Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

REZENSION: Sinbad der Seefahrer, Theatre Royal Stratford East ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

Share

Marianna Neofitou, Julian Capolei, Gabby Wong und Ben Goffeen in Sinbad the Sailor. Sinbad the Sailor

Theatre Royal Stratford East

Mittwoch, 14. Dezember 2016

3 Sterne

Tickets für Sinbad the Sailor buchen Was für wunderbare Geschichten – dieses Sammelsurium von Erzählungen, das im Westen als „Tausendundeine Nacht“ überliefert ist. Und wie herrlich aufregend sind unter all den Figuren die bekanntesten: Ali Baba, Aladdin und … Sinbad.  Von ihnen hatte Letzterer das Glück, von der Erzählerin dieser magischen Geschichten, der stets einfallsreichen Scheherazade, genau das ideale Format für eine langlebige Reihe mitbekommen zu haben: die Abenteuerreise!  Nur die unerschrockene Crew der Enterprise dürfte noch mehr herumgekommen sein.  In den „Arabian Nights“ bekommt er sieben Reisen – doch die wirken fast unbedeutend angesichts der Flut späterer „Fortsetzungen“, die unzählige Bearbeitende auf den Weg gebracht haben, nicht zuletzt im 20. und 21. Jahrhundert in zahllosen Film- und TV-Versionen.

Welche dieser Geschichten nun für das jüngste Angebot geplündert wurden – oder auch nicht –, lässt sich schwer sagen.  Das Buch stammt aus der Feder von Paul Sirett, der hier zudem die Liedtexte für die vielen Songs schreibt; weitere Lyrics sowie die Musik kommen von Wayne Nunes und Perry Melius.  Für die 12-köpfige Besetzung gilt: Jede*r bekommt mindestens eine ordentlich ausgearbeitete Figur.  Es gibt sogar zwei Held*innen: Sinbadda (Gabby Wong) taucht (sehr gelegentlich) als Schwester der Hauptfigur auf – in einer Rolle, die so wichtig und zugleich so unterschrieben ist, dass sie Menschen einer gewissen Generation wohl an Janet Webbs Auftritte in „The Morecambe and Wise Show“ erinnern dürfte (zweifellos landete der Rest ihrer Szenen auf dem Boden der Literaturabteilung; doch wenn gegen Ende die große „Girl Power“-Nummer kommt, erwartet man fast, dass sie die unsterblichen Worte enthält: „Thank you for watching me and my little show“).

Michael Bertenshaw, Gabby Wong, Johny Amobi, Marianna Neofitou in Sinbad the Sailor.

Dennoch gehört der Ehrenplatz weiterhin der charmanten Titelfigur, gespielt vom gutgelaunten Julian Capolei. Ihm zur Seite steht als gewitzter Helfer der Affe Funky (eine Puppe, geführt und gesprochen von Gemma Salter).  Dazu gibt es gleich zwei Schurkenduos: zum einen den bösartigen Höfling Prinz Naw-Ze Uzz (Michael Bertenshaw, der wirklich weiß, wie man das Stratford-Publikum für sich gewinnt); zum anderen Captain Green Beard (ein ziemlich campiger Alim Jayda) und sein Sidekick, der wohlklingend, mit „Trompetenstimme“ auftretende Clanker (Josephine Melville).  Es gibt eine Dame – die Nurse (verkörpert von dem majestätisch tönenden Johnny Amobi, der es versteht, Zuschauer*innen mit viel Charme und gutmütigem Witz auf die Bühne zu holen, damit sie sich auf äußerst unterhaltsame Weise zum Affen machen).  Es gibt eine Principal Girl in Gestalt der Prinzessin (die beherzte Marianna Neofitou), ihr liebender, verwitweter Vater ist der Sultan (Ben Goffe).  Und übernatürliche Hilfe (in der traditionell begrenzten Dosierung) leistet die bezaubernde Green Genie Uz (die brillante Komödiantin Rina Fatania – und nebenbei mit einer mehr als stattlichen Stimme).  Und dann sind da noch viele weitere Rollen, gespielt von Mitgliedern des Ensembles.

Die Handlung: Die Prinzessin soll demjenigen zur Frau gegeben werden, der den Goldenen Kasten von einer Insel zurückbringt, auf der es von Schwierigkeiten nur so wimmelt – darunter ein neunköpfiges Monster und psychedelische Bananen.  Los geht’s mit pfiffigen Animationen von Pete Bishop und Kevin Baldwin, die die ganze Show klar und zielgenau auf das junge Publikum ausrichten (das von da an durchgehend hellwach zuschaut!).  Das Theatre Royal ist nicht Londons reichste Bühne, aber hier macht man aus wenig sehr viel: mit einer gut eingesetzten Drehbühne und ein paar Podeststapeln, dazu schönes Licht vom versierten David Plater – alles in einer sehr, sehr flotten Inszenierung von Artistic Director Kerry Michael.  Auch die Kostüme sind so prächtig, wie es das Budget eben zulässt.  Für die Optik der Produktion gilt Harriet Barsby und Jenny Tiramani Dank.  Es gibt eine geradlinige Choreografie/Bewegungsarbeit von Kamilah Beckles.  Robert Hyman ist Music Director; er hält alles sauber zusammen und ist hörbar begeistert vom Sound seiner kleinen, aber äußerst wirkungsvollen Band. Sounddesigner Andrew Johnson wiederum bevorzugt den Orchestergraben so sehr, dass ganze Passagen der Lyrics im zurückprallenden Pop-Getöse untergehen.  Man sollte meinen, es wäre ziemlich einfach, den Bandsound ein kleines bisschen runterzudrehen.  Schauspieler*innen und Publikum wären sehr dankbar.

Alim Jayda und Josephine Melville in Sinbad the Sailor

Weniger leicht zu beheben sind die Probleme des Buchs: Es häuft Ereignisse an, ohne ihre Bestandteile unbedingt zu einem stimmigen oder logisch nachvollziehbaren Ganzen zu formen.  So beginnt die Show etwa damit, dass die bösen Piraten sich uns vorstellen – und es ist alles andere als klar, warum sie dieses Privileg genießen.  Michael tut, was er kann, um alles so schnell wie möglich voranzutreiben, damit man über solche Holprigkeiten nicht zu lange nachdenkt; doch sie mehren sich.  Vieles ist „erzählt“ statt „gespielt“ – dadurch werden etliche Expositionsszenen wortlastig und statisch und ziehen der Sache Energie ab, die der Regisseur unermüdlich hineinzupumpen versucht.  Die Handlung des ersten Aktes scheint am Punkt der Abreise zur gefährlichen Insel zu kulminieren, wo der Kasten liegt … tut sie aber nicht.  Es geht noch eine ganze Weile weiter, bevor endlich die Pause kommt.

Trotzdem gibt es großartige Kampfchoreografie von Ian McCracken, einen wunderbaren Stepptanz von Phillip Michael Thomas und einige atemberaubende Illusionen von Scott Penrose (ich saß in der fünften Reihe und habe KEINE AHNUNG, wie sie gemacht wurden!).  Insgesamt hat die Show einen ehrlichen, bodenständigen Charakter und serviert etwas Neues, während sie fast alle „traditionellen“ Zutaten anbietet (abgesehen von der Dschungel-Backwettbewerb-Szene, auf die ich mich sooo gefreut hatte – und die dann doch nicht auftauchte).  Manche gehen vermutlich nur zur Weihnachts-Panto ins Theater, und die hier enttäuscht ganz sicher nicht.  Manche lassen sich vielleicht sogar inspirieren, danach über die schönen Geschichten nachzulesen, aus denen die Titelfigur stammt.  Und manche werden schlicht dankbar sein, dass sie hier zweieinhalb Stunden lang nicht versuchen müssen, ihre Kinder zu bespaßen: Das übernimmt die Show für sie.

Bis 21. Januar 2016

Bilder – Sharron Wallace

TICKETS FÜR SINBAD THE SAILOR IM THEATRE ROYAL STRATFORD EAST BUCHEN

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS