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KRITIK: Wachen am Taj, Bush Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
sophieadnitt
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Darren Kuppan und Danny Ashok in Guards At The Taj. Guards at the Taj
Bush Theatre
13. April 2017
Vier Sterne
1648, Agra, Indien. Der Kaiser hat verfügt, dass niemand ausser den Arbeitern das neu errichtete Taj Mahal ansehen darf, bis es vollständig fertiggestellt ist. Das gilt auch für Humayan (Danny Ashok) und Babur (Darren Kuppan), zwei niedrig rangige kaiserliche Wachen, die für die Frühschicht eingeteilt wurden. Gemeinsam müssen sie mit dem Blick abgewandt von diesem grossen architektonischen Wunder Wache stehen. Sie dürfen sich nicht umdrehen.
Seit ihrer Kindheit beste Freunde, sind sie ein ungleiches Duo: der pragmatische, realistische Humayan, dessen Vater in der kaiserlichen Garde weit oben steht. Babur, ein idealistischer Träumer, verbringt seine Tage damit, sich abwegige Erfindungen auszudenken. Babur spricht in höchsten Tönen von Ustad Isa, dem Architekten des Taj, doch Humayan weiss, dass dem Mann eine furchtbare Strafe bevorsteht – und dass es der niedrigsten Rangstufe der Wache zufallen wird, sie zu vollstrecken.
Danny Ashtok und Darren Kuppan in Guards At The Taj.
So beginnt Rajiv Josephs kluges Zwei-Personen-Stück, kunstvoll inszeniert von Jamie Lloyd, der auf unnötige Mätzchen verzichtet und stattdessen auf eine klare, schnörkellose Bühne setzt. Das funktioniert ausgesprochen gut: Soutra Gilmours karge, zellenartige Bühne lässt Josephs Text im Mittelpunkt stehen.
Joseph erschafft durch die Augen und Worte dieser beiden Männer eine ganze Welt. Das kumpelhafte Geplänkel der beiden Wachen erdet sie, gibt ihnen etwas Alltägliches – doch die stärksten Momente sind jene, in denen dies ganz unvermittelt aufbricht und einer wunderbar berührenden, beinahe poetischen Sprache weicht. Diese flüchtigen Augenblicke zeigen Josephs Autorentalent in voller Deutlichkeit; er hat ein kluges, vielschichtiges Stück geschaffen. Es besitzt fast etwas Mythisches – als sähe das Publikum eine Fabel: Männer, die Schönheit töten. Schönheit kehrt als Thema immer wieder, von Babur mit tiefer, aufrichtiger Ehrfurcht beschworen – und am Ende ist es die Schönheit, die ihn letztlich und ungewollt verrät.
Danny Ashok und Darren Kuppon in Guards At The Taj
Allein auf der Bühne arbeiten Ashok und Kuppan als die beiden Wachen hervorragend zusammen. Ihr Gespräch schlängelt sich mit der unangestrengten Offenheit, die nur enge Freundschaft mit sich bringt. Zwischen den beiden liegt spürbar eine gemeinsame Vergangenheit – ein ganzes Leben bis zu dem Moment, in dem wir sie erstmals an der Mauer des Taj treffen. Der Verlust dieser Freundschaft im Verlauf des Stücks trifft umso stärker, weil diese anfängliche Nähe so greifbar ist, und beide liefern eine fesselnde Darstellung. Kuppan glänzt in den Anfangsszenen, wenn Babur kaum widerstehen kann, jeden Gedanken auszusprechen, der ihm durch den Kopf geht. Diese schelmischen Zwischenrufe kontrastieren umso schärfer mit dem Trauma, das er im Finale erleidet. Ashok als Humayan beherrscht Josephs Dialog und spielt ihn mit erhabener Sicherheit sowie einer straffen, ökonomischen Schnelligkeit.
Humayan sieht die Welt, wie sie ist – mitsamt all den Einschränkungen, die die Herrschaft des Kaisers ihm auferlegt. Babur stellt sich vor, wie die Welt sein könnte: fremde Orte und unbekannte Menschen weit jenseits seiner begrenzten Erfahrung. Unter Agras strengen Regeln ist kein Platz für einen Träumer wie Babur, und je weiter Guards at the Taj voranschreitet, desto grausamer wird diese Wahrheit. Die 80 Minuten vergehen wie im Flug, während das Stück das Publikum ohne Möglichkeit zur Umkehr auf sein brutales Ende zutreibt.
Eine zutiefst bewegende Geschichte mit Momenten schwarzen Humors – Guards at the Taj ist eine ausgezeichnete Wahl als Premierenproduktion für das frisch renovierte Bush Theatre.
Foto: Marc Brenner
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