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REZENSION: Oh! Carol, Crazy Coqs ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Oh! Carol

The Crazy Coqs Cabaret & Bar

20. Juli 2015

Mitten im geschäftigen Herzen von Piccadilly liegt die Brasserie Zedel, eine der üppig ausgestatteten Ess- und Trinkadressen aus dem Imperium von Chris Corbin und Jeremy King – diese hier unverkennbar französisch im Charakter. Und eingebettet in die Brasserie Zedel, wie eine exotische Matrjoschka-Puppe, befindet sich The Crazy Coqs Cabaret & Bar.

Der Raum selbst ist atemberaubend – eine makellos restaurierte Art-déco-Perle. 1935 wurde er im Building Magazine als „ein klein wenig verrucht und unartig“ beschrieben, und diese Beschreibung trifft 80 Jahre später noch immer zu. Beim Eintreten umfangen einen gedämpfte Töne, doch die kräftigen Farben, die funkelnde Cocktailbar und der leicht laszive Pianist versprechen Dekadenz und Vergnügen. Der Service ist geschniegelt und aufmerksam, das Essen lecker, aber sehr teuer, und die Drinks köstlich, aber sehr teuer.

Doch im Raum liegt ein unbestreitbares Knistern. Vorfreude ist hier so etwas wie das obligate Eau de Cologne. Das Haus zieht internationale Acts mit sehr unterschiedlicher Strahlkraft an; gelegentlich stehen hier echte Giganten der Entertainment-Welt auf der Bühne. Die Callaway Sisters waren erst vor Kurzem zu Gast. Das Niveau ist in den wechselnden Cabaret-Formaten, die hier stattfinden, konstant hoch – und meiner Erfahrung nach ist dies ein idealer Ort für einen Abend, denn fast immer kann man sich auf höchst professionelle Darbietungen verlassen. Und der eklektische Künstler*innen-Mix sorgt dafür, dass dem Publikum eine breite Palette musikalischer Geschmäcker und Stile geboten wird.

Weniger üblich für diese Spielstätte ist, dass lokale Acts hier auftreten – es sei denn, die Künstler*innen sind bereits bestens etabliert. Doch mit Oh! Carol, einem Zweipersonen-Abend, der die Hitmacher-Kombination Neil Sedaka und Howard Greenfield feiert, überliess man die Bühne zwei relativ unbekannten Interpret*innen. Ein riskantes Unterfangen?

Au contraire.

Jukebox-Musicals nehmen meist eine von zwei Formen an: die autobiografische Erzählung (Jersey Boys, Beautiful) oder die Fantasy-Plot-Variante (Mamma Mia!, We Will Rock You). Oh! Carol orientierte sich eher an ersterem: Die beiden Performer erzählten die Geschichte von Neil Sedakas Songwriting, erklärten Hintergründe und ordneten eine Reihe weltweiter Megahits ein. Sedaka hat über 500 Songs geschrieben und aufgenommen – an Rohmaterial für ein solches Cabaret mangelt es also nicht.

Man vergisst bisweilen, wie ungeheuer produktiv Sedaka war – und wie sehr seine Musik damals wie heute zum Gewebe des Alltags gehört. Gibt es wirklich jemanden, der Happy Birthday Sweet Sixteen! oder Breaking Up Is Hard To Do nicht kennt?

Zum Glück bietet Oh! Carol einen durch und durch unterhaltsamen, überschäumenden Querschnitt durch Sedakas Werk. Da sind die grossen Hits, aber auch weniger präsente Stücke – und tatsächlich ist keine Nummer der Setlist langweilig oder entbehrlich. Die meisten Songs stammen aus der gemeinsamen Feder mit Greenfield, und die lebhafte, kluge Moderation erzählt die Höhen und Tiefen der Partnerschaft Sedaka/Greenfield mit trockenem Blick und spielerischer Zuneigung.

Natürlich schrieben Sedaka und Greenfield auch Hits für viele ihrer Zeitgenoss*innen – manche mit stimmlich „grösseren“ Instrumenten als Sedaka selbst. Doch Sedaka war als eigenwilliger Performer in seiner eigenen Liga beeindruckend. Wer den weiten Bogen seiner Erfolge abbildet, muss zwangsläufig viele Stile und Stimmfarben bedienen. Klugerweise lassen die beiden Interpret*innen das nicht zum Hindernis werden – im Gegenteil: Es wird zum Sprungbrett, um Dynamik und Wendigkeit ihrer eigenen, wohlklingenden Stimmen zu zeigen.

Damion Scarcella ist durch und durch Cabaret-Profi; er sieht genau so aus, wie man sich Las-Vegas-Headliner vorstellt: elegant gekleidet, attraktiv, akkurate Frisur, ausdrucksstarke und verführerische Augen. Ein spürbares Rhythmusgefühl prägt seine Bühnenpersona, und er kann Herzschmerz ebenso wie übersprudelnde Freude ausstrahlen.

Scarcella hat eine aufregende, brillante Stimme – gross und sicher. Er verfügt über eine mühelose Höhe, hervorragende Artikulation und eine samtige Wärme im Klang. Er geht die Songs mit Elan und Chuzpe an und beherrscht den nötigen Stil vollkommen, damit sie abheben können. Er versucht nicht, Sedaka oder andere Interpret*innen ernsthaft zu imitieren; vielmehr passt er seine eigene beeindruckende Stimme so an, dass jede Note jedes Hits sitzt und schön klingt. Von Oh! Carol selbst über Stairway To Heaven, Laughter In The Rain und Solitaire bis hin zum umwerfenden Amarillo: Scarcella ist durch und durch vintage – pures Format.

Für Schönheit und Stil auf andere Art sorgt Belinda Wollaston: Sie bringt die feminine Note und einen umwerfend klaren, hohen Belt in die Gleichung. Sedaka schrieb grossartige Songs für Frauen, insbesondere für Connie Francis – und Wollaston erinnert glitzernd daran, welch besonderes Vergnügen es ist, einer Sängerin zuzuhören, die mit Musik und Performance ganz und gar eins ist. Wer Socken trägt, sollte sich darauf einstellen, dass sie einem ausgezogen werden.

Ihre Versionen von Fallin, I Waited Too Long und One More Ride On The Merry Go Round waren exquisit, doch ihr triumphalster Moment kam in einer wirklich atemberaubenden Interpretation von Where The Boys Are. Ihre reich resonierende Stimme verlieh den Songs eine hervorragende Energie.

Wenn Scarcella und Wollaston gemeinsam sangen, waren sie unschlagbar. Ehrlich gesagt hätte ich gern eine Aufnahme dieser Show – zumindest ihrer Duette –, um sie immer dann aufzulegen, wenn ich einen Stimmungsheber brauche. Wahre Künstler*innen: Sie hörten einander zu, sangen miteinander (nicht gegeneinander), harmonisierten und verschmolzen zu reiner, absolut hinreissender Musik. Tin Pan Alley, Little Devil, Breaking Up Is Hard To Do, Queen of 1964, Last Song Together und Love Will Keep Us Together – das waren die stilvollen, überwältigend kraftvollen Momente, in denen sich diese beiden grossartigen Stimmen zu einem glänzenden Ganzen verbanden.

Musical Director Chris Malkinson gebührt ebenfalls Anerkennung für die Musikalität des Abends: Sein Klavierspiel, unterstützt von Martin Layzell (Schlagzeug) und Jerry Sallis (Bass), war punktgenau, geschmeidig und elegant.

Das war ein charmanter, aufregender und rundum vergnüglicher Walzer durch den Sedaka-Backkatalog. Der Gesang ist aussergewöhnlich, der intime, gesprächige Ton der informativen Zwischenmoderationen sitzt perfekt – und der sprühende Showman-Geist ist schlicht unwiderstehlich.

Oh! Carol tourt durch Grossbritannien. Bleibt nicht draussen stehen – folgt der Musik, wohin sie euch führt!

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