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REZENSION: Lovett + Todd, King's Head ✭✭

Veröffentlicht am

17. Juli 2015

Von

danielcolemancooke

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Daniel Collard und Louise Torres Ryan in Lovett + Todd. Foto: Another Soup Lovett + Todd

King’s Head

16. Juli 2015

2 Sterne

Sweeney Todd ist eines meiner Lieblingsmusicals; die Produktion des Tooting Arts Club, die ich Anfang des Jahres gesehen habe, gehört noch immer zu meinen liebsten Theatererlebnissen überhaupt. Entsprechend kam ich mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität ins King’s Head, um Another Soups „alternativen Blick“ auf Sondheims Klassiker zu sehen.

Lovett + Todd erzählt die Geschichte der verschlagenen Pastetenbäckerin hinter dem kannibalischen Plan und zeigt eine weniger bekannte Seite der Hauptfigur. Das Stück beginnt mit dem Tod von Lovetts Mutter (Mrs. Mrs. Lovett?) und zeichnet nach, wie sich ihr finsterer Plan entwickelt, nachdem sie auf einen gewissen dämonischen Barbier trifft. Könnte Lovett + Todd also für Sweeney das sein, was Wicked für Der Zauberer von Oz ist?

Kurz gesagt: nein. An diesem Stück gibt es einiges zu mögen – es ist stellenweise kreativ und nachdenklich und bemüht sich spürbar, als eigenständige Produktion eine eigene Identität zu entwickeln. Allerdings fehlt ihm der Charme und die Subtilität des Originals, dessen Wirkung auch daher rührte, dass so viel vom Horror unausgesprochen blieb und nur angedeutet wurde. Lovett + Todd geht die Sache frontal an – und dadurch wird es mit der Zeit etwas repetitiv: Die beiden Titelfiguren müssen die Vor- und Moralfragen des Menschen-Tötens fürs Pastetenfüllung bestimmt ein gutes Dutzend Mal durchgekaut haben. Die Witze waren meist plump und selbstzufrieden – weniger ein feiner Seitenhieb als vielmehr ein ausgewachsener Kopfstoß: „Meine Hände zittern so sehr, ich könnte einem Mann die Kehle durchschneiden“ … „Na, davon fällt mir kein Fleisch von den Knochen“ – Sie wissen, was ich meine.

Jo Turners Musik ist in Teilen gelungen, auch wenn ihr – abgesehen von einer mitreißenden Finalnummer – in den dunkleren Passagen häufig das Gefühl von Bedrohung und Beklemmung fehlt. Sweeneys Barbershop wurde mit einem Barbershop-Quartett eingeführt: ein inspirierter Einfall und zweifellos die beste Musiknummer des Abends. Leider blieb das eine seltene Spitze; bei vielen Liedtexten in den Ensemble-Nummern ging einiges verloren – eine große Nummer machte beim Zuschauen großen Spaß, aber eine Mischung aus schlecht ausbalancierten Lautstärken und viel Bühnenaction führte dazu, dass sie nahezu unhörbar war.

Schauspielerisch gab es einige starke Leistungen: Louise Torres-Ryan gab eine charismatische und herrlich durchgedrehte Mrs Lovett, und Daniel Collards Sweeney Todd war angemessen zerrissen und fein gezeichnet. Zwischen beiden stimmte die Chemie, auch wenn es in dieser Neuinterpretation etwas unpassend wirkt, dass Todd so leicht zu manipulieren ist. Der Rest des Ensembles musste mit Figuren zurechtkommen, die so dünn waren wie durchweichter Pastetenteig, machte seine Sache aber insgesamt respektabel; Eddie Manns stark artikulierte Erzählerstimme wirkte allerdings etwas bemüht und überzogen.

Es fühlte sich eindeutig eher nach einem Schauspielensemble an als nach durchweg versierten Musical-Performer*innen – es gab etliche verhauene Töne (vor allem in den ersten Songs in den hohen Lagen), und den meisten fehlte die stimmliche Wucht, um ihre Soloparts wirklich zu tragen. Zwei der Songs wurden zudem mit dem Satz „Lasst uns ein bisschen trällern“ angekündigt – kaum ein Zeichen für eine nahtlos ineinandergreifende Musical-Partitur. Spaß machte es allerdings, einige der Darsteller*innen ihre eigenen Instrumente spielen zu sehen: Gitarre, Schlagzeug und Akkordeon kamen allesamt zum Einsatz.

Die stärkste Seite des Abends war die Inszenierung, die durchweg kreative Funken sprühte. Begrüßt wurde das Publikum von witzigem Geplänkel mit dem bereits in der Rolle agierenden Ensemble, während man seine Plätze einnahm, und mehrere bedauernswerte Zuschauer*innen wurden auf die Bühne gezerrt, um Teil des Geschehens zu werden. Das war stets unterhaltsam – löste bei mir allerdings auch Flashbacks an einen wiederkehrenden Albtraum aus, in dem ich in Les Mis auf die Bühne gezwungen werde und mir niemand das Skript gegeben hat …

Während Rhian Morris’ Bühnenbild vollkommen funktional war, wurde es etwas überstrahlt von dem, was in meiner direkten Sichtachse hinten auf der Bühne wie ein riesiger Haufen menschlicher Exkremente wirkte. Vermutlich war das ein notwendiges Übel wegen der früheren Vorstellung von Noonday Demons (in der es offenbar tatsächlich einen Kot-Turm gibt) – aber wie viele Stücke lassen einen ihren emotionalen Höhepunkt vor einem riesigen Kackhaufen erleben? The Mousetrap jedenfalls nicht, so viel ist sicher …

Lovett + Todd ist ein beherzter Versuch, der Geschichte von Sweeney Todd neues Leben einzuhauchen. Leider fühlt es sich wie eine verpasste Chance an – so klug manche szenische Idee auch ist, sie kann die klaffenden Schwächen von Handlung und Text nicht verdecken.

Lovett + Todd läuft im King’s Head Theatre bis zum 1. August 2015

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