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REZENSION: Murder Ballad, Arts Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

8. Oktober 2016

Von

alexaterry

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Murder Ballad

Arts Theatre

5. Oktober 2016

4 Sterne

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Wenn es je ein Paar reifer, vehementer Lungen gab, dann findet man sie in der erstklassigen Besetzung von Julia Jordan und Juliana Nashs komplett durchgesungenem Rockmusical „Murder Ballad“: Kerry Ellis, Ramin Karimloo, Victoria Hamilton-Barritt und Norman Bowman zünden ein Feuerwerk an Stimmen, um eine ansonsten eher schlichte Geschichte zu erzählen.

Wir kennen das bereits: Als ihre lüsterne, toxische Beziehung mit dem Barkeeper Tom (Karimloo) endet, trifft Sara (Ellis) Michael (Bowman) – ihren zukünftigen Ehemann und Lyrik-Fanatiker. Nach der Geburt ihrer Tochter Frankie erkennt Sara, wie sehr sich ihr Leben verändert hat, und beginnt eine Affäre mit ihrer alten Flamme. Begehren wird zur Obsession, und als Tom Sara für sich beansprucht und ihre Untreue offenlegt, singen die Figuren, gefangen in ihrem Liebesdreieck, von Rache. Wie in jedem Mordrätsel gilt: „Es gibt immer einen Täter, also muss logischerweise jemand sterben“ – aber wer? (Kein Spoiler – versprochen!) Zusammengehalten wird dieses 90-minütige Musical von der Erzählerin, gespielt von Hamilton-Barritt, die ebenso rätselhaft ist wie J. B. Priestleys „Inspector Goole“; ihr süchtig machender, rauchiger Gesang ist von einer Prise Frechheit umwölkt, gepaart mit einem neckischen Funkeln in den Augen.

Trotz Julia Jordans wenig originellem Buch ist Juliana Nashs einprägsamer, kantiger Soundtrack verführerisch und kündigt die drohende Fatalität an. Die Musik erinnert mich oft an Jonathan Larsons „Rent“ und Duncan Sheiks „Spring Awakening“; textlich sind Jordan und Nash ausgesprochen poetisch und metaphorisch – ich kann mir gut vorstellen, wie Songs wie „Murder Ballad“, „Troubled Minds/Promises“ und „Mouth Tattoo“ im Hinterzimmer einer schäbigen Bar in New York laufen, vor einer Kulisse aus Zigarettenrauch, verschüttetem Bier und schlechten Entscheidungen. Wenn die vier Figuren jedoch zusammenkommen, um „You Belong to Me“ zu singen, wird der Hauptgang wirklich serviert: Bowmans Country-Rock-Sound und Karimloos klassischer Ton mischen sich mit Hamilton-Barritts rauer Stimme und Ellis’ makellosem, brustigem Gesang – alles übergossen mit markanten Harmonien, so köstlich, dass man sie am liebsten vom Teller lecken würde.

Vollgepackt mit Lust und Sex präsentiert „Murder Ballad“ einen oben-ohne Ramin Karimloo und lässt Kerry Ellis ihre schlüpfrige schwarze Dessous-Garnitur zeigen – neben Momenten sexueller Andeutung und Simulation. Dennoch ist das Stück von Sam Yates geschmackvoll und mit Sinn inszeniert, trotz einiger holpriger Passagen – aber ist das nicht oft die Realität? Yates zieht Hollywood-Romantik den Boden weg und ersetzt sie durch menschliche Wahrhaftigkeit, wodurch die Szenen echter und (verzeiht das Wortspiel) entblößter wirken. Laura Perretts stilvolle Medienprojektionen in Schwarzweiß auf den hinteren Screens des Bühnenbilds bedienen zeitgemäße 21.-Jahrhundert-Grafik, verstärken aber zugleich die düstere, Chicago-angehauchte Atmosphäre.

Es ist nicht die innovativste Story-Idee, und vielleicht lässt uns die Länge des Musicals auch nicht genug Zeit, eine Bindung zu den Figuren aufzubauen, um wirklich um ihr Schicksal zu bangen. Für mich geht es bei „Murder Ballad“ jedoch vor allem um die aufregende Partitur, die nicht auf den schmetternden Tenor setzt, sondern auf den lasziven Bass und eine Mischung aus aufgeladenem Jazz/Pop – mit durstlöschenden Rock-Belts (die natürlich dankbar angenommen werden). Mit ihrer Musik und ihren Lyrics pusten Jordan und Nash den Staub vom Buchrücken einer längst erzählten Geschichte.

Ich glaube, ich habe gerade meinen neuen Roadtrip-Soundtrack gefunden.

TICKETS FÜR MURDER BALLAD IM ARTS THEATRE BUCHEN Foto: Marc Brenner

TICKETS FÜR MURDER BALLAD IM ARTS THEATRE BUCHEN

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