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REZENSION: Die Simon & Garfunkel Story, Vaudeville Theatre ✭✭✭✭
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Von
douglasmayo
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Douglas Mayo rezensiert The Simon and Garfunkel Story mit Sam O'Hanlon und Charles Blyth im Vaudeville Theatre.
Charles Blyth und Sam O'Hanlon in The Simon and Garfunkel Story The Simon and Garfunkel Story
Vaudeville Theatre
4 Sterne
Infos zur UK-Tour Zunächst einmal: Wer eine Buddy- oder Jersey-Boys-artige Aufbereitung der Geschichte von Paul Simon und Art Garfunkel erwartet, sollte sich lieber anderweitig umsehen. Was im Vaudeville Theatre und auf Tour durch Grossbritannien (und tatsächlich die ganze Welt) gezeigt wird, ist eher eine musikalische Hommage im Konzertformat – mit nur einem hauchdünnen erzählerischen Faden, der das Ganze von einem „ganz normalen“ Live-Konzert unterscheidet.
Wenn man jedoch – so wie ich – Fan von Simon & Garfunkel ist, bekommt man hier eine echte Feier einiger der grössten Pop-Songs, liebevoll zum Leben erweckt von einer kleinen Gruppe talentierter Darsteller*innen und Musiker*innen. Es ist die Gelegenheit, dieses fantastische Material in einem intimen, komfortablen Rahmen zu hören, was aus meiner Sicht das Erlebnis sogar noch verstärkt. Wenn man bedenkt, dass ihr grösster Auftritt im Central Park 500.000 Menschen zusammenbrachte, kann man wohl sagen: Das ist Simon & Garfunkel in einem Setting, das die wenigsten je erleben – es sei denn, man war in den Folk-Clubs der 60er dabei.
Sam O'Hanlon (Simon) und Charles Blyth (Garfunkel) sind perfekt aufeinander abgestimmt. Sie harmonieren hervorragend und wirken angenehm entspannt, während sie Song um Song performen. Schliesst man die Augen, würde man die meiste Zeit des Abends schwören, die „Echten“ stünden vor einem – und das ist bei einem Abend wie diesem wirklich keine Kleinigkeit.
Unterstützt werden sie von Will Tuckell, Leon Camfield, Mat Swales und Kyla Brown; im zweiten Akt kommt eine Bläsersektion mit Tim Bloomer, Dominik Told und Christiano Castellitto hinzu. Das ist ein funky Ensemble, das Stücken wie Mrs Robinson und The 59th Street Bridge Song (Feeling Groovy) einen echten Groove verpasst. Und einige der Harmonie-Parts, die Camfield und Brown beisteuern, geben manch zeitlosem Klassiker zusätzliche Tiefe.
Die wahre Bewährungsprobe für O'Hanlon und Blyth kommt, wenn nur die beiden mit einer einzigen Gitarre auf der Bühne stehen. Diese Prüfung bestehen sie mit Bravour – und was für ein Genuss es ist, ihnen dabei zuzuhören.
Die grösste Schwäche der Show liegt im Format. Teils live vorgetragene biografische Erzählung, teils projizierte Einblendungen – sie weiss nie so recht, wo sie stehen will. Liest man das Programmheft, scheint etwa die Hälfte der Live-Erzählung daraus übernommen zu sein, und das wirkt bestenfalls banal. Hinzu kommt, dass Simon & Garfunkel schlicht keine wahnsinnig dramatische Story haben, die unbedingt erzählt werden müsste. Zusammen auftreten, sich trennen, wieder zusammenfinden – das ist im Grunde alles. Das Einzige, was ich wirklich interessant fand, war Garfunkels Rückkehr in den Schuldienst als Mathelehrer an einer Highschool nach seinem Erfolg.
Die Produktion nutzt die meiste Zeit über einige pfiffige Projektionen – was angesichts der eher statischen Präsenz der Performenden gar keine schlechte Idee ist. In der zweiten Hälfte gibt es einen seltsamen Moment mit einem aufgezeichneten Interview, das unverständlich und unnötig war. Schade ist auch, dass O'Hanlons und Blyths Gesichter über weite Strecken komplett von den Mikrofonen verdeckt wurden – wodurch jede Hoffnung auf eine visuelle, dramatische Ebene regelrecht weggespült wird.
The Simon and Garfunkel Story ist vor allem eine Show für eingefleischte Fans dieser Musik. Neben Namen wie Bernie Taupin und Leonard Cohen zeigte das Material von Simon & Garfunkel, welche Kraft poetische Lyrics in Kombination mit unvergleichlichen Harmonien entfalten können. Ob nur mit einer Gitarre oder mit Ensemble – das sind zeitlose Songs. Im Publikum fühlt man sich in vergangene Zeiten zurückversetzt; jeder einzelne legt sich um einen wie ein liebgewonnener alter Pullover an einem kalten Tag. Man kommt einfach nicht daran vorbei, wie phänomenal gut diese Songs sind – und wie gut sie hier dargeboten werden. Mit Bridge Over Troubled Water als Finale bleibt kein Zweifel an der Erhabenheit vielleicht ihrer grössten Hymne. Vierzig Jahre später sind sie weiterhin unerreicht.
THE SIMON AND GARFUNKEL STORY – INFOS ZUR UK-TOUR
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