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KRITIK: Steel Magnolias, Hope Theatre ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
sophieadnitt
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Lin Sagovsky und Stephanie Beattie in Steel Magnolias. Steel Magnolias Hope Theatre
11. August
3 Sterne
Jetzt buchen Die Hitze hat vermutlich nicht gerade geholfen. Obwohl an der Kasse bereitwillig Ventilatoren ausgegeben wurden, war der winzige Zuschauerraum des Hope Theatre unerträglich stickig. Das führte zu reichlich Fächern mit Programmheften – und zu einer Menge Mitgefühl für das Ensemble, das im Rahmen seiner herrlich 80er-jährigen Kostüme Pullover, Mäntel und mehrere Schichten übereinander tragen musste. Steel Magnolias ist wahrscheinlich vor allem durch den Film von 1989 mit Dolly Parton und Julia Roberts bekannt, der das Leben einer Gruppe von Freundinnen und die unterschiedlichen Höhen und Tiefen ihres Alltags nachzeichnet. Die ursprüngliche Bühnenfassung ist nun im Hope Theatre zu sehen – mit Robert Harlings Originaltext, basierend auf einer Tragödie aus seiner eigenen Familie. So sehr in dieser Inszenierung die Lacher auch Schlag auf Schlag kommen: Ganz ohne Schwächen ist sie nicht.
Ariel Harrison, Maggie Robson, Jo Wickham und Samantha Shellie in Steel Magnolias.
Beim Einlass werden die Zuschauer*innen sofort in den Beauty-Salon in Louisiana versetzt, in dem das Stück spielt – umgeben von greller Dekoration, reichlich Haarpflege-Utensilien und Retro-Werbeanzeigen für Kosmetik. Der heitere Ton ist augenblicklich gesetzt. Man sitzt so nah dran, dass es wirkt, als säße man selbst im Friseursalon und lausche den Gesprächen mit.
Die Thrust-Bühne verstärkte den immersiven Effekt, sorgte jedoch für schlechte Sicht für alle, die nicht in den vorderen Reihen saßen. Das mag den beengten Platzverhältnissen geschuldet sein, doch die Natur des Stücks bringt es mit sich, dass die Darsteller*innen regelmäßig sitzen – und dann komplett verdeckt sind.
Maggie Robson, Jo Wickham, Samantha Shellie und Stephanie Beattie in Steel Magnolias.
Ständig auf den Beinen hingegen ist Ariel Harrison als wiedergeborene Christin Annelle. Harrison ist eine reine Freude – mit einigen herrlich absurd-komischen Zeilen ausgestattet und wächst vor unseren Augen von einem nervösen jungen Mädchen zu einer selbstsicheren, angekommenen Frau. Und doch scheint Annelles eigener Handlungsstrang beendet, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Es wird eine interessante Ausgangslage aufgebaut – ein flüchtiger, krimineller Ehemann, eine verlassene Frau, die obdachlos wird – doch es gibt keinerlei wirklichen Pay-off; dieser Faden wird später mit einem beiläufigen Satz abgewickelt.
Und genau darin liegt das Hauptproblem von Steel Magnolias: Das Publikum darf sich nie ganz in die Geschichte hineinfallen lassen. Wir bekommen Einblicke in das Leben dieser Figuren und sollen Anteil nehmen – aber nicht genug, um wirklich mitzufühlen.
Lin Sagovsky, Samantha Shellie und Ariel Harrison in Steel Magnolias.
Der Text ist stark episodisch. Jede Szene spielt Monate nach der vorherigen, und das Publikum muss sich hastig zusammenreimen, was alles offstage passiert ist. Es ist frustrierend, dass wir die Hälfte dessen, wovon wir hören, nie selbst miterleben – Ereignisse werden in diesem salonhaften Fegefeuer-Setting über Klatsch und Tratsch weitergereicht, und Harlings Script gerät gefährlich nah ans Zuckrige.
Friseurin Truvy scheint wenig mehr zu tun, als für alle um sie herum als Resonanzboden zu dienen und ab und zu ein paar klischeehafte „Südstaaten-Weisheiten“ einzuwerfen (schade, denn Jo Wickham holt mit einer ehrlichen, charmanten Darstellung das Beste aus der Rolle heraus). Und Stephanie Beattie als M’Lynn wird sträflich unterfordert – bis zu einer regelrechten Wucht von finaler Rede, dem emotional eindringlichsten Dialog des gesamten Abends. Dass das nicht nach „zu wenig, zu spät“ wirkt, ist Beatties Schauspielkunst zu verdanken – sie wird zur überraschenden Hauptattraktion der Inszenierung.
Stephanie Beattie und Jo Wickham in Steel Magnolias
Zum Glück scheint Maggie Robson gegen die Schwächen des Textes völlig immun: Sie spielt die Nachbarschaftsdrachin Ouiser mit perfekt dosierter Muffeligkeit und liefert einige der besten Pointen des Abends. „Ich spiele schwer zu kriegen“, verkündet Ouiser verächtlich – mit Blick auf einen neuen Verehrer.
Lin Sagovsky als Clairee schnalzt spöttisch: „Ach ja? In deinem Alter solltest du eher ‚gegen die Uhr‘ spielen.“
Leicht, sehr witzig, aber letztlich etwas unterwältigend – Steel Magnolias ist vielleicht am besten den Fans des Films überlassen.
Steel Magnolias läuft bis zum 3. September JETZT STEEL MAGNOLIAS IM HOPE THEATRE BUCHEN
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