NACHRICHTEN
KRITIK: Platform Plays- Leuchtende. Junge. Talente und Schweres Wetter
Veröffentlicht am
6. August 2020
Von
pauldavies
Share
Paul T Davies rezensiert Platform Plays: Bright. Young. Things und Heavy Weather, erschienen bei Nick Hern Books.
Platform Plays – Bright. Young. Things und Heavy Weather. Nick Hern Books.
4 Sterne
Die 2015 gestartete Platform-Reihe bietet Stücke für grosse Ensembles mit einer rein weiblichen oder überwiegend weiblichen Besetzung – gedacht für Schulen, Amateurtheatergruppen und Jugendtheater. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwischen Nick Hern Books und Tonic Theatre, dessen Leiterin Lucy Kerbel auf Forschungsergebnisse reagierte, die zeigten: Obwohl die meisten Mitglieder von Jugendtheatergruppen weiblich sind, drängen viele Stücke weibliche Figuren an den Rand zugunsten männlich geführter Erzählungen. Ziel von Tonic ist es, das Theater in Grossbritannien auf dem Weg zu mehr Geschlechtergerechtigkeit zu unterstützen. Diese Stücke wollen Annahmen über weibliche Stimmen und Erfahrungen hinterfragen, indem sie junge Frauen ins Zentrum stellen – ohne dabei den männlichen Mitwirkenden in der Gruppe Chancen zu nehmen. Diese zwei neuen Stücke, die an die ersten drei Platform-Stücke anschliessen, sind zeitgenössisch, nah an der Lebenswelt junger Menschen und bieten einer Gruppe, die gerne gefordert wird, eine hervorragende Bandbreite.
Bright. Young. Things von Georgia Christou nutzt eine Struktur, die viele junge Leute sofort wiedererkennen – den Reality-TV-Wettbewerb. Hier läuft die „Jagd“ nach dem „Goldenen Gehirn“ Grossbritanniens, dem cleversten, hellsten Jungtalent. Ich denke, viele junge Menschen werden es lieben, in diesem Stück mitzuspielen, und es steckt voller Humor. Besonders gefallen haben mir die Producer, die in beliebiger Anzahl auftreten können, solange sie sich alle gleich bewegen – eine homogene Truppe schmieriger Manipulatoren, die ihre Show nach Drehbuch formen. Ebenso sofort erkennbar sind die kitschigen Moderator*innen und die Jury sowie die Kandidat*innen, die als runde, glaubwürdige Figuren gezeichnet sind. Durch einen Zufall wird Rochelle ins Finale geholt – temperamentvoll und intelligent –, und sie weigert sich, in die Schablone zu passen, die die Producer für sie vorgesehen haben. Nach und nach begreifen auch die anderen, dass sie das ebenfalls nicht wollen. Es ist ein kluges Stück über Identität, elterlichen Druck und die Medien – und es liest sich mit enormem Tempo und Energie.
Etwas düsterer im Ton, und doch mit einem Rückgriff auf Sorgen aus der Zeit vor COVID, erinnert Heavy Weather von Lizzie Nunnery daran, dass der Klimanotstand weiterhin ganz oben auf der Agenda steht. Mona, eine Aussenseiterin, wurde von ihrer ältesten Schwester Elin grossgezogen, seit ihre Mutter die Familie verlassen hat, um für Umweltanliegen zu kämpfen und zu protestieren. Als Mona ihre Mutter auf einem Bildschirm erblickt, reist sie zu einer Klimaschutz-Demonstration, um ihre Mutter Lucinda zu finden, sie zur Rede zu stellen und sich ihr anzuschliessen. Doch sie stösst auf Chaos: Ihre Mutter ist egoistisch, und die Themen sind weit komplexer, als Mona gedacht hat. Wenn das alles schwer klingt – und die Botschaft ist stark –, dann webt Nunnery zugleich urkomische, nachdenkliche Begegnungen in den Text: mit einer Social-Media-Influencerin, einem Guru, überempfindlichen Freiwilligen und – mit Anklängen an Bright Young Things – einem*einer Geschichtenerzähler*in, der*die darauf besteht, Monas Erzählung zu einer Geschichte von Wut und Protest zu formen. Das Stück enthält zudem Musik – hervorragende Liedtexte, die die Aussage des Stücks unterstreichen – und vibriert vor Leben und Dringlichkeit.
Beide Autorinnen geben den Gruppen reichlich Gelegenheit, der Produktion ihren eigenen Stempel aufzudrücken; die Texte bieten den Spielenden viele Möglichkeiten. Ausserdem denke ich, dass – sollten Abstandsregeln gelten – genug Rollen vorhanden sind, damit auch kleinere Gruppen am Text arbeiten können, nicht nur ein grosses Ensemble, und man vielleicht sogar zwei gegensätzliche Versionen desselben Stoffes erarbeitet. Jede*r Jugendtheaterleiter*in, jede Drama-Lehrkraft und jede Amateurtheatergruppe wäre gut beraten, sich diese Stücke – und weitere aus der Platform-Reihe – anzusehen. Wie Kerbel sagt: Jugendtheater ist der Maschinenraum der Theatermacher*innen von morgen – und hier gibt es ausgezeichneten Treibstoff, um diese Entwicklung anzutreiben.
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie