Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

REZENSION: Eine Lektion aus Auschwitz, Time and Leisure Studio Wimbledon ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

3. Juli 2018

Von

sophieadnitt

Share

Sophie Adnitt rezensiert A Lesson From Auschwitz von James Hyland im Time and Leisure Studio in Wimbledon.

A Lesson From Auschwitz

Time and Leisure Studio, Wimbledon

Fünf Sterne

Eine 60-minütige Hass-Tirade, vorgetragen als Vortrag vor NS-Offizieren in Auschwitz und als Auftakt zur „Endlösung“ verkündet – A Lesson From Auschwitz ist von Beginn an keine leichte Kost. Schon beim Einlass steht ein Häftling aus dem Lager (Michael Shon) auf der Bühne, zusammengesackt vor Erschöpfung, mit blutiger Nase. Er wirkt, als koste ihn das Stehen ungeheure Kraft, schwankt hin und wieder, als könnte er jeden Moment zusammenbrechen – eine zutiefst gespenstische Erscheinung. Als das Stück beginnt, bekommt er Gesellschaft vom Redner des Abends: Rudolf Höss, Kommandant von Auschwitz (James Hyland, der das Stück zudem inszenierte, schrieb und produzierte).

Höss heisst uns willkommen und spricht uns als seine Kameraden an. Seine Figur trägt den Grossteil des Textes, und vieles davon richtet er frontal ans Publikum – konfrontativ und so, dass man sich unangenehm mitschuldig fühlt. Höss’ „Lektionen“ sind eine Abfolge bösartiger, antisemitischer Mantras, die er durch die brutale Demütigung und Misshandlung seines jüdischen Gefangenen, des kürzlich gefassten Ausbrechers Abraham Könisberg, illustriert. Dieses Stück ist düster, verstörend und schwer auszuhalten. Als Theaterarbeit jedoch überzeugt es in nahezu jeder Hinsicht.

Kreative, die mehrere Rollen zugleich übernehmen, neigen manchmal dazu, ihr Werk übervorsichtig zu behüten – nicht so Hyland, der Spiel und Regie mit der nötigen Professionalität und dem erforderlichen Können führt. Von der ersten Minute an beeindruckend und körperlich präsent, trägt er Höss’ entsetzliche Ansichten mit unbeirrbarer Überzeugung vor – mit der Stilvielfalt, Modulation und Intonation eines versierten Redners. Shon hat deutlich weniger zu sagen, doch seine Körperlichkeit ist brillant, wenn auch herzzerreissend umgesetzt: Könisbergs Schmerz und Erschöpfung scheinen regelrecht aus ihm herauszustrahlen. In seinen wenigen Sätzen ringt er um jedes Wort, und wenn er sich an einer Stelle mühsam auf die Beine kämpft, zittern sie vor Anstrengung. Trotz Höss’ theatraler Selbstdarstellung und Könisbergs Schmerzensschreien kippen die Darstellungen glücklicherweise nie ins Melodramatische. Im Gegenteil: Beide sind derart überzeugend, dass mich eine Szene, in der Könisberg ausgepeitscht wird, an den Rand brachte, Höss anzuschreien, er solle aufhören.

Eine unerwartete Wendung der Handlung wird so subtil vorbereitet und so verheerend eingelöst – Sekunden, nachdem dem Publikum klar wird, was es ist –, dass sie im Nu das gesamte Vorangegangene in ein neues Licht rückt. Letztlich stehen hier zwei Schauspieler, ein Tisch und ein paar Requisiten – und doch ist die Arbeit von einer Qualität, dass sie als Beispiel dafür dienen sollte, was mit so wenig äusserem Aufwand möglich ist. Mehr noch: A Lesson From Auschwitz ist ein eindringlicher Blick zurück darauf, wie erschreckend weit eine Ideologie gehen kann. Dass alles in Echtzeit geschieht und Höss’ unerschütterlicher, unbeweglicher Glaube an das, was er tut – die Rationalisierung des völlig Irrationalen –, macht dieses Stück umso intensiver und erschütternder. Das Publikum geht erschüttert und schweigend hinaus. Angesichts des Themas und des Inhalts – und weil es Momente gibt, die man tatsächlich kaum ertragen kann anzusehen – fühlt es sich falsch an, A Lesson From Auschwitz zu loben. Doch in Konstruktion, Umsetzung und handwerklicher Meisterschaft, und als schockierende Erinnerung an den dunkelsten Moment der Menschheit, ist es eine aussergewöhnliche Arbeit und eine dringliche Mahnung, dass so etwas niemals wieder geschehen darf.

MEHR ÜBER A LESSON FROM AUSCHWITZ ERFAHREN

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS