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REZENSION: Die Commitments, Palace Theatre. ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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The Commitments im Palace Theatre The Commitments Palace Theatre 7. Oktober 2013

3 Sterne

Das West End steht kurz davor, von einer Welle neuer Musicals überschwemmt zu werden, und morgen eröffnet Jamie Lloyds Inszenierung von Roddy Doyles Musical-Adaption seines Buchs und Films, The Committments, im Palace Theatre – und nach dem begeisterten Applaus und dem Tanzen in den Gängen eines generationsübergreifenden Publikums bei der heutigen Vorstellung zu urteilen, dürfte die Produktion dort sehr lange laufen.

Sie steckt voller grosser musikalischer Klassiker und ist ausserordentlich gut gesungen und gespielt. Vor allem Killian Donnellys Gesangsarbeit als der obszöne Grobian Deco ist souverän, spektakulär und fesselnd: ein echtes Tour-de-Force.

Soutra Gilmour liefert erneut ein Bühnenbild für eine aktuelle Londoner Produktion, und dieses ist ebenso hervorragend und einfallsreich wie ihre anderen Arbeiten – sie ist eine ungemein begabte Designerin, die mit wenig sehr viel zu erreichen weiss.

Lloyd ist ein erstaunlicher Regisseur mit einer bemerkenswerten Bandbreite und einem aussergewöhnlich sicheren Gespür – selten gelingt es ihm nicht, ein Werk zu erhellen, zu verjüngen oder zu beleben, und so ist es auch hier. Das Tempo lässt nie nach, die Szenen sind farbenfroh und voll von Details und Reiz, und es besteht kein Zweifel: Die Musik ist der Mittelpunkt des Abends.

Einen seltsamen Fehltritt gibt es, wenn Ensemblemitglieder in den Zuschauerraum kommen, um etwas unbeholfen das Originalpublikum zu imitieren, vor dem die zusammengewürfelte Band erstmals spielte; ansonsten ist das Stück als Theaterabend nahezu makellos inszeniert und komponiert.

Lloyd holt stets ausgezeichnete Leistungen aus den Menschen heraus, die er besetzt – aber seine Besetzungen sind nicht immer die treffendsten oder passendsten. Hier wird das gesamte Stück vom Erzähler Jimmy getragen, und diese Rolle verlangt einen charismatischen, wirklich begabten und vielseitigen Darsteller. Denis Grindel, der sein West-End-Debüt gibt, ist hübsch genug und auf eine eher unaufgeregte Art sympathisch, aber ihm fehlen die Bühnenroutine, die Geschmeidigkeit und die technische Beweglichkeit, die nötig sind, um diese zentrale Schlüsselfigur zu bewältigen.

In Grindels Händen möchte man Jimmy mögen, weil er so nett ist; doch die Figur ist nicht nett – sie ist getrieben, leidenschaftlich, naiv, ehrgeizig und wunderbar. Hätte ein wirklich begabter Schauspieler (etwa Harry Melling oder Max Bennett) diese Rolle gespielt, könnte das Ganze auf eine Weise knistern, wie es das mit Grindel nicht tut und nicht tun kann. Das heisst nicht, dass er schlecht ist – das ist er nicht; er ist einfach nicht wirklich die richtige Wahl, und auch grösste Anstrengung ändert daran nichts.

Das zeigt sich besonders in dem Moment, wenn die Figur „Mr Pitiful“ singt – Grindel kann singen, und es braucht einen echten Schauspieler, um diese Fähigkeit in einem Moment der Selbsterkenntnis zu verbergen, in dem die Figur ihre Unfähigkeit zu performen beklagt.

Es gibt einen spektakulären Kopfstoss und einen spassigen Einsatz von Regen – das allein ist den Ticketpreis wert –, und viele der Figuren bekommen ihren Moment im Rampenlicht, was sich auszahlt. Abgesehen von ein paar offenbar absichtlich schlechten Karikaturen ist das Niveau des Ensembles sehr, sehr hoch.

Das zentrale Problem liegt im Buch: Doyle lässt dem Stück nicht genug Luft, sodass die Vorgeschichten oder in vielen Fällen nicht einmal die Persönlichkeiten der einzelnen Bandmitglieder klar werden. Es sollte nicht schwer sein, sie mit ein paar groben Strichen zu skizzieren, doch hier scheint man lieber zu verwischen – nur ein Hauch, eine Andeutung von Backstory –, vermutlich in der Annahme, dass die Kenntnis des sehr erfolgreichen Films die Lücken füllt oder zumindest einen Anker der Vertrautheit liefert.

Ein Kenner des Films versichert mir jedoch, dass die Musicalfassung einen ganz anderen Weg einschlägt und weder eine getreue Reproduktion sein will noch versucht, die Geschichte der Band in ähnlicher Weise zu erzählen. Der Verwischeffekt wirkt also wie eine bewusste Entscheidung des Autors – was, gelinde gesagt, merkwürdig ist.

Das Ergebnis: Auf der Bühne stehen viele begabte Sängerinnen, Sänger und Tänzer (das gesamte Ensemble rockt gewaltig), doch abgesehen von den vageesten Spuren von Charakterzeichnung weiss man nicht, warum sie dort sind, wie sie dorthin gekommen sind oder weshalb sie dort sein wollen.

Da das Musikmachen jedoch das eigentliche, tiefere Zentrum dieser Mischung ist und der Grossteil des Publikums sich daran offenbar nicht stört, wirkt es beinahe mürrisch, sich zu fragen, warum Charakterzeichnung und textliche Klarheit Doyle so unwichtig sind.

Aber sie sind es nicht.

Und genau deshalb bleibt von diesem besonders gut inszenierten und gespielten Musical-Genuss am Ende immer ein verschwommener Eindruck: eine seltsame Begebenheit eines Abends mit den Commitments, ein musikalisches Werk, dem es im Buch an Commitment des Autors fehlt – nicht aber an Einsatz von Cast und Regie. Es wirkt nicht wie ein Musical, das bei einer zweiten oder dritten Sichtung besser würde, zumindest nicht mit der aktuellen Besetzung. Selbst mit einem erfahrenen und vielseitigen Darsteller als Jimmy wäre diese Rolle zwar besser, doch die Kluft zwischen dieser Figur und dem Rest wäre noch grösser – was möglicherweise sogar der Schlüssel zu Grindels Besetzung ist.

Es ist ein beschwingter Abend mit tollem Gesang und dem einen oder anderen Lacher – aber man muss weder Buch noch Film kennen, um zu erkennen, dass dies ein unendlich besseres Musical hätte sein können, wenn das Buch von jemandem mit einem besseren Verständnis für Musicaltheater geschrieben worden wäre. Charlie and the Chocolate Factory muss sich vor diesem neuen Dauergast im Palace jedenfalls nicht fürchten. Tickets buchen für The Commitments

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