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REZENSION: Beautiful, Stephen Sondheim Theatre, ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
stephencollins
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Beautiful
Stephen Sondheim Theatre
13. Januar 2015
5 Sterne
TICKETS BUCHEN Es gibt einen wunderbaren Moment in Buddy, dem Musical über das Leben von Buddy Holly, in dem er und ein Kollege ein Riff entwickeln, das sich zum Hit Everyday formt; ein packender, zutiefst theatraler Augenblick, ganz aus Musik geboren. Die großartigen Jersey Boys hatten einen ähnlichen Moment, als das Vamp von Can't Take My Eyes Off You gefühlt endlos gespielt wurde, während die Band nach einem finanziellen Unterstützer suchte – und das Publikum sich fragte, was da eigentlich entsteht. Beautiful: The Carole King Musical hat einen vergleichbar magischen musikalischen Augenblick, der auf das außergewöhnliche (You Make Me Feel Like) A Natural Woman zuläuft.
Damit krönt es eine Reihe zauberhafter musikalischer Momente in einer hinreißenden Show, die vor Lebensfreude strotzt – und natürlich vor Musik.
Zurzeit läuft es am Stephen Sondheim Theatre am Broadway, wo es am 12. Januar 2014 offiziell Premiere feierte, und soll bald auch in London ankommen. Für eine Produktion, die bereits seit einem Jahr spielt, ist sie bemerkenswert straff, präzise und in Topform. Niemand lässt nach; alle sind voll in der Sache, und jeder kann diese Musik wirklich sauber singen. Von Anfang bis Ende ein reines Vergnügen.
Jukebox-Musicals werden oft belächelt – manchmal zu Recht. Doch es ist schwer, dieses Stück einfach als Jukebox-Musical abzutun: Es erzählt die Lebensgeschichte von Carole King, einer enorm produktiven Songwriterin, die eine Generation geprägt hat. Ihre Songs sind hier – trotz ihres eigenen Hitstatus – das Rückgrat der Erzählung. Sie sind nicht dabei, weil es großartige Lieder sind, sondern weil es die richtigen großartigen Lieder für diese Geschichte sind. Nichts wirkt fehl am Platz; alles greift mit einer Synchronität ineinander, von der manche Musicals mit Originalscore nur träumen können.
Die Handlung zeichnet Carole Kings beruflichen Weg nach – ihre Songwriting-Partnerschaft mit Gerry Goffin, die Höhen und Tiefen ihrer Zusammenarbeit mit dem Musikverleger und Produzenten Don Kirshner sowie ihre Freundschaft mit dem rivalisierenden Autorenduo Cynthia Weil und Barry Mann, deren Songs ebenfalls vorkommen. Unterwegs bekommt das Publikum Einblicke in ihren Erfolg mit herausragenden Acts wie The Drifters, The Shirelles, Neil Sedaka, Little Eva und The Righteous Brothers.
Ihre Ehe mit Goffin, sein Betrug, die Scheidung und das, was danach kommt, bilden das emotionale Zentrum des Abends. Und alles führt zu dem Moment, in dem sie erkennt und akzeptiert, dass sie gut genug ist, ihre eigene Musik selbst zu performen – und das Gefühl des legendären Carnegie-Hall-Konzerts, bei dem sie als Solistin auftrat, wird atemberaubend nachgestellt.
Marc Bruni führt mit Stil und Feingefühl Regie, und die Energie lässt keinen Moment nach. Das Ganze hat ein rasantes Tempo – so ein Theaterabend, an dem man sich wünscht, er würde einfach immer weitergehen. Derek McLanes kluges Bühnenbild fängt die Zeit perfekt ein und lässt die Szenen fließend ineinander übergehen, ohne je Unsicherheit über Ort und Zeit aufkommen zu lassen. Alejo Viettis Kostüme sind zeittypisch, farbenfroh und mit viel Spaß gestaltet, und Peter Kaczorowski setzt alles ideal ins Licht. Eine Produktion, in der alle Elemente punktgenau zusammenpassen.
Jessie Mueller ist als Carole King bemerkenswert. Wirklich bemerkenswert. Sie schafft es, sich körperlich so zu verwandeln, dass sie Carole King ist – nicht durch Make-up oder Prothesen, sondern allein durch ihr Können. Ihre Stimme, ihre Art zu gehen, ihre Haltung – alles, was sie tat, rief Carole King hervor, wie man sie aus Musikvideos und Fernsehauftritten kennt.
In jeder Hinsicht vollkommen glaubwürdig, verfügt Mueller zudem über eine außergewöhnliche Stimme und jene seltene Fähigkeit, ihre eigene Stimme in die einer anderen Person zu verwandeln; Vokalfärbung, Tonhöhe und Timbre – alles gegenüber ihrer normalen Stimme verändert, um den Klang zu erzeugen, der so einzigartig für Carole King ist. Eine außergewöhnliche Transformation – eine brillante, kluge und herzzerreißende Leistung voller Subtilität und Stärke.
Sie wird hervorragend unterstützt.
Scott J Campbell – groß, mit dem Aussehen eines Matinée-Idols und einem umherstreifenden Blick – ist als Kings Ehemann und Texter Gerry Goffin perfekt. Es ist eine schwierige Rolle, weil Goffin King durch seinen Verrat beinahe zerstört; doch Campbell verleiht der Figur so viel Verstand, Herz und Verständnis, dass er nicht zum Pantomime-Schurken wird. Er hat zudem eine großartige Stimme und war besonders stark in Take Good Care Of My Baby.
Das andere Autorenteam wird von Anika Larsen und Jarrod Spector hervorragend gestaltet. Sie sind witzig und lebendig – und bilden einen echten Gegenpol zur Geschichte von King und Goffin. Beide sind stimmlich absolut sicher, und jeder von ihnen ist ein Meister des komischen Timings. Es ist eine reine Freude, ihnen zuzusehen und zuzuhören. Besonders gelungen ist, wie sie die freundschaftliche Rivalität zwischen den Songwriting-Partnerschaften spürbar machen – man versteht unweigerlich die Dynamik in dieser kleinen Zelle außergewöhnlicher musikalischer Schaffenskraft, vor allem weil Larsen und Spector so hervorragend miteinander sowie mit Mueller und Campbell zusammenspielen.
Paul Anthony Stewart ist großartig als Musikmogul, der über all ihre Schicksale bestimmt, und er zeigt überzeugend sowohl die geschäftliche Seite der Figur als auch die echte Zuneigung, die er für die vier zentralen Künstler in seinem „Stall“ empfindet.
Es gibt unzählige außergewöhnliche Momente unverfälschten musikalischen Vergnügens: Oh Carol, Happy Days Are Here Again, Will You Still Love Me Tomorrow, The Locomotion, You've Lost That Loving Feeling, Walking In The Rain, It's Too Late und natürlich der Titelsong – Beautiful. Das ist musikalische Theaterkunst in ihrer verführerischsten Form.
Die Art von Show, für die 5 Sterne erfunden wurden.
Ein absolutes Muss.
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