Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

KRITIK: Die Chemsex-Monologe. Kings Head Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

24. März 2017

Von

pauldavies

Share

Die Chemsex-Monologe.

King’s Head Theatre.

23. März 2017

4 Sterne

Tickets buchen

Endlich spricht die schwule Community über das Chemsex-Phänomen, das ebenso sehr Leben zerstört und Menschen in den Tod treibt wie die AIDS-Epidemie der 1980er-Jahre – besonders in London. Mit Matthew Todds hervorragendem Buch Straight Jacket, das das Thema untersucht und diskutiert, und mit Artikeln, die inzwischen über schwule Männer und Einsamkeit geschrieben werden, stellt sich die große Frage: Wenn das Versteckspiel im Schrank eigentlich nicht mehr nötig ist und wir in einer gleichberechtigteren Gesellschaft leben – warum fühlen sich so viele schwule Männer noch immer isoliert und suizidal? Das Auftauchen von Meth und Tina hat verheerende Auswirkungen.

Patrick Cash ist ein starker Autor, und dieses Begleitstück zu seinen HIV Monologues ist in Stil und Präsentation ähnlich: Die Monologe sind direkt, explizit, ehrlich und ohne zu verurteilen. Es funktioniert dank präziser Figurenzeichnung und eines hervorragenden Ensembles, das gemeinsam mit Regisseur Luke Davies wunderschön ausgearbeitete, fehlerhafte, zugleich sympathische Charaktere entstehen lässt. Cash geht über abwertende Etiketten wie „Twink“, „Junkie“ und „Schlampe“ hinaus und trifft den Kern aus nackter Scham und Einsamkeit.  Kein Zufall, dass der Queen-Song, der gespielt wird, Somebody to Love ist.

Das Ensemble überzeugt auf ganzer Linie. Der Erzähler Kane Surry rahmt die Produktion sehr gelungen: Er führt uns ins Nachtleben, begegnet einem sexy Jungen, der ihn in die Freuden von G einführt. Surry zeigt gekonnt die darunter brodelnde Spannung – das junge Alter des Jungen, die stille Verzweiflung – und dann, am Ende des Stücks, das Wiedersehen unter völlig anderen Umständen: Der Erzähler ist nun nüchtern und versucht, dem Jungen zu helfen. Der namenlose Junge wird von Denholm Spurr wunderbar gespielt – sexy und verletzlich, er erlebt die Verwüstung um sich herum und feiert doch weiter, unfähig aufzuhören. Besonders berührend ist, dass fast alle Figuren in dieser Welt bleiben, weil sie das Gefühl haben,  es gebe nirgendwo sonst hin.

Charly Flyte liefert als Fag-Hag Cath eine warme, witzige Leistung: Sie findet sich bei Chill-outs mit ihrem schwulen besten Freund wieder – und muss feststellen, dass sich nun alles um Sex dreht, dass ihr Freund abhängig ist und zunehmend abbaut. Das hindert sie jedoch nicht daran, weiterhin ihre eigene Clubnacht zu veranstalten – eine gelungene, komplexe Facette, die sie überzeugend spielt. Allerdings ist Cath die am wenigsten ausgearbeitete Figur, und obwohl sie nicht in ein Klischee rutscht, hätte etwas mehr Zeit mit Cath sie noch weiter vertieft.

Am besten ist der hervorragende Matthew Hodson als Sexual-Health-Worker Daniel – eine schrille, urkomische und zugleich bewegende Performance. Wenn die Inszenierung ein wenig „wichtig“ und düster klingt, ist es Daniel, der den Ton wirklich aufhellt, ohne die Ernsthaftigkeit des Themas zu opfern.  Aus purer Einsamkeit geht er auf eine Sexparty, und seine Reaktionen sind herrlich und genau auf den Punkt – doch sein Monolog endet damit, dass er versucht, dem namenlosen Jungen zu helfen, während draußen der Pride-Marsch losgeht.

Genau diese Mischung aus Stolz und Scham beherrscht Cash so gut. Das ist eine anregende Inszenierung – ein eindringlicher und wertvoller Ausgangspunkt für ernsthafte Diskussionen und konkretes Handeln. Und es war ein Privileg, sie im historischen und lebendigen King’s Head Theatre zu sehen: der perfekte Ort für Stücke wie dieses, den man schätzen und bewahren muss.

TICKETS FÜR DIE CHEMSEX-MONOLOGE BUCHEN

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS