NACHRICHTEN
REZENSION: Das Tagebuch eines Teenagers, Southwark Playhouse ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
julianeaves
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Das Tagebuch eines Teenager-Mädchens
Southwark Playhouse
7. März 2017
3 Sterne
Nun, hier ist eine interessante Produktion, die ihr Publikum ganz offensichtlich gefunden hat und genau weiss, was es ihm bieten muss. Alexander Parker – dieses Kraftpaket an neuen Ideen – ist der Initiator der UK-Premiere, und hier arbeitet er mit einer vielversprechenden Gruppe von Mitproduzent*innen zusammen: Jack Maple; David Wilder; Emily Lunnon und Philip Dehany. Mit der Unterstützung von Stage One stehen diese jungen Löwen mit ihrem gemeinsamen Debütprojekt erkennbar auf sehr sicherem Fundament: der ersten britischen Bühnenfassung eines Stücks, das aus demselben Stoff gemacht ist wie der später sehr erfolgreiche Film gleichen Namens – eine Geschichte nach dem Motto: „Mum, ich habe deinen Freund gevögelt“.
Parker führt bei dieser Inszenierung im stets einfallsreichen Little Space am Newington Causeway zudem gemeinsam mit Amy Ewbank Regie – und das machen die beiden ausgesprochen sauber und stimmig. Marielle Hellers Adaption von Phoebe Gloeckners (stellenweise) grafischem Roman wird mit bewundernswerter Leichtigkeit bewältigt. Für Bühnen- und Kostümbild wurde der versierte Andrew Riley engagiert, dazu kommen prachtvolle Animationen von Nina Dunn und Sound von James Nicholson – und zusammen versetzt uns dieses Team mitten hinein in das Kalifornien der Mitte der 1970er Jahre.
In diesem stimmigen Rahmen ist das Ensemble eine wunderbare Ansammlung an Talent. Unsere Heldin wird von der elfengleichen Rona Morison gespielt (die ich zuletzt am Olivier in „James II“ die Bühne habe halten sehen). Ihre Mum übernimmt die ebenfalls sehr jugendlich wirkende Rebecca Trehearn (die grossartige Dinge mit dem Text anstellt, aber Mühe hat, uns glauben zu machen, dass sie über 30 ist!). Lover Boy ist der angenehm gutaussehende Jamie Wilkes. Den abwesenden Ex-Stiefvater gibt der köstlich trockene Mark Carroll (der auch noch eine weitere Rolle übernimmt – in einer sehr bewusst eingesetzten Doppelbesetzung). Und als beste Freundin hören und sehen wir die freche Saskia Strallen.
Man könnte sich bei einer Geschichte wie dieser – in der es so sehr um Grenzen innerhalb der Familie geht – fragen, was eigentlich aus dem „richtigen“ Vater geworden ist. Und das ist eine der zentralen Fragen, die dieses Stück entweder nie stellt oder nie beantwortet. Es ist ein ziemlich grosses Loch, in das so viele gute Dinge hineinfallen können; aber es ist nicht das einzige, das der Text offenlässt. In diese Leerstellen kann – und wird – tatsächlich einiges hineinstürzen und spurlos verschwinden, sodass überall Lücken bleiben in der Fähigkeit, diese Figuren wirklich ernst zu nehmen. Doch wie bereits angemerkt: Solche Bedenken werden das Zielpublikum dieser Show vermutlich kaum abschrecken, das offenbar begeistert ist, in diesem Drama so vieles zu finden, was es gern hört und sieht.
Die Produktion dauert straffe 90 Minuten und bewegt sich mit der Leichtigkeit einer gut geschnittenen Filmgeschichte durch kurze, verdichtete Szenen. Tatsächlich wirkt es ein bisschen wie eine schräge Romantic Comedy über Pseudo-Inzest. Ich meine: Es gibt Schlimmeres. Das Ganze ist sehr angenehm, oft amüsant, und wenn es auch keine grossen Tiefen auslotet in seiner konventionellen Coming-of-Age-Story (und damit meine ich hier alle Beteiligten) – Fehler machen, erwachsen werden, die Mascara ein kleines bisschen verlaufen lassen –, dann befindet es sich in bester Gesellschaft mit dem grossartigen Soundtrack aus Hits, der die sehr, sehr vielen Szenenwechsel zusammenhält.
Und mit diesem Gedanken im Hinterkopf möchte ich mit einer Zeile aus einem der Songs in der Show ausblenden, aus Bowies „Young Americans“: „Mensch, mein Leben ist schon eine komische Sache:/ Bin ich immer noch zu jung?“ Nimmt man es auf dieser Ebene, ist alles in Ordnung. Vielleicht bist du dann sogar ein Kandidat für EST. Frieden.
Bis 25. März 2017
Fotos: Darren Bell
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