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KRITIK: Heaven Burns, Assembly Roxy, Edinburgh Fringe ✭✭
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markludmon
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Mark Ludmon rezensiert Jen McGregors neues Stück „Heaven Burns“ im Assembly Roxy beim Edinburgh Fringe
Heaven Burns. Foto: Chris Scott Heaven Burns Assembly Roxy, Edinburgh Fringe
Zwei Sterne
Jen McGregor wirft ein Licht auf eine dunkle Phase der schottischen Geschichte in den 1660er-Jahren, als eine Welle der Hexenhysterie das Land erfasste. In ihrem neuen Stück Heaven Burns erzählt sie die Geschichte von Christian Caddell neu – einer Frau, die sich als Mann, John Dickson, ausgab, um „witch pricker“ zu werden: fanatische Hexenfinder, die durchs Land zogen und mit einer Nadel nach dem Mal des Teufels suchten, das irgendwo am Körper verborgen sein sollte, um festzustellen, ob jemand eine Hexe war.
In McGregors Version wird Christian von religiösem Eifer und einem echten Glauben an ihre Fähigkeiten als Hexenfinderin angetrieben – auch wenn niemand ihre tatsächlichen Beweggründe kennt. Historikerinnen und Historiker haben darauf hingewiesen, dass der Job beliebt war, weil er einen Tageslohn plus eine hohe Einmalzahlung für jede entdeckte „Hexe“ einbrachte. In Männerkleidung zieht Christian die sexuellen Avancen ihrer Dienerin Isobel auf sich, die in die Verschwörung hineingezogen wird. Später stellt sich heraus, dass es sich dabei tatsächlich um Isobel Gowdie handelt, deren unglaublich detaillierte Geständnisse über Hexerei zu den berüchtigtsten der Geschichte zählen.
Obwohl das Stück eine Auseinandersetzung mit Geschlechterpolitik verspricht, bleibt es kaum mehr als die Darstellung einer religiösen Fundamentalistin, die mittels Täuschung einer Berufung nachgeht – in einem strikt Männern vorbehaltenen Tätigkeitsfeld. Zwar wurden auch Männer der Hexerei beschuldigt, doch streift das Stück immerhin die Sichtweisen der patriarchalen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts, wonach Frauen aufgrund ihrer „schwächeren Natur“ am ehesten dem Satan erliegen würden.
Die spannende Prämisse der Inszenierung, die uns veranlasste, sie in unserer Vorschau auf Theater beim Edinburgh Fringe aufzunehmen, wird nicht über eine schlichte Erzählung hinaus entwickelt. Trotz des dreiköpfigen Ensembles – Susanna Mulvihill, Marion Geoffray und Andrew Findlater – fehlt es selbst dann an Spannung, wenn die Täuschung zu kippen droht, und es gelingt nicht, uns das Schicksal der beiden Frauen wirklich nahezubringen. Obwohl das Stück Christians Motivation erklären will, bleibt sie nie mehr als eine Schurkin, die von Folter begeistert ist und in ihrem Kampf gegen den Teufel Schmerz zufügt. In der faszinierenden Geschichte von Christian Caddell steckt Potenzial, Geschlecht und die Abgründe der Hexenjagd zu beleuchten – doch Heaven Burns wird diesem Anspruch leider nicht gerecht, außer um zu beweisen, dass Frauen ebenso viel Recht haben, Monster zu sein, wie Männer.
Läuft bis 27. August 2018
HEAVEN BURNS TICKETS
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