NACHRICHTEN-TICKER
REZENSION: Amour, Charing Cross Theatre London ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
12. Mai 2019
Von
danielcolemancooke
Danny Coleman-Cooke bespricht Amour, das Musical von Michel Legrand und Jeremy Sams, das derzeit im Charing Cross Theatre gespielt wird.
Das Ensemble von Amour. Foto: Scott Rylander Amour
Charing Cross Theatre
9. Mai 2019
4 Sterne
Jetzt buchen Amour ist zweifellos mein liebster Musical-Flop überhaupt. Die hervorragende Studierendenproduktion der Royal Academy of Music hat mir vor vier Jahren so gut gefallen, dass ich, kaum wieder zu Hause, das Internet durchforstet habe, um die (erstaunlich schwer aufzutreibende) Castaufnahme zu finden.
Auch nach vielen Aufführungen und unzähligen Durchläufen gehört die Musik weiterhin zu meinen Lieblingspartituren – und ich fand es immer ungerecht, dass das Stück am Broadway so schlecht aufgenommen wurde und bereits nach nur zwei Wochen wieder abgesetzt war.
Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Amour für seine erste professionelle Produktion in Grossbritannien nach London kommt. Wie Textdichter Jeremy Sams im Programmheft einräumt, war Amour für ein grosses Broadway-Theater zu verspielt und zu intim – und unter den Eisenbahngewölben von Charing Cross fühlt es sich deutlich besser aufgehoben.
Gary Tushaw in Amour. Foto: Scott Rylander
Die Songs des oscarprämierten Komponisten Michel Legrand (der leider Anfang dieses Jahres verstorben ist) sind nach wie vor ein reines Vergnügen und werden von Jordan Li-Smiths Band hervorragend zum Leben erweckt. Legrands Nummern sind charakteristisch traumwandlerisch und bezaubernd, mit einer Reihe eingängiger Melodien.
Getragen wird die Musik von den witzigen und klugen Liedtexten von Jeremy Sams. Es gibt nicht nur einige geniale Reime („seen conferring with Hermann Goering“) und („When I saw you at your desk/ I thought that you were Kafka-esque“), sondern auch genug Humor und Zynismus, um die Show geerdet zu halten – so wird sie nicht zu zuckersüss.
Das Ensemble von Amour. Foto: Scott Rylander
Ein vollständig durchgesungenes Musical ist kein leichtes Unterfangen, doch die Show fliegt nur so dahin – mit einer geschickten Mischung aus Rührung und Humor und einem unerwartet bittersüssen Finale, das das Publikum kalt erwischt hat.
Der Star des Abends ist Dusoleil (Gary Tushaw), ein gutmütiger, aber trister Büroangestellter, der die Fähigkeit erhält, durch Wände zu gehen. Es ist nicht einfach, aus jemandem eine fesselnde Figur zu machen, der sich selbst als „einen blossen Beamten, nicht der Erwähnung wert“ beschreibt. Doch Tushaw meistert das hervorragend – mit kraftvoller Stimme und einem sicheren Gespür für komisches Timing.
Auch Anna O’Byrne ist als Dusoleils Liebe Isabelle wie gewohnt grossartig, und Elissa Churchill übernimmt als Teil des Ensembles mit Verve mehrere Rollen.
Elissa Churchill und das Ensemble von Amour. Foto: Scott Rylander
Mein einziger Vorbehalt bei dieser Produktion ist, dass die bissige Satire allzu oft in Klamauk abgleitet, wodurch einige der komischen Szenen an Wirkung verlieren.
So sind etwa die Songs „Office Life“ und „Duseoli’s Revenge“ beide scharfe Satiren auf das Arbeitsleben – für mich aus derselben komischen Tradition wie Terry Gillams Brazil.
Allerdings neigten Spiel und Choreografie zu Grimassenschneiden und Slapstick (insbesondere beim Chef, gespielt von Steven Serlin), während ein geradlinigeres Spiel den Humor in Sams’ Texten vermutlich noch besser herausgearbeitet hätte.
Unterm Strich ist das jedoch eine ungemein beschwingte Produktion, die als intimes Kammermusical voll in ihrem Element ist. Mit französischem Charme und Eleganz, kombiniert mit bissigem britischem Witz, ist Amour ein märchenhafter Theaterabend – schauen Sie ihn sich an, solange Sie können.
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