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Rezension: The One, Soho Theatre ✭✭✭✭✭

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Leitartikel

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Das Nächste, was ich je an einem perfekten Stück gesehen habe, schreibt Alex Delaney.

Vicky Jones’ preisgekröntes Erstlingsstück The One erkundet, was Romantik in unserer Gegenwart überhaupt noch bedeuten kann. Es ist erschreckend düster, unbeschreiblich komisch und nimmt sein Publikum vom ersten Moment an gefangen. Hinreissend inszeniert und makellos gespielt, ist es das Nächste, was ich je an einem perfekten Stück gesehen habe. Und genau das macht es so schwer, eine Kritik zu schreiben, die nicht wie ein Liebesbrief klingt.

‚The One‘ spielt im Wohnzimmer einer Wohnung, die sich Harry und Jo teilen. Der Raum wird von einem grossen roten Sofa beherrscht, das sich im Verlauf des Abends zugleich in Schlachtfeld und Boudoir verwandelt. Klassische Musik schwillt an, ein sternenübersäter Hintergrund glitzert; unsere Protagonist:innen gleiten auf die Bühne und in eine leidenschaftliche Umarmung. Es ist das Märchenende in Reinform – kurz vor dem „Und wenn sie nicht gestorben sind …“. Diese überhöhte Sentimentalität wird jedoch abrupt und brillant unterlaufen, als aus der zärtlichen Umklammerung Pornoschauen, Wotsits-Knabbern und kaum engagierter Sex wird.

Im Kern von Jones’ überwältigend gut geschriebenem Text steht die Idee, dass wir heute vielleicht zu zynisch, zu wissend oder zu klug für die Liebe sind. Ist wirklich noch jemand naiv genug, an das Konzept von „dem Einen“ zu glauben? Und selbst wenn wir unseren Unglauben lange genug beiseiteschieben, um danach zu suchen – woran merken wir, dass wir ihn gefunden haben? Während wir Harry und Jo in einer schlaflosen, betrunkenen Nacht dabei zusehen, wie sie sich an diesen Fragen abarbeiten, offenbart Jones’ Dialog – von Rufus Wright und Phoebe Waller-Bridge mit verblüffender Unmittelbarkeit und lustvoller Freiheit gesprochen – die janusköpfige Natur dieser modernen Monogamie: gemütlich und beklemmend, intim und zum Aus-der-Haut-Fahren, belebend und brutal.

Für das Publikum ist es eine mitreissende, aber auch erschöpfende Reise. Nie darf man sich entspannen, nie lässt sich erahnen, wie sich die Ereignisse entwickeln werden – und wir, wie Harrys geplagte und mitgenommene Freundin Kerry, können nur mit offenem Mund zuschauen, wie diese beiden Liebenden einander necken, quälen und anstacheln, unablässig Knöpfe drücken und Grenzen austesten. In der ersten Hälfte erreichen diese Schlagabtäusche in Kerrys Beisein ihren Höhepunkt, als würde die Präsenz einer dritten Person eine Routine beleben, die das Paar leid ist, immer wieder nachzuspielen. Im weiteren Verlauf erfahren wir zudem, dass ein:e Zeug:in als Sicherheitsnetz dienen kann – und ohne diesen stabilisierenden Einfluss können und werden die Spiele zu weit gehen. Wir, als unsichtbare Zuschauer:innen des gesamten Ereigniskosmos, fühlen uns zugleich ausgeschlossen aus den intimen Verstrickungen der beiden und schuldig verstrickt in ihre bitteren Konsequenzen.

Waller-Bridge, Wright und Lu Corfield liefern allesamt umwerfende Leistungen: vielschichtig, präzise und sehr, sehr komisch. Nur der Erstgenannten hat Jones den Text gewidmet – und das zu Recht: Ihre Jo ist eine furchtbare und verstörende Figur, doch Waller-Bridge spielt sie mit so unverfrorenem Charme und atemberaubender Könnerschaft, dass wir uns ihr nicht entziehen können – genauso unausweichlich wie Harry. Wie auch immer man die letzten Momente des Stücks und ihre Bedeutung für die zentrale Beziehung deutet, eines steht fest: Jones und Waller-Bridge sind ein Traumpaar.

Läuft bis zum 30. März 2014. Mehr Infos

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