem Treffen ausgemusterter Soap-Stars als Tarnung für einen Reality-TV-tauglichen Relaunch durch einen unsichtbaren Produzenten (Julie Clare hat sichtlich Spaß daran, eine der verblichenen Nebenfiguren zu geben – während sie zugleich ihre wahre Identität als graue Eminenz der eingestellten Serie verbirgt). Schließlich durchschaut die Truppe den Coup und setzt dem Trickser wutentbrannt nach – doch alles (wie es sich in der Welt der Musical-Komödie gehört) löst sich am Ende ziemlich versöhnlich und zum Besten auf.
Zwischendurch erleben wir eine Parade aus Rückblenden und aufgewärmten Erinnerungen an frühere Aufregungen und längst ausgespielte Dramen. Der rückblickende Plot-Mechanismus gewinnt jedoch zusätzliche unmittelbare Spannung durch die fortdauernden Leidenschaften und Reibungen zwischen den zusammengetrommelten Überlebenden. Die „echten“ Schauspieler – allesamt recht bemitleidenswerte Gestalten – wecken unser Mitgefühl auf eine Weise, wie es ihre papierenen Soap-Rollen nie konnten. Und vielleicht ist es die dauerhaft einfallsreichste Qualität der Show, dass sie uns dazu bringt, uns um diese unerwartet unglamourösen, enttäuschten, ganz alltäglichen Darsteller zu kümmern, deren Schicksal es war, solche schäbigen Parts in einem zu Recht vergessenen Daytime-Lückenfüller zu spielen.
Kurz: Die Show ist bereits in bestechend unterhaltsamer Form und bereit für die weitere Entwicklung. Das musikalische Fundament liefert MD Duncan Walsh-Atkins; seine vorab aufgenommenen Tracks dienten hier als Begleitung für die Darsteller. Wir hören Norris’ eigene Arrangements. Er erzählt mir, dies sei seine erste Musical-Partitur – und man fragt sich unwillkürlich, warum er sich damit so lange Zeit gelassen hat: Seine Begabungen sind vielfältig, und wir dürfen hoffen, dass er nach diesem Stück immer weiter schreibt. Wunderbar melodisch, stark rhythmisch und einnehmend gebaut – die Musiknummern sind der größte Triumph dieser Partitur.
Glückwunsch an das ORL, dass es uns schon wieder eine fabelhafte neue Produktion ans Herz gelegt hat. Wer übernimmt als Nächstes den Staffelstab?
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