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REZENSION: Miniaturisten 50, Arcola Theatre ✭✭✭
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Leitartikel
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Miniaturists 50
Arcola Theatre
8. Februar 2015
3 Sterne
Der Miniaturists-Abend im Arcola Theatre ist ein wunderbarer Abend mit brandneuen Kurzstücken von einigen der besten jungen Schreibtalente Großbritanniens.
Einige Beiträge des Abends, wie Palindrome und Alcatraz, spielen mit der Form des dramatischen Textes selbst und – wie in Lifeboat – auch mit der physischen Form von Theater, indem das Publikum auf die Bühne geholt wird und so eine Art ortsspezifisches Stück entsteht. Die zwei absoluten Highlights des 50. Miniaturists-Abends waren jedoch Fascination von Sarah Sigal und Pablo Neruda von David Eldridge.
Fascination, von Susanna Fiore meisterhaft als Solo gespielt, ist eine Nacherzählung von Tschechows ikonischen Drei Schwestern – allerdings erzählt durch das Verhör einer der Hauptfiguren, Mascha, als stünde sie unter sowjetischer Herrschaft. Eine solche Neuinterpretation eines derart kanonischen Werks könnte leicht plump wirken, doch abgesehen von ein paar kleinen Hängern singt der Kern der Verzweiflung, der Tschechows Figuren ausmacht, vollständig aus dem Text heraus.
David Eldridges Pablo Neruda war eine Freude. Lisa Ellis, die ein Online-Date spielt, das kurz davorsteht, ihren Cyber-Schatz zu treffen, wird von der Ehefrau des Mannes ausgebremst – Raquel Cassidy, die ihren Online-Schriftwechsel gelesen hat. Cassidy ist elektrisierend. Und obwohl buchstäblich nichts auf der Bühne ist außer den beiden Schauspielerinnen und dem, was sie tragen können, hat Regisseur Tim Stark dieses kurze Stück außergewöhnlich gut inszeniert.
Der einzige Aspekt dieses Stückeabends, der einen kurz innehalten lässt, ist die eigentliche Natur des Formats. Fünf Kurzstücke, geschrieben von relativ etablierten Dramatiker*innen, mit 30 Minuten oder weniger, wirkt wie eine etwas eigenwillige Programmierung.
Wären das extrem neue Autor*innen, könnte man die Sichtbarkeit als Argument verstehen – doch viele von ihnen hatten bereits Arbeiten am Royal Court, im Theatre 503, bei BBC Radio 4 sowie am Almeida und im Donmar Warehouse. Wenn diese Autor*innen so etabliert sind, stellt sich die Frage, warum sie überhaupt einen solchen Präsentationsabend brauchen. Man fragt sich, wann diese Stücke als Nächstes wieder gespielt würden – womöglich erst, wenn ein anderer Spielort einen ähnlichen Abend programmiert.
Insgesamt war es ein hervorragender Abend mit neuen Arbeiten – und doch bleibt am Ende die Frage, wo und wann diese Stücke wieder zu sehen sein werden. Und wenn sie nur an einem Abend wie diesem gespielt werden: Bedeutet das, dass sie als dramatische Texte wirklich für sich allein stehen können?
Kritik von James Garden
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