NACHRICHTEN
REZENSION: Auf der Suche nach Lansbury, St James Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
21. Oktober 2015
Von
danielcolemancooke
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Auf der Suche nach Lansbury
St James’ Theatre
16. Oktober
4 Sterne
Das Wort „Legende“ wird heutzutage oft überstrapaziert – doch Dame Angela Lansbury erfüllt es zweifellos. Der Star aus Fernsehen, Film und Theater hat inzwischen das stattliche Alter von neunzig Jahren erreicht – was könnte also ein besserer Zeitpunkt sein, um auf ihre glanzvolle Karriere und ihr bemerkenswertes Leben zurückzublicken?
Fiona-Jane Weston hat sich dieser gewaltigen Aufgabe gestellt; Lansbury war bekanntlich äußerst verschwiegen, was ihr Privatleben angeht, und so musste Weston zur modernen Jessica Fletcher werden, um die nötigen Recherchen anzustellen. Dabei war sie bemerkenswert akribisch: Briefe, Tagebücher und Zeitungsartikel hat sie zutage gefördert und im Verlauf der Show klug eingesetzt, um immer wieder Kontext zu liefern.
Besonders berührend war ein Auszug von Sir Peter Hall, dem Regisseur der Hamlet-Produktion von 1975. Lansbury spielte Gertrude kurz nach dem Tod ihrer Mutter; Halls Erinnerungen daran, wie sie sich durch die Proben kämpfte, waren eindringlich und zeigen, wie tiefgehend Westons Recherche ist. Auch für eingefleischte Lansbury-Fans gab es viele spannende Details – etwa die enge Verbindung ihrer Tochter zur berüchtigten Manson Family und die Geschichte ihres Großvaters als politischer Aktivist.
Lieder sind über die Inszenierung verteilt, überwiegend Titel, die man mit Lansbury selbst verbindet. Statt streng chronologisch vorzugehen, ordnete Weston die Songs so zu, dass sie die jeweilige Lebenssituation Lansburys spiegeln – und das funktioniert insgesamt sehr gut. Die Auswahl ist durchdacht: „I Don’t Want to Know“ aus Dear World passt beispielsweise elegant zu der Phase, in der ihr erster Ehemann Richard Cromwell davonlief und die Ehe beendete. Bedknobs and Broomsticks erwies sich als besonderer Publikumsliebling – inklusive eines amüsanten Mitmach-Moments.
Fiona-Jane Weston macht das hervorragend – sie muss einen dichten, komplexen Text bewältigen und dazu eine Vielzahl unterschiedlicher Figuren und Akzente. Ihr Draht zum Publikum ist großartig, und ihre Lansbury-Imitation trifft sie sehr genau (zumindest laut dem Superfan neben mir – mit Angela-Foto als Handy-Hintergrund!). Ich habe allerdings das Gefühl, die Show hätte vielleicht von einer weiteren Person auf der Bühne profitieren können, ähnlich wie Bette Midler and Me. Der musikalische Leiter William Godfree war äußerst talentiert, mit einer ausgezeichneten Singstimme, und hätte möglicherweise etwas häufiger eingesetzt werden können, um mehr Abwechslung zu schaffen.
Die Inszenierung war clever gelöst: Eine Kiste voller Requisiten verband die unterschiedlichen Lebensabschnitte Lansburys miteinander. Das Geburtstagsthema wurde mit einer riesigen Geburtstagstorte fürs Publikum gekrönt – eine nette (und leckere) Idee. Es gab ein paar Versprecher und verpasste Einsätze, aber das schmälert die Wirkung kaum; es ist eine ambitionierte Produktion, und das (seltsam ausgelassen-laute) Publikum nahm es mit Humor.
Looking for Lansbury ist eine passende Hommage an eine der besten britischen Schauspielerinnen ihrer Generation. Die Show bietet Bildung und Unterhaltung für alle – ob man Lansbury verehrt oder einfach einen vergnüglichen Abend verbringen möchte.
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