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REZENSION: Black Sheep Die autorisierte Biografie von Nicol Williamson ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

10. März 2018

Von

pauldavies

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Black Sheep, die autorisierte Biografie von Nicol Williamson.

Gabriel Hershman

The History Press.

4 Sterne

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Dank der Obsession meines Partners für den Film Excalibur kenne ich Nicol Williamsons Darstellung des Merlin. Doch darüber hinaus wusste ich nur wenig über den Schauspieler selbst – und war mir seiner Laufbahn, insbesondere im Theater, schlicht nicht bewusst. Umso willkommener ist Gabriel Hershmans ausgezeichnete Biografie, die Williamson – gerade für eine Theaternärrin wie mich – fest in die oberste Riege jener Schauspielergeneration einordnet, die in den 1960er- und 1970er-Jahren das Theater nachhaltig veränderte. Gleichzeitig herrscht Einigkeit darüber, dass er sein Talent zu vergeuden schien: Alkohol und Depressionen überschatteten seine Berufsentscheidungen. Ebenso einhellig ist jedoch die Meinung, dass er, wenn er in Form war, zu den besten Bühnenschauspielern seiner Generation zählte.

Das Buch holt Williamson, heute fast vollständig in Vergessenheit geraten, zurück in den Kanon des britischen Theaters. Das ist ein Schauspieler, der mit John Osborne arbeitete, als der Dramatiker auf dem Höhepunkt seines Schaffens war, und am Royal Court in Inadmissible Evidence eine unvergessliche Leistung ablieferte. Das ist derselbe Schauspieler, der in Warten auf Godot auftrat und von Samuel Beckett als einer der besten Interpreten seines Werks bezeichnet wurde. Mehr Empfehlung brauche ich nicht!  Doch Williamson spielte – und lebte – nach seinen eigenen Regeln, ging nie Kompromisse ein und schimpfte über jede Person oder Sache, die seinen hohen Ansprüchen nicht genügte.

Das führte zu vielen Vorfällen außergewöhnlich schlechten Benehmens, oft alkoholgetränkt, mit denen er heute schlicht nicht mehr durchkäme. (In gewisser Weise fehlt der Kultur diese Sorte sogenannter „Skandalnudeln“ – vieles im Promi-Betrieb ist heutzutage geschniegelt, glattgebügelt und streng kontrolliert.) Mir klappte bei den Schilderungen seines Verhaltens oft die Kinnlade runter: ein Schauspieler, der das Publikum zusammenstauchte, Vorstellungen unterbrach, um sich zu beschweren, die Bühne verließ, wenn er unzufrieden war, und nach dem Schlussapplaus regelmäßig Ansprachen hielt, in denen er – besonders Produzenten gegenüber – seine Abneigung sehr deutlich machte! Allein das Kapitel Madness on Broadway ist den Kauf des Buches wert. Als er John Barrymore in dem Stück I Hate Hamlet spielte, konnte Williamson Evan Handler, der einen jungen Schauspieler (Hamlet) verkörperte, dem Barrymores Geist Ratschläge erteilt, ganz besonders nicht ausstehen. Es war eine Rolle, die Williamson sichtbar genoss, doch er warf Autor und Produzent Mittelmaß aus Feigheit vor. Dann – und das ist keineswegs zu entschuldigen – ignorierte Nicol mitten in einer Duellszene die Choreografie, forderte Handler auf: „Put some life into it!“, und schlug ihm mit der flachen Seite seines Schwerts auf den Rücken. Handler stürmte aus dem Theater und kehrte nie zurück. Zweifellos schadet ein Schauspieler seiner Karriere mit so etwas, und das Buch fragt immer wieder, warum es so weit kommen konnte.

Wenn es so klingt, als würde ich mich auf die pikanten Seiten des Verhaltens eines Schauspielers konzentrieren: Hershmans sorgfältige Recherche hält den reißerischen Schlagzeilen stets etwas entgegen und findet viele Zeugen, die andere Facetten von Williamsons Handwerk belegen – es besteht kein Zweifel, dass er ein großer Schauspieler war, und Leute wie Trevor Nunn liefern ausgewogene, vernünftige Gegenstimmen zu all dem Feuer und Zorn. Williamsons Sohn Luke betont immer wieder die Liebesfähigkeit seines Vaters, und es ist klar, dass die beiden eine starke, liebevolle Beziehung hatten.  Das Buch macht deutlich, wie flüchtig Ruhm ist – und dass Theater, wie Nunn sagt, „Schreiben im Sand“ sei, rasch dem Gedächtnis übergeben, bis auch die Erinnerung verblasst.  Das trifft auf Nicol Williamson zu: ein Schauspieler, der, wie sein Sohn es zusammenfasst, „nicht bereit war, sich einzuschleimen“ – etwas, womit viele der damaligen Krawallmacher durchaus leben konnten. Es ist ein faszinierendes Porträt nicht nur des Schauspielers, sondern auch von Theater und Film in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche – und eine enorm informative, sehr unterhaltsame Lektüre.

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