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REZENSION: Love Me Tender, Manchester Opera Hour ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Laura Tebbutt (Natalie) und Ben Lewis (Chad). Foto: Johan Persson Love Me Tender
Manchester Opera House
8. Juni 2015
5 Sterne
TICKETS BUCHEN 2004 feierte am Broadway ein neues Jukebox-Musical namens All Shook Up Premiere. Mit Elvis Presleys Katalog an Klassikern und einem Buch von Joe DiPietro, das auf Shakespeares Was ihr wollt (Twelfth Night) basiert, gewann Cheyenne Jackson dafür 2005 einen Theatre World Award. Zeitsprung ins Jahr 2015: Die Show – nun unter dem neuen Titel Love Me Tender – geht mit Regie und Choreografie von Karen Bruce auf grosse UK-Tournee. In den 1950ern angesiedelt, irgendwo im amerikanischen Mittleren Westen, erzählt Love Me Tender die Geschichte von Chad: ein rock’n’roll-verliebter, selbstbewusster Herumtreiber, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in eine nahegelegene Kleinstadt reist, die dringend etwas Schwung vertragen könnte. Die Stadt steht unter der Kontrolle von Bürgermeisterin Matilda Hyde, die den Mamie-Eisenhower-Anstands-Erlass eingeführt hat – und damit „laute Musik, öffentliches Knutschen und enge Hosen“ verbietet. Ein tristes Nest – und Chad verschwendet keine Zeit, seinen Zauber wirken zu lassen.
Chads Ankunft weckt das Interesse einiger Damen im Ort – und wie in Was ihr wollt macht das Chaos aus Verwechslungen, Missverständnissen und einer durch Verkleidung ausgelösten falschen Identität die Sache nicht gerade einfacher. Die ganze Stadt ist liebestrunken.
DiPietros Buch liefert reichlich Komik und genau die richtige Portion Gefühl, um das Publikum bei der Stange zu halten. Bruces Regie und Choreografie halten das Tempo durchgehend hoch – mit genügend augenzwinkernden Gags, um zu zeigen, dass sie das alles mit sehr viel Ironie betrachtet. Heraus kommt ein ungemein unterhaltsamer Theaterabend, der das Publikum am Ende von den Sitzen riss.
Love Me Tender profitiert enorm von der Elvis-Songauswahl, die die Show von Anfang bis Ende antreibt. Auf der Setlist stehen unter anderem Jailhouse Rock, Heartbreak Hotel, Follow That Dream, Hound Dog, It’s Now Or Never, Love Me Tender, Blue Suede Shoes, Can’t Help Falling In Love, All Shook Up, (You’re the) Devil in Disguise, Fools Fall I Love und A Little Less Conversation. Das ist ein phänomenaler Katalog einiger der grössten Songs überhaupt – und er wird durchgehend wirkungsvoll eingesetzt. Kombiniert mit einem talentierten Ensemble sowie starken Orchestrierungen und Vokalarrangements von Matt Spencer Smith ist das die perfekte Grundlage für ein erstklassiges Jukebox-Musical.
Als Chad strotzt der australische Darsteller Ben Lewis vor Selbstbewusstsein und verfügt über eine grandiose Stimme; sein hüftschwingender Machismo erinnert zuweilen an Arthur Fonzarelli, um im nächsten Moment Herzen zum Schmelzen zu bringen. Eine charismatische, souveräne Leistung – ein Schauspieler, den man im Auge behalten sollte.
Mica Paris spielt Sylvia, Barbesitzerin und Mutter von Lorraine. Ihre Stimme ist pures Soul – und ich fordere jeden heraus, nicht zutiefst bewegt zu sein, wenn sie mit ihren himmlischen Interpretationen von Elvis-Klassikern wie Fools Fall In Love loslegt. Besser einen Schritt zurücktreten – diese Frau haut einen um.
Shaun Williamson übernimmt die Rolle des Jim, eines Witwers, dessen Tochter Natalie die Mechanikerin des Ortes ist. Das ist eine starke Leistung eines Schauspielers, der oft unterschätzt wird. Laura Tebbutt spielt die Tochter Natalie, die sich verkleidet, um Chad näherzukommen – und sorgt damit für einige der komischen Höhepunkte des Abends. Zwischen den beiden stimmt die Chemie, und dieses Vater-Tochter-Duo ist kaum zu schlagen.
Aretha Ayeh spielt Lorraine, Sylvias rebellische Tochter. In ein paar Momenten darf diese Figur stimmlich richtig glänzen – und man spürt, dass hier ein zukünftiges Talent kurz vor dem Durchbruch steht.
Shaun Williamson (Jim) und Mica Paris (Sylvia). Foto: Johan Persson
Natürlich braucht jedes gute Liebesdreieck eine dritte Partei – und Mark Anderson als Dennis liefert genau die richtige Mischung aus Humor und Melancholie, sodass das Publikum auf seiner Seite ist, während er um Natalies Herz kämpft. Es ist eine dieser grossartigen Charakterrollen, und Anderson untermauert sie zudem mit starkem Gesang, der das Publikum ganz klar dem Nerd die Daumen drücken lässt.
Es ist ein starkes Ensemble ohne erkennbare Schwachstellen. Auftritte von Sian Reeves (Bürgermeisterin Matilda Hyde), Chris Howell (Sheriff Earl), Felix Mosse (Dean Hyde) und Kate Tydman (Miss Sandra) vervollständigen die Reihe der Hauptfiguren – eine Besetzung, mit der zu rechnen ist.
Nicht zu vergessen das hart arbeitende Ensemble: Sophie Ayers, Jamie Hughes-Ward, Will Jeffs, Jacob Maynard, Matthew McKenna, Elliot Powell, Stephanie Rojas, Ruthie Stephens, Paulo Teixeira, Lindsay Tierney, Sharron Wattis und T’Shan Williams. Diese Gruppe engagierter Darsteller sorgt auf der Bühne für eine grossartige Atmosphäre.
Bühnenbildner Morgan Large bietet der Besetzung einen angenehm flexiblen Spielraum. Vom kargen Gefängnis über die heruntergekommene Kleinstadt samt winziger Texaco-Tankstelle bis hin zum verlassenen Vergnügungspark unterstützt das Bühnenbild das Geschehen, ohne den Darbietungen die Show zu stehlen. Larges Farbpalette ergänzt die Kostüme von Vicky Gill, die mit Chads Ankunft durch clevere Wendjacken und abtrennbare Röcke regelrecht zum Leben erwachen.
Musical Director Patrick Hurley hält das Tempo straff und den Laden durchgehend am Rocken. Besonderes Lob gebührt Sound Designer Richard Booker für eine der am besten ausbalancierten Tonmischungen, die ich in letzter Zeit erlebt habe. Kein Wort ging verloren, und die Dynamik der Rock’n’Roll-Partitur blieb vollständig erhalten. Bravo!
Produzent Adam Spiegel hat mit Love Me Tender einen Volltreffer gelandet. Es ist fast unmöglich, am Ende der Show nicht aufzustehen und diese talentierte Truppe zu feiern. Love Me Tender gehört ins West End. Ich würde wetten, dass die Produktion nach der aktuellen Tournee im West End ein Zuhause findet. Ein 5-Sterne-Hit! Unbedingt hingehen! TICKETS FÜR LOVE ME TENDER AUF TOUR BUCHEN.
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