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REZENSION: Yank!, Charing Cross Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Das Ensemble von Yank!. Foto: Claire Bilyard Yank!
Charing Cross Theatre
10. Juli 2017
Vier Sterne
Aufgewachsen mit den Musicals von Rodgers & Hammerstein, hätte ich mir nie vorstellen können, dass Curly, Billy und Emile je Augen für jemand anderen als Laurey, Julie und Nellie haben könnten. Doch in Yank! haben sich die Autoren Joseph und David Zellnik von der goldenen Ära des Musicaltheaters und -films inspirieren lassen und eine Show geschaffen, in der Stu nur Augen für Mitch hat. Erzählt wird die zögerliche Romanze der beiden jungen Männer vor dem Hintergrund von Militärdienst und Homophobie am Ende des Zweiten Weltkriegs – ohne die Risiken, die sie eingehen, zu beschönigen.
Andy Coxon (Mitch) und Scott Hunter (Stu) in Yank! Foto: Claire Bilyard
Die Show ist gespickt mit Balladen im Stil der 1940er-Jahre, die durch die schwule Handlung eine neue Bedeutung erhalten – doch Yank! ist weit mehr als nur Pastiche: Neben Texten, die in der Glanzzeit von Rodgers & Hammerstein nie durchgegangen wären, verleiht sie den klassischen Musicalstilen einen deutlich zeitgenössischeren Ton. Bei aller Komik scheut die Geschichte nicht davor zurück, die Schrecken des Krieges und die Gefahren zu zeigen, denen schwule Männer ausgesetzt waren, wenn sie aufflogen. Auf Basis von Recherchen zur Epoche bietet sie einen Einblick darin, wie der Krieg neue Möglichkeiten schuf, damit schwule Männer zueinanderfinden konnten – und zugleich, wie sehr sie „akrobatisches Denken“ brauchten, um nicht erwischt zu werden.
Trotz der dunkleren Themen gibt es Momente purer Freude: vom steppenden Soldaten-Ensemble über ein Gershwin-artiges, rein männliches Pas de deux bis hin zu den herrlich campen Journalisten des titelgebenden Soldatenmagazins Yank, die in ihrer Liebe zu Vom Winde verweht Fans von Sex and the City ähneln.
Chris Kiely (Artie) und Sara-Louise Young (Louise) in Yank!. Foto: Claire Bilyard
Ursprünglich 2010 ein Off-Broadway-Erfolg, feierte Yank! erst im Frühjahr dieses Jahres am Hope Mill Theatre in Manchester seine Europapremiere – und genau diese Produktion, mit nahezu derselben Besetzung, ist nun nach London übergewechselt. Unter der Regie von James Baker ist es eine versierte, straff getaktete Show mit einer makellosen Besetzung: Allen voran Andy Coxon als machohaftem Mitch – mit matinee-idolhaft gutem Aussehen und einer samtigen, wohlklingenden Stimme – sowie Scott Hunter als Stu, der zunächst als nervöser, unschuldiger 18-Jähriger beginnt, dann aber eine herausfordernde Reise antritt, die ihm hilft, seine eigene Identität und innere Stärke zu finden. Zu den weiteren herausragenden Leistungen zählt Chris Kiely als Stus Mentor und Freund Artie, der ihn in die schwule Lebenswelt der Kriegsjahre einführt. Sarah-Louise Young – die einzige Frau im Ensemble – übernimmt sämtliche Frauenrollen und nutzt ihr Können als charakterbasierte Cabaret-Darstellerin, um eine Reihe glamouröser Sängerinnen in populären Musikstilen der Zeit ebenso zu präsentieren wie eine toughe, unverblümte lesbische Soldatin.
Andy Coxon (Mitch) in Yank!. Foto: Claire Bilyard
Ergänzt durch Chris Cumings präzise, überschäumende Choreografie ist Joseph Zellniks Partitur ein reiches, melodisches Vergnügen, mit Orchestrierungen von Joseph Zellnik und zusätzlichen Orchestrierungen von Matt Aument. Die vielen Stimmungen – von romantischen Strandszenen bis zum Schrecken des Krieges im Pazifik – werden durch Aaron J Dootsons atmosphärisches Licht und Chris Boggs bisweilen beunruhigendes Sounddesign eindrucksvoll transportiert, vor der Kulisse eines wirkungsvollen Bühnenbilds von Victoria Hinton.
Das Ensemble von Yank! Foto: Claire Bilyard
Militärische Konflikte und die Verfolgung Homosexueller geben Yank! einen dunkleren Ton als bloß eine Musicalromanze nach dem Motto „Boy meets Boy“ – wobei auch Rodgers & Hammerstein die Wohlfühlmomente ihrer Shows stets mit Tod, Nazis und sogar dem Krieg im Südpazifik ausbalancierten. In Yank! erinnern uns die Autoren daran, dass es eines Tages besser werden wird für schwule Männer wie Stu und Mitch – dank des Muts jener, die im Krieg kämpften und in den Jahrzehnten danach weiter für die Befreiung von Schwulen und Lesben stritten.
Spielzeit bis 19. August 2017
TICKETS FÜR YANK! BUCHEN
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