Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

REZENSION: Gertrude - Der Schrei, Theatre N16 ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

18. Juni 2016

Von

danielcolemancooke

Izabella Urbanowicz (Gertrude) und Alexander Hulme (Claudius). Foto: Roy Tan Gertrude: The Cry

Theatre N16

15. Juni 2016

4 Sterne

Jetzt buchen

Wer glaubt, Shakespeare drehe sich nur um schicke Halskrausen und verspielte Romantik, dürfte diese Woche in einem Pub-Theater in Balham sein blaues Wunder erleben. Howard Barkers düstere, schmutzige Hamlet-Variation ist derzeit womöglich eine der ranzigsten Produktionen in London – ein anregender, wenn auch verstörender Abend.

Hamlets Mutter Gertrude steht im Zentrum dieser radikalen Neubearbeitung; unmittelbar nachdem sie ihren Ehemann getötet hat, beginnt sie eine Affäre mit dem schwärmerischen Claudius – zum Entsetzen ihres gequälten Sohnes. Das Stück folgt Gertrude, wie sie sich in verschiedene Männer verliebt und wieder entliebt, während sie versucht, ihr chaotisches Familien- und Privatleben irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Izabella Irbanowicz. Foto: Roy Tan

Barkers Stück wird gelegentlich des Misogynen bezichtigt – und man sieht leicht, warum. Gertrudes Leben scheint sich um Sex und Schuhe zu drehen, und mit ihren weiblichen Reizen scheint sie das Glück aller zu ruinieren, denen sie begegnet.

Gleichzeitig ist sie so klug und so verführerisch gezeichnet, dass Barker es gerade noch hinbekommt. Gertrude zieht ständig die Fäden, manipuliert die Männer in ihrem Leben – bis ihre Zurechnungsfähigkeit nach und nach zerbricht.

Barkers Text ist wunderschön lyrisch, und er besitzt ein echtes Gespür für Sprache. Subtil ist er allerdings ganz und gar nicht: Gertrude wird von der ersten Minute an bejubelt und obsessiv umkreist (nach nur 15 Minuten stand in meinem Notizbuch bereits „unerbittlich“). Barker mag ein netter Kerl sein – aber seinem Text nach zu urteilen, wirkt er auf mich ein bisschen wie sein brillant geschriebener Hamlet: ein Mann mit Scheuklappen.

Alexander Hulme (Claudia), David Zachary (Albert) und Izabella Urbanowicz (Gertrude). Foto: Roy Tan

Izabella Urbanowicz ist eine fesselnde Gertrude, auch wenn sie für die 34 Jahre der Figur einen Hauch zu jung wirkt. Mit intensiver Präsenz streift sie über die Bühne und wird dem Star-Status der Rolle mehr als gerecht. Sie macht Gertrude gerade sympathisch genug, um glaubwürdig zu sein, und trifft zugleich ihre skandalöse Unterströmung.

Meine Lieblingsleistung war allerdings Jamie Hutchins als der sensible, verwirrte Hamlet. In einem Stück, in dem es allerlei Schmuddeliges zugeht, tat es gut, eine Figur mit starkem emotionalem Kern zu haben. Hutchins vermittelt berührend Hamlets fragilen Geisteszustand und seine Frustration über die ausser Kontrolle geratene Mutter; das war eine ungemein komplexe, runde Darstellung – Hutchins ist definitiv jemand, den man im Auge behalten sollte.

Jamie Hutchins. Foto: Roy Tan

Das Stück dauert sehr lange zwei Stunden (bei der Vorstellung, die ich gesehen habe, hat man klugerweise eine Pause eingefügt), und Barkers oft kreisender Dialog hätte von einer strengen Redaktion profitiert – vor allem, indem man einige ziemlich unnötige Erzähleinschübe gestrichen hätte.

Felicity Reids Bühne war schön gearbeitet: ein strenger Laufsteg, der der Inszenierung eine intime Atmosphäre gab. Allerdings waren die Projektionen an der Rückwand nicht besonders wirkungsvoll und lenkten eher ab.

Chris Hislops Regie ist klug, und obwohl manche Passagen Grenzen austesten, wirkt keine der Nacktheit oder Sexualität auch nur im Ansatz gratuitös. Trotz der Herausforderung und Komplexität des Stücks war es stark genug gespielt, um einen unterhaltsamen Abend zu ergeben.

GERTRUDE – THE CRY LÄUFT BIS ZUM 30. JUNI 2016 IM THEATRE N16. JETZT BUCHEN

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

Die BritishTheatre.com Website wurde geschaffen, um die reiche und vielfältige Theaterkultur des Vereinigten Königreichs zu feiern. Unser Ziel ist es, die neuesten Nachrichten aus dem UK-Theater, West End-Rezensionen und Einblicke sowohl in das regionale Theater als auch in Londoner Theaterkarten bereitzustellen, damit Begeisterte stets auf dem Laufenden bleiben, von den größten West End Musicals bis hin zu avantgardistischem Fringe-Theater. Wir sind leidenschaftlich daran interessiert, die darstellenden Künste in all ihren Formen zu fördern und zu unterstützen.

Der Geist des Theaters lebt und blüht, und BritishTheatre.com steht an der Spitze, um den Theaterliebhabern rechtzeitige und autoritative Nachrichten und Informationen zu liefern. Unser engagiertes Team von Theaterjournalisten und Kritikern arbeitet unermüdlich daran, jede Produktion und jedes Event zu behandeln, sodass Sie einfach auf die neuesten Rezensionen zugreifen und Londoner Theaterkarten für Must-See-Shows buchen können.

FOLGEN SIE UNS