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REZENSION: Stolz und Vorurteil* (*irgendwie), Criterion Theatre ✭✭✭✭
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markludmon
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Mark Ludmon rezensiert Pride and Prejudice* (*sort of), eine urkomische Neubearbeitung von Jane Austen, im Criterion Theatre in London
Tori Burgess, Isobel McArthur, Hannah Jarrett Scott, Christina Gordon und Meghan Tyler. Foto: Matt Crockett Pride and Prejudice* (*sort of)
Criterion Theatre, London
Vier Sterne
Alle vorgefassten Vorstellungen von Jane Austens Geschichten werden in Pride and Prejudice* (*sort of) mit Vergnügen über Bord geworfen. Das ist kein sittsames, geschniegelt-feines Kostümdrama, sondern eine fluchgespickte Komödie, die den Originalroman feiert und zugleich Austens Welt spielerisch offenlegt und auseinandernimmt. Ursprünglich am Tron in Glasgow auf die Bühne gebracht, kommt die Inszenierung mit einem ganzen Spektrum an Akzenten – von schottisch bis nordirisch – und mit einem Text, der herrlich rau und urkomisch in die moderne Umgangssprache übertragen wurde.
Christina Gordon, Tori Burgess, Isobel McArthur, Jannah Jarrett Scott und Meghan Tyler. Foto: Matt Crockett
Mit einer rein weiblichen Besetzung ist das Ganze als Geschichte von fünf Dienstmädchen gerahmt, die aus den Schatten von Austens Buch treten, um die Story der Bennet-Schwestern und ihre Suche nach der Liebe zu erzählen. Das beeindruckende Quintett aus Tori Burgess, Christina Gordon, Hannah Jarrett-Scott, Isobel McArthur und Meghan Tyler übernimmt sämtliche Rollen – von Lizzie und Jane Bennet bis zum strengen Mr Darcy und dem netten, aber etwas begriffsstutzigen Mr Bingley. Unter der Regie von McArthur gemeinsam mit Simon Harvey präsentieren sie die aus unzähligen Film- und TV-Adaptionen vertraute Handlung klar (und ziemlich treffsicher), mit Regency-Bühnenbild und Kostümen von Ana Inés Jabares-Pita. Wie bei einer ausgelassenen Karaoke-Party wurden moderne Popsongs genial in den Mix eingewoben – eine Erinnerung daran, dass manche Gefühle heute genauso „allgemein anerkannt“ sind wie 1813.
Meghan Tyler, Hannah Jarrett Scott, Isobel McArthur, Tori Burgess und Christina Gordon. Foto: Matt Crockett Man muss Austens Bücher weder kennen noch mögen, um an dem Abend seinen Spass zu haben – doch es gibt ein paar Insider-Witze für Austen-Fans ebenso wie satirische Seitenhiebe auf ihre Romane und die patriarchale, ungleiche Gesellschaft ihrer Zeit. Deutlich wird, wie dringend Frauen aus wirtschaftlichen Gründen auf einen Ehemann angewiesen waren und wie wenig Geschichten der Arbeiterklasse – sprich: der Bediensteten – in der Fiktion vorkamen. Handlung und Figuren werden in einen Kontext des 21. Jahrhunderts gerückt, inklusive Anklängen an toxische Männlichkeit und andere aktuelle Themen. Dennoch wird es nie übertrieben belehrend; stattdessen stehen Lacher und eine breit angelegte, anarchische Komik im Vordergrund – getragen von einem bestens geölten Tempo, das kaum nachlässt.
Jetzt im Criterion Theatre in London – bis zum 13. Februar 2022. Tickets sind ab sofort erhältlich.
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