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KRITIK: Monster Raving Loony, Soho Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Jack Brown, Joanna Brooks, Joseph Alessi und Samuel James. Foto: Steve Tanner Monster Raving Loony
Soho Theatre
18. Mai 2016
4 Sterne
Über 30 Jahre lang war David Sutch bei Parlamentswahlen der „Lord of Misrule“ – er unterlief die etablierten Parteien mit clowneskem Auftreten und aberwitzigen Kostümen. Mit seiner Official Monster Raving Loony Party war er Teil einer sich wandelnden Gesellschaft, aus der auch die respektlose Comedy von The Goons, Monty Python und That Was the Week That Was hervorging – deshalb ist es eine wirklich inspirierte Idee von James Graham, Leben und Zeit des selbsternannten Screaming Lord Sutch im Rahmen klassischer britischer Comedy zu erkunden.
Monster Raving Loony, übernommen vom Theatre Royal Plymouth, reicht zurück bis zur Music Hall, zu Max Miller und Punch and Judy – all das prägte Sutch früh, als er im nordwestlichen Londoner Stadtteil Harrow aufwuchs. Erzählt werden seine enge Beziehung zu seiner Mutter, seine manische Depression, seine wechselhafte Karriere als Musiker und die Gründung seiner Partei, die berühmt dafür wurde, Kandidaten bei nationalen wie lokalen Wahlen aufzustellen – auch in den Wahlkreisen von Premierministern. Obwohl Sutch alle 40 Wahlen verlor, in denen er antrat, wurde er zu einer beliebten Figur, weil er dem Establishment den Spiegel vorhielt, bevor er 1999 seinem Leben ein Ende setzte.
Joseph Alessi, Joana Brookes und Samuel James. Foto: Steve Tanner
All das wird in einer Reihe von Sketches erzählt, in denen reale Personen neu besetzt werden: Sutchs Mutter wird zur Pantomime-Dame, außerdem tauchen Dandy Nichols’ Else Garnett aus Till Death Us Do Part und der alte Albert Steptoe aus Steptoe and Son auf. Der Parteitag der Official Monster Raving Loony Party wird herrlich als Team-Meeting aus Hi-de-Hi umgebaut, während Sutchs Begegnungen mit Wahlleitern clever als Hancock’s Half Hour und ’Allo ’Allo neu gedacht werden. Dazu gibt es Einblicke in die britische Nachkriegsgesellschaft und die politische Bühne – mit Referenzen u. a. an Pete und Dud, That Was the Week That Was, Monty Python und The Goon Show.
Unter der Regie von Simon Stokes erweist sich das sechsköpfige Ensemble als enorm wandlungsfähig und äußerst treffsicher in der Imitation. Joanna Brookes ist verblüffend gut – etwa als Dandy Nichols oder als Su Pollards Peggy aus Hi-de-Hi; Joe Alessi setzt gleich zu Beginn die Messlatte hoch, als Max Miller und als derbe Pantomime-Dame, die mit dem Publikum interagiert. Die Darsteller greifen sogar selbst zu Instrumenten und liefern die musikalische Begleitung – angeführt von Musical Director und Komponist Tom Attwood.
Joseph Alessi und Samuel James. Foto: Steve Tanner
Durch alle Sketches hindurch wird die Rolle des Screaming Lord Sutch von Samuel James mit großer Könnerschaft und Verve gespielt. Er lässt uns Blicke auf Sutchs gequälte Seele erhaschen und überzeugt zugleich in seinen zahlreichen Comedy-Verwandlungen – von Tony Hancock bis zu Harry H. Corbetts Harold Steptoe.
Ich bin mir nicht sicher, wie viel Sinn das Stück für jemanden ergibt, der Sutch und die Comedy der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht kennt – aber es hat genug Lacher, Energie und Einfallsreichtum, um das nebensächlich werden zu lassen. Während das Publikum Partyhütchen aufsetzt und zeitweise zum Mitmachen animiert wird, ist es eine unterhaltsame Show, die nebenbei auch jede Menge scharfer Beobachtungen zu britischer Politik und Gesellschaft unterbringt.
MONSTER RAVING LOONY LÄUFT AM SOHO THEATRE BIS ZUM 18. JUNI 2016
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