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REZENSION: Falsettos, BroadwayHD ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon geniesst das Broadway-Hitmusical Falsettos dank BroadwayHD
Falsettos
BroadwayHD/Lincoln Center Theater
Vier Sterne
Es ist inzwischen über 25 Jahre her, dass das Musical Falsettos von William Finn und James Lapine am Broadway Premiere feierte – doch im Vereinigten Königreich hat es bislang noch keine professionell inszenierte Produktion gegeben. Wer es 2016 nicht nach New York zur Broadway-Wiederaufnahme geschafft hat, kann dank eines Mitschnitts einer Aufführung im Lincoln Center Theater, der über BroadwayHD verfügbar ist, trotzdem herausfinden, warum diese Show einen solchen Kultstatus geniesst.
Die Wurzeln reichen zurück bis zu Finns kurzem Musicalstück In Trousers aus dem Jahr 1979. Falsettos basiert auf zwei Fortsetzungen, die er gemeinsam mit Lapine entwickelte – der vor allem als Texter für Sondheims Into the Woods, Merrily We Roll Along und Sunday in the Park with George bekannt ist und zudem Regie bei der Wiederaufnahme 2016 führte. Zunächst im New York City des Jahres 1979 angesiedelt, dreht sich die Handlung um Marvin, der seine Frau Trina und den kleinen Sohn Jason verlässt, um mit seinem Freund Whizzer zusammen zu sein. Hinzu kommt der Familientherapeut Mendel, der schliesslich selbst Teil der Familie wird, als er Trina heiratet. Dieses komplexe, moderne Gefüge erweitert sich später um zwei Freundinnen: die Ärztin Charlotte und ihre Partnerin Cordelia, die als Caterin tätig ist. Mit dem Übergang in die 1980er-Jahre nimmt das Familiendrama eine deutlich düsterere Färbung an, als HIV auf den Plan tritt.
Vollständig durchkomponiert, ist Falsettos eher ein Schauspiel mit Musik – doch es gibt mehrere herausragende Songs, die von der phänomenalen Besetzung der Wiederaufnahme getragen werden. Stephanie J Block ist grossartig als Trina: Sie ringt damit, ihren Mann an seine Homosexualität zu verlieren, und versucht zugleich, ihren klugen, aber verwirrten Sohn grosszuziehen. Besonders schön zeigt sich das in „I’m Breaking Down“, wenn sie ihre Gefühle mit einer Banane und einem scharfen Messer auf herrlich komische Weise verarbeitet. Anthony Rosenthal überzeugt als Jason im Vorpubertätsalter – eine anspruchsvolle Hauptrolle –, während Brandon Uranowitz als Mendel angenehm neurotisch und sehr fesselnd ist. Tracie Thoms und Betsy Wolfe bringen als lesbisches Paar Wärme und zusätzliche musikalische Tiefe in die Geschichte. Das starke Duo Christian Borle und Andrew Rannells ist als Marvin und Whizzer hervorragend – mit einigen der besten Songs, darunter das berührende „What More Can I Say?“ und „What Would I Do If You Had Not Been My Friend?“. Gemeinsam sorgt das Ensemble für einen echten Showstopper in der Szene von Jasons Little-League-Baseballspiel, das die chaotische, erweiterte Familie feiert; dazu kommen verspieltere Momente wie der ausgesprochen schräge „March of the Falsettos“.
Obwohl sich die erste Hälfte vor allem mit Trennung und Beziehungsbruch beschäftigt, bleibt der Ton zunächst leichter, bevor die Geschichte einen Gang hochschaltet: Ab 1981 gewinnt sie deutlich an Wucht und Resonanz. Auch wenn das klar jüdisch geprägte New Yorker Umfeld Falsettos zu einem sehr amerikanischen Musical macht, überrascht es, dass die Show im Vereinigten Königreich nie wenigstens ein Zuhause abseits des West End gefunden hat. Sie ist warmherzig und oft sehr witzig, mit starken Figuren und einer zeitlosen Botschaft über den Wert von Freundschaft in Zeiten von Krise und Veränderung. Bis sich die Gelegenheit bietet, eine Live-Produktion in Grossbritannien zu sehen, ist die Live-Aufzeichnung bei BroadwayHD das Nächstbeste.
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