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REZENSION: Gebrochene Saiten, Tabard Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Broken Strings

Tabard Theatre

7. September 2016

3 Sterne

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Die feinsinnige Innenschau von Terence Davies’ nachdenklichen Filmen über das Working-Class-Leben vergangener Jahrzehnte trifft in diesem eigenwilligen Hybrid aus einem Einakter von Autor und Regisseur Joe Wenborne auf Mike Leighs kraftvoll zurückgenommenes, theatrales Drama häuslicher Tragik. In Mike Leopolds eindrucksvoll realistischem Bühnenbild (wunderbar ausgeleuchtet von Adam King) – ein präzises, sehr solide wirkendes Guckkasten-Set, das eher ins West End zu gehören scheint als in ein kleines Fringe-Theater über einem Pub – erleben wir in gut 80 Minuten, wie Stunden, Monate und Jahre vergehen, während zwei ganz gewöhnliche Menschen mit den Nachwirkungen eines emotional erschütternden Ereignisses leben.

Rose (Linda Clark) und David (Steven Arnold) sind die einzigen Figuren, die wir sehen – doch wenn sie von anderen sprechen, ist die Darstellung ihres ringenden Verhältnisses als Schwiegermutter und Schwiegersohn so tief realistisch, dass man erwartet, Wohnzimmer oder Wohnküche würden jeden Moment von deren Anwesenheit gefüllt. Hier ist die Nähe zu Mike Leigh vielleicht am stärksten: Die robuste, schlichte Wirklichkeit ihrer Welt scheint seltsame Kräfte zu verleugnen, die sie kaum zu fassen, geschweige denn zu verstehen vermögen – und die dennoch hindurchwogen und sie erst in diese, dann in jene Richtung treiben. Die langjährige Kameraerfahrung beider Darstellenden trägt erheblich zu dieser Wirkung bei: Unter anderem sind beide „Coronation Street“-Veteranen; in deren Ensemble lernten sie sich kennen. Sie beherrschen es, das Narrativ einer lokalen Katastrophe mit Gesten so klein wie einem Schulterzucken oder der leisesten Stimmnuance zu zeichnen. Zugleich verleiht ihnen ihre umfangreiche Theaterpraxis aller Couleur die Sicherheit, diese Figuren vor unseren Augen und Ohren klar zu setzen. Clark nimmt zudem eine Rolle wieder auf, die sie vor sechs Jahren in Workshops entwickelt hat – und bringt sie nun stärker, entschlossener zurück.

Vollkommen stimmig ist dabei, dass das schreckliche Ereignis, auf das beide – auf ihre meist gegensätzliche Weise – reagieren, off-stage stattgefunden hat und tatsächlich unmittelbar vor Beginn der Handlung bereits zu Ende ist. Auch wenn anschließend vieles an konventioneller „Handlung“ folgt, interessieren uns diese äußeren Vorgänge weit weniger, als diesen zwei verletzten Menschen dabei zuzusehen, wie sie die lang anhaltende Schockwelle der früheren Tragödie durchleben.

Neben seiner unaufdringlichen Regie schreibt Wenborne Dialoge, die nie stillstehen: Sein Fokus springt fortwährend von schlichter, karger Rede zu flinker, bodenständiger Schlagfertigkeit (mit vielen erfreulich eleganten Formulierungen), zu Weinen, Lachen, Rufen und Schweigen. Man spürt: Das sind normalerweise sehr wortkarge Menschen, die nicht dazu neigen, über Gefühle zu sprechen. Doch ein Unfall hat sie so zusammengeworfen, dass sie einer Abfolge wechselnder Stimmungen und Gedanken kaum ausweichen können – und ihre Reaktion darauf in der scheinbar zufälligen, improvisierten Art ausdrücken, die ihnen jeweils am ehesten zur Hand ist.

Zwischen diese Szenen geschnitten sind – und der Bezug dürfte hier eindeutig zu Terence Davies’ Epen des Alltäglichen führen – die üppigen, tröstlichen Melodien von Music for Pleasure oder Radio 2: ebenso passend zur umgebenden Handlung, als hätte Jimmy Young sie persönlich ausgewählt (der hervorragende Sound stammt hier allerdings von Peter Dyos). Das erinnert uns – wie alle anderen Details dieser subtilen, hochintelligenten Inszenierung – daran, dass die Welt, die wir sehen und hören, vorbei ist: Sie liegt in der Vergangenheit, vollständig und abgeschlossen. Dass wir diese Botschaft nicht sofort begreifen, ist jedoch ebenfalls ein grundlegender Teil dessen, was diese Geschichte erzählen will.

Für manche Geschmäcker mag das vielleicht zu gedämpft sein. Wie die Beteiligten selbst anmerken: Das ist kein großes, heroisches Theater. Und auch keine komplexe psychologische Untersuchung fragmentierter Persönlichkeiten. Es ist ein ehrliches Porträt dessen, was in der Welt tatsächlich passiert – und, nach seinen eigenen Maßstäben gemessen, ein so gelungenes Beispiel dieser Art, wie man es in dieser Spielzeit vermutlich sehen wird. Clark und Arnold haben zusammen Panto gespielt; dies ist eine insgesamt wesentlich ernstere und dunklere Welt, doch sie ist weiterhin in einer Sprache aus Archetypen und Konventionen geschrieben – so wie es auch bei den Gesprächen der meisten Menschen der Fall ist. Wenborne dekonstruiert sein Material vielleicht nicht wissend-analytisch, aber er zeigt es direkt, offen und sensibel.

Vor allem ist dies ein Drama, das in jedermanns Leben passieren könnte: Gerade die radikale Alltäglichkeit der Geschichte ist ihr eigentlicher Daseinszweck. Auch wenn es nicht nach Aufmerksamkeit bellt und uns nicht mit einer Kette von Ablenkungen auf Trab hält, merkt man Stunden nach dem Verlassen des Theaters, dass seine sanfte, klare Präsenz noch bei einem ist – und verstreut etwas Licht auf die großen Rätsel des Lebens und Sterbens, des Liebens und Hassens, von Verzweiflung und Hoffnung.

Broken Strings ist bis zum 24. September 2016 im Tabard Theatre zu sehen

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