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KRITIK: Made In Dagenham, New Wolsey Theatre ✭✭✭✭
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Von
pauldavies
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Made In Dagenham
New Wolsey Theatre, Ipswich
22. September 2016
4 Sterne
Nach seinem kurzen Lauf im West End nimmt diese Koproduktion zwischen dem Wolsey und dem Queen’s Theatre, Hornchurch, dem Musical die Ablenkungen eines grossen Budgets und führt die Show zurück zu ihren Wurzeln. Regisseur Douglas Rintoul legt sie in die Hände eines herausragenden Ensembles aus Schauspieler-Musiker*innen – das Ergebnis ist ein beschwingter, kraftvoller Abend, der gleiche Rechte feiert. Basierend auf dem gleichnamigen Film zeichnet das Musical Entschlossenheit, Humor, Trotz und Können der Frauen im Ford-Autowerk Dagenham nach, die 1968 für gleichen Lohn streiken.
Die Inszenierung eröffnet mit einer wirkungsvollen Sequenz, die bei Theresa Mays Rede in der Downing Street Nr. 10 ansetzt; dazu läuft ein Soundtrack, der uns von der verfallenen Fabrik zurück in die Zeit reist – ins florierende Werk von 1968. (Hervorragendes Design von Hayley Grindle). Damit wird das Thema der Show sofort markiert: Je mehr sich ändert, desto mehr bleibt manches doch gleich. Richard Beans Buch blickt nicht mit rosaroter Brille auf die Vergangenheit: Der Sexismus und die damaligen Einstellungen wirken heute auf unsere Ohren wirklich schockierend, und die Musik von David Arnold sowie die Songtexte von Richard Thomas sind stellenweise so scharf wie die Nadel einer Nähmaschine.
Daniella Bowen ist grossartig als Rita, die widerwillige Anführerin der Kampagne, und sie zeigt Ritas Stress ebenso wie ihre Entschlossenheit – durchgehend mit Pathos und Humor. Die vielleicht berührendste Figur ist ihre Freundin und Gewerkschaftsvertrauensfrau Connie, die jahrelang das Spiel der Gewerkschaft mitspielt, bevor sie an Brustkrebs erkrankt und Rita ihre TUC-Rede und ihren Geist vermacht – eine wunderschön feinfühlige Leistung von Wendy Morgan. Angela Bain stiehlt als fluchende Beryl fast die Show, mit sichtlichem Vergnügen an den besten Einzeilern des Abends, und Alex Tomkins verleiht Eddie, Ritas Ehemann, viel Sympathie und Liebenswürdigkeit – trotz seiner tief sitzenden sexistischen Haltungen!
Ganz ohne Schwächen ist das Musical nicht; es würde davon profitieren, ein paar Songs im ersten Akt und einige Männerfiguren zu straffen. Premierminister Harold Wilson wird zur Karikatur, zum Hanswurst, und der Humor bleibt weit hinter der angestrebten Satire im Stil von Beyond the Fringe zurück. Zu oft werden die Männer als zweidimensionale Schurken gezeichnet – wo das jedoch funktioniert, ist Jeffrey Harmers Trump-inspirierter Mr Tooley, der amerikanische Besitzer, dessen Song Made in America dem Geschehen einen kalten Schauder verleiht. Im Kern aber ist dies eine Show, die Frauen feiert – und am stärksten ist, wenn sie im Mittelpunkt stehen. Das gilt sogar für die politischen Szenen: Claire Machin ist eine hervorragende Barbara Castle, eine wahrhaft inspirierende Frau. Ritas kämpferische Nummer Stand Up ist ein triumphaler Höhepunkt einer Show mit viel Herz und Biss, die das Publikum von den Sitzen riss!
Made In Dagenham läuft im New Wolsey Theatre bis zum 15. Oktober 2016
TICKETS FÜR MADE IN DAGENHAM BUCHEN
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