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REZENSION: Doctor Faustus, Duke of York's Theatre ✭✭

Veröffentlicht am

25. April 2016

Von

danielcolemancooke

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Craig Stein, Tom Edden und Kit Harrington in Doctor Faustus. Foto: Marc Brenner

Doctor Faustus Duke of York’s Theatre, 22. April 2016

2 Sterne

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Die deutsche Faust-Sage hat im Lauf der Jahre zahlreiche Inszenierungen inspiriert – aber vermutlich keine so blutig und hochoktanig wie diese Adaption der Jamie Lloyd Company.

Es handelt sich um eine Art Hybridfassung: mit Eröffnungs- und Schlussszenen aus Marlowes Original, dazwischen ein neu überarbeiteter Mittelteil.  Die Grundidee bleibt: Ein begabter Doktor verkauft seine Seele, um Ruhm und Reichtum zu erlangen – um den Preis, fortwährend vom Teufel gequält zu werden.

Kit Harrington in Doctor Faustus. Foto: Marc Brenner

Der neue Mittelteil holt das Stück in die Gegenwart (Ton und Sprache betreffend) und macht daraus eine Parabel auf das Zeitalter des Reality-TV: Faustus als Illusionist im Stil von Derren Brown, der sich gegen die Verehrung eines hingerissenen Publikums behaupten muss.

Diese Überarbeitung ist ein ehrbares Unterfangen; Marlowes ursprünglicher Mittelteil ist notorisch dünn und bietet sich geradezu für eine Neufassung an. Doch wenn man einen Klassiker erweitert, muss das Ergebnis deutlich besser sein als das, was zuvor stand. Trotz einzelner, gelegentlich inspirierter Momente schleppt sich viel von den neuen Dialogen dahin und erzeugt kaum mehr als sporadisches Unbehagen.

Charakterentwicklung wird weitgehend zugunsten von Schockeffekten und Popkultur-Anspielungen im Panto-Stil aufgegeben. Es prallen so viele Ideen aufeinander, dass die Inszenierung oft wie ein ziemlich chaotisches Durcheinander wirkt; obwohl ich den Text recht gut kenne, fand ich der neuen Handlung häufig schwer zu folgen.

Die unnachgiebige Dunkelheit und Trostlosigkeit der Produktion wurde durch massiv hysterisches Overacting noch verstärkt. Das permanente Kreischen und Grimassieren des Ensembles wurde zunehmend unerquicklich; die ruhigere, gefühlvollere zweite Hälfte war deutlich stärker als die verwirrende erste.

Jenna Russell hat das offenbar verstanden und war als Mephistopheles ein echter Lichtblick. Ihr leise, zurückgenommener Schrecken wirkte weit stärker als das Gemetzel um sie herum – insbesondere neben Forbes Massons comichaftem Lucifer.

Jenna Russell und Kit Harrington in Doctor Faustus. Foto: Marc Brenner

Viel Aufmerksamkeit lag verständlicherweise auf Game of Thrones-Star Kit Harington in der Titelrolle des Faustus (nicht zuletzt, weil Schöpfer George R. R. Martin im Publikum sass). Harington war in der Titelpartie brillant zerrissen und holte aus einem oft schwerfälligen Text das Beste heraus. Es ist eine emotional wie körperlich anspruchsvolle Leistung, und Harington wechselt mühelos zwischen Dialog im 16. Jahrhundert und modernem Ton.

Am überzeugendsten an dieser Produktion sind – ungewöhnlicherweise – die Bühne von Soutra Gilmour und das Lichtdesign von Jon Clark. Das Bühnenbild ist ständig in Bewegung und gibt immer wieder den Blick frei auf die Tiefe und Höhe des Raums dahinter.

Kit Harrington in Doctor Faustus. Foto: Marc Brenner

Diese fortwährend wechselnden Perspektiven, kombiniert mit hartem, unheilvollem Licht, erzeugen eine zutiefst beunruhigende Wirkung. Dazu kommen einige erfreuliche Bewegungs- und Effektideen von Scott Penrose und Polly Bennett – allerdings hätten diese Sequenzen sparsamer eingesetzt werden können, um ihre Wirkung zu maximieren.

Doctor Faustus ist eine Produktion, die sehr viel will – und nur teilweise gelingt. Sie ist kunstvoll inszeniert und von hoher Intensität, aber spürbar zu arm an Herz und Zusammenhalt.

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