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KRITIK: Salad Days, Union Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

19. August 2017

Von

julianeaves

Die Besetzung von Salad Days am Union Theatre. Foto: Scott Rylander Salad Days Union Theatre

18. August 2017

4 Sterne

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Es gab eine Zeit, in der niemand „Salad Days“ ernst nahm: „Monty Python“ persiflierte das Stück bekanntlich, mit einer respektlosen Prise Sam Peckinpah – und verwandelte seine zarte Welt englischer Mittsommer-Laune in ein gliedmassenabtrennendes Blutbad.  Umso erfreulicher, dass die Show seit diesem unerquicklichsten Tiefpunkt wieder in die ehrliche Zuneigung des britischen Publikums zurückgefunden hat.  Vor sieben Jahren brachte Tête-à-Tête Opera das Werk mit voller vokaler Pracht in einer Produktion in den inzwischen geschlossenen Riverside Studios zurück und gewann damit ein ganz neues Publikum für diese bonbonfarben gestreifte, schlicht erzählte, wenn auch etwas spitzfindige Geschichte der goldenen Nachkriegsjugend aus der Festival-of-Britain-Ära.  Und nun erhalten wir in einer meisterhaften Inszenierung von Bryan Hodgson – ein weiterer glänzender Federhut in seiner Bilanz – ein üppig ausgestattetes Panorama des Britanniens vor der Suezkrise, in dem die alten Werte von Hierarchie und imperialer Gewissheit noch nicht mit den Kräften kollidiert sind, die sie bald erschüttern würden. In gewisser Weise könnte die Wiederaufnahme kaum passender sein, da wir heute erneut am Rand gewaltiger Veränderungen balancieren.

Die Besetzung von Salad Days. Foto: Scott Rylander

Catherine Morgan hat den weit offenen Raum des Theaters in eine großzügig angelegte, prächtige Rasenfläche verwandelt, über die die schrullige Parade der englischen Gesellschaft auf und ab marschiert; die erste Sitzreihe besteht sogar aus einer Reihe Picknickkissen (Picknickkorb bitte selbst mitbringen!).  Den größten Anteil am visuellen Erfolg dieser Produktion dürfte jedoch Kostümbildner Mike Lees haben (mit dem Attic Costume Collective an seiner Seite): Er hat seine reich gefüllte Schatzkammer geplündert, um diese Bewohner einer vergangenen Epoche mit einer atemberaubend ausgewogenen Auswahl an Farben, Stoffen und Accessoires – und, oh ja, Perücken! – auszustatten; alles mit punktgenauer Treffsicherheit gewählt. Das lässt diese Fringe-Produktion in jeder Hinsicht wie ein erstklassiges, großformatiges Musical wirken: Wenn alle 14 Darsteller*innen die Bühne beleben, sprüht sie förmlich vor oft erstaunlich hochkarätigem Fünfzigerjahre-Glamour – mit Abstand die spektakulärste Produktion, die wir an dieser Adresse seit Langem gesehen haben.  Jack Weir sorgt dafür, dass das Ganze wunderbar zur Geltung kommt, und legt zur Sicherheit noch ein paar Volltreffer an Spezialeffekten nach.

Lowri Hamer und Laurie Denman in Salad Days. Foto: Scott Rylander

Dies ist die Welt der Jungen, und das sympathische Aufgebot an Neuentdeckungen und jüngsten Berufsanfänger*innen hat sichtlich einen Riesenspaß an diesem opulenten Fest von einer Show.  Die romantischen Hauptrollen – die kecke Lowri Hamer und der etwas tölpelhafte Laurie Denman – sind ausgesprochen liebenswert; um sie herum schart sich ein gutes halbes Dutzend Freund*innen, Verwandte und Liebschaften, mit Verve gespielt von der herrlich treffsicheren Francesca Pim, der spritzigen Ashlee Young, der temperamentvollen Emma Lloyd, dem verträumten James Gulliford, dem patrizisch wirkenden Lewis McBean – und als „fünfter Marx Brother“ Jacob Seickells findige Lösung für die stumme Rolle des Troppo.

Karl Moffatt und Sophie Millett in Salad Days. Foto: Scott Rylander

Dem Drang der Jugend gegenüber stehen die Reihen der Erwachsenen.  In den missbilligenden und gegenseitig feindseligen Müttern des Liebespaares, Darrie Gardner und Sophie Millett, steckt gerade genug Komplexität, um zu verhindern, dass der schmale Plot uns völlig vor den Augen zerrinnt.  Derweil übernimmt Karl Moffatt eine fast Alec-Guinness-hafte Galerie mehrerer sich einmischender Verwandter, was willkommene zusätzliche Komik bringt.  Die beste Szene jedoch – wenn Sie mich fragen – ist die geschniegelt-aufgeweckte Varieté-Nummer zweier Polizisten, die versuchen, dem Unsinn beizukommen: Gespielt von Tom Norman und dem stets verlässlichen Stephen Patrick, ist das so gut wie das Beste von Will Hay und erinnert stark an Ronnie Barkers wortspielreiche Sketche.  Dieser Moment ist ein voller Erfolg und deutet an, zu welcher Art von Show der Rest der Produktion noch heranreifen könnte.

Emma Lloyd und Tom Norman in Salad Days. Foto: Scott Rylander

Leichte Komödie der 1950er ist heute kein Genre, das an Schauspielschulen wirklich „gelehrt“ wird – und um es richtig zu treffen, braucht es ein durchaus komplexes Können. Diese Truppe stellt sich den Herausforderungen beherzt und investiert reichlich Energie in ihre Leistungen.  Am stärksten trägt das in der glänzenden Choreografie von Joanne McShane, die jede Nuance der in der Partitur zitierten Tanzformen der Zeit aufnimmt; auch ihre Anordnung der zahlreichen Ensembles ist bewundernswert – vom unverblümt expositorischen Auftakt „All The Things That Are Done By A Don“ bis zu den beinahe dionysischen Verzückungen der großen Tanzbreaks.  Allerdings: So passend das Trio aus Klavier, Schlagzeug und Kontrabass diese Nummern unter der musikalischen Leitung von Elliot Styche begleitet, würde das Ganze sehr leicht von mehr Elastizität und mehr Abwechslung profitieren – in Tempo, Attacke und Dichte der Arrangements. Das würde den ruhigeren Gesangsnummern mehr Tiefe, mehr Licht und Schatten geben: So rast etwa „I Sit In The Sun“ vorbei, als müsste es noch einen Zug erwischen – dabei ist es eigentlich eine Oase sinnlicher Trägheit und heiterer Ruhe, bevor die Haupthandlung einsetzt.  So haben es die Darsteller*innen oft schwer, uns die Romantik des Stücks wirklich glauben zu machen.

Maeve Byrne in Salad Days. Foto: Scott Rylander

Und was ist mit der „Geschichte“?  Der Antrieb – dass die fröhlichen Kids von Tom Selfs geheimnisvoll wohlhabendem Landstreicher ordentlich bezahlt werden, um auf ein Klavier „aufzupassen“ (das sich als magisch erweist) – ist ein Trope, der ein wenig an „The Titfield Thunderbolt“ erinnert und wie gespannte Wimpelgirlanden eine Linie zwischen der immensen Bandbreite an Figuren und Episoden zieht.  An sich ist das Klavier nicht der wichtigste Fokus der Erzählung, doch es markiert die Route, die wir durch diese leichte Komödie nehmen, und verleiht den pikaresken Elementen eine gewisse Kohärenz.  Gleichwohl sind die Abschweifungen zahlreich und entzückend: Die klarstimmige Maeve Byrne serviert zwei der grandiosesten – als Cleopatra (atemberaubend luxuriös kostümiert) und – ganz in eine andere Richtung weisend – als außerirdische Electrode, die aussieht, als sei sie geradewegs aus „Saucy Jack and the Space Vixens“ herausspaziert, und damit die Umwälzungen vorwegnimmt, die diese selbstzufriedene, schläfrige Gesellschaft noch treffen werden.

Trotzdem ist es eine großartige Art, den Sommer zu genießen – und nach der Spielzeit in Southwark geht die Produktion auf Tour zum Theatre Royal Bath, auf dessen großer Bühne ihre Vorzüge noch eindrucksvoller zur Geltung kommen werden.  Dreimal Hoch auf diese Salad Days!

Bis 9. September 2017

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