Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

KRITIK: Platzanweiser, Arts Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

15. September 2015

Von

danielcolemancooke

Share

Ushers: The Front of House Musical

Arts Theatre

15. September

4 Sterne

Die Idee eines Stücks im Stück ist so alt wie das Theater selbst. Ob es die Farce von The Play That Goes Wrong ist, die Showbiz-Verzweiflung von A Chorus Line oder der quasi-historische Charme von Shakespeare in Love – es ist eine bewährte Kulisse für die unterschiedlichsten Geschichten. Doch bislang hat noch niemand das Scheinwerferlicht auf die Ushers gerichtet – die stillen Held*innen eines jeden guten Theaters. Bis jetzt: dank Ushers: The Front of House Musical, derzeit im Arts Theatre am Leicester Square.

Die Show wirft den Spot (ba dum tish) auf die Platzanweiser*innen und Manager*innen eines Londoner Theaters, während dort ein furchtbar aussehendes Britney-Jukebox-Musical läuft. Eine Mischung aus angehenden Schauspieler*innen, gescheiterten Performer*innen und echten Theater-Superfans schuftet sie unter der Schreckensherrschaft von Robin, ihrem herrlich campen und tyrannischen Boss. Zwischen den Ushers knistert es, sie verlieben sich, entlieben sich – und müssen sich damit abfinden, dass ihr vermeintlicher Sprungbrett-Job womöglich dauerhafter ist, als gedacht.

James Rottgers Text sprüht vor Energie und ist stellenweise zugleich witzig und berührend. Rein objektiv klingt eine Truppe von Platzanweiser*innen nicht nach einer besonders spannenden Musical-Prämisse – aber diese Show bekommt es fast durchgehend hin. Das Skript ist allerdings komplett durchzogen von (zugegeben sehr lustigen) Theater-Insiderwitzen, die an einem Premierenabend mit vielen Theaterschaffenden und Presse wunderbar zünden – ich fragte mich jedoch, wie viele davon beim ganz normalen Publikum wirklich landen. Dazu kommt ein Happy End, so geschniegelt und glatt, dass man seinen Unglauben am besten schon beim Ankommen irgendwo im Foyer abgibt.

Die Musik von James Oban und Yinannis Koutsakos ist sehr angenehm, auch wenn einige der schwelgenden Solo-Balladen trotz hervorragender Darbietung ein wenig ähnlich klingen. Dafür gibt es echte Glanznummern – besonders The Parts I Could Play, in der Stephen von seinen heiß begehrten Rollen träumt, und Interval Preparation, in der die Ushers über einige ihrer unerquicklichsten Besucher*innen klagen (inklusive jener lästigen Kritiker). Beides sind flotte, treibende Songs mit cleveren Texten und charmanten Theater-Referenzen.

Gesanglich ist das Ensemble durchweg erstklassig, ohne jede schwache Stelle. Vor allem die beiden Love Interests Stephen (Cameron Sharp) und Lucy (Corrine Priest) überzeugen mit den zwei sympathischsten und natürlichsten Leistungen des Abends. Sharp macht aus The Parts I Could Play ein echtes Highlight und würzt eine starke Gesangslinie mit einer herrlich bunten Palette an Imitationen. Priest ist ähnlich souverän und liebenswert in Dreams and Ice Creams, wenn Lucy von ihren West-End-Träumen singt.

Das zerstrittene schwule Paar Gary (Ben Fenner) und Ben (Rory Maguire) hat einige süße gemeinsame Szenen, bekommt musikalisch jedoch eher die etwas undankbaren Nummern ab. Dennoch: Beide verfügen über starke Stimmen und wirken als Paar absolut glaubhaft.

Der durchgedrehte Chef Robin (Harry Stone) und die leicht stalkerhafte Rosie (Alexandra Parkes) wurden beide mit manischer Überdrehtheit gespielt – das wurde auf Dauer recht anstrengend und kippte stellenweise ins Overacting. Trotzdem hat Stone eine umwerfende Stimme, mit einem tiefen, kraftvollen Vibrato, das sein Solo zu einem echten Vergnügen macht.

Sehr komisch war er auch in den „How-to“-Videoeinspielern, die im Laufe des Stücks immer wieder auftauchten – vielleicht funktioniert die Figur in kleineren Dosen sogar am besten. Ein weiterer pfiffiger Regieeinfall: Zuspätkommende wurden von den… Ushers in den Saal begleitet, mit großem komödiantischem Effekt (wer notorisch unpünktlich ist, sollte hier lieber nicht zu spät kommen!).

Diese Einfallsfreude – zusammen mit einigen erstklassigen Leistungen – macht Ushers zu einem sehr vergnüglichen Abend. Die vielen Theaterreferenzen und Insiderwitze bedeuten allerdings, dass man ein gewisses Grundwissen braucht, um wirklich das Maximum herauszuholen. Deshalb wird es vermutlich nie der große Mainstream-Hit – als Kultstück kann ich es mir jedoch problemlos vorstellen.

Ushers: The Front Of House Musical läuft im Arts Theatre bis zum 18. Oktober 2015

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS