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REZENSION: Der Abschied des Hinteren dritten Stocks, Finborough Theatre ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon genießt eine bezaubernde Wiederentdeckung von Jerome K Jeromes weitgehend vergessenem Erfolgstück The Passing of the Third Floor Back im Finborough Theatre
Anna Mottram, Paddy Navin, Caroline Wildi. Foto: Soloman Lawson The Passing of the Third Floor Back Finborough Theatre
Vier Sterne
Heute ist Jerome K Jerome vor allem für sein komisches Meisterwerk Three Men in a Boat bekannt, doch einst war er auch der Autor eines großen West-End- und Broadway-Hits: The Passing of the Third Floor Back. Nach einer erfolgreichen Londoner Spielzeit ab 1908 wechselte das Stück nach New York und lief dort bis 1910 ein Jahr lang – mit einem der bedeutendsten klassischen englischen Schauspieler jener Zeit in der Hauptrolle, Johnston Forbes-Robertson. In London wurde es seit fast 70 Jahren nicht mehr professionell gezeigt, doch nun hat NorthSee Theatre es in einer charmanten neuen Produktion wieder auf die Bühne gebracht.
Anna Mottram und Alex Knox in The Passing Of The Third Floor Back. Foto: Solomon Lawson
Angesiedelt in einem heruntergekommenen Londoner Boardinghouse ist das Stück eine Fantasie – oder, wie Jerome es nannte, „eine müßige Einbildung“ – über eine Gruppe bürgerlicher Menschen, Künstler und Geschäftsleute, die vom Pech verfolgt sind. Alle sind darauf aus, sich durchzuschlagen; die Angst vor Armut treibt sie zu kleinen Diebstählen, Täuschungen und dazu, ihre Hoffnungen und Träume zu verraten – bis ein neuer Untermieter im Hinterzimmer im dritten Stock einzieht. Nach und nach werden die anderen Bewohner durch seine geheimnisvolle, engelgleiche Präsenz verwandelt und erinnern sich an ihr „besseres Selbst“.
Edward Wolstenholme, Alex Knox und Graham Pountney. Foto: Solomon Lawson
Zugegeben: Es ist kein großes Stück; als „müßige Einbildung“ hat Jerome eher Typen als lebendige Figuren geschaffen, und die Struktur ist die vorhersehbare eines Märchens. Doch Regisseur Jonny Kelly und das zwölfköpfige Ensemble hauchen dem Stoff neues Leben ein: Sie kitzeln den Humor aus dem Text heraus, ohne dass die Grundidee lächerlich absurd wirkt. Dazu kommen einige sehr schöne Darbietungen – etwa Graham Pountney als ehemaliger Army-Major, der vom Glück verlassen ist, und Paddy Navin als Miss Kite, eine von drei giftigen Untermieterinnen, deren puppenhafte Überdosis Make-up sich als rührende Angst entpuppt, ihr verblassendes Aussehen zu zeigen. Frisch von ihrem Abschluss am Rose Bruford College in diesem Jahr sticht Ella Dunlop als freche, warmherzige Hausangestellte Stasia hervor.
Paddy Navin und Carmen Rodriguez in The Passing Of The Third Floor Back. Foto: Solomon Lawson Das Fantasy-Element wird durch Harfenistin Lizzie Faber verstärkt, die die verwandelnde Präsenz des Fremden musikalisch begleitet – unterstützt von Robbie Butlers atmosphärischem Lichtdesign. Doch die Handlung ist dank Jasmine Swans sorgfältiger Rekonstruktion eines Boardinghouse-Salons, umhüllt von matt reflektierenden, zinnartigen Bahnen, und einer beeindruckenden Vielfalt an edwardianischer Garderobe sehr fest im frühen 20. Jahrhundert verankert.
In seiner Darstellung von Boardinghouses und seinen Aussagen über sozialen Status ist The Passing of the Third Floor Back ganz eindeutig ein Produkt seiner Zeit. Es feiert die Idee, dass auch die vom Leben Gezeichneten durch moralisches Handeln, Selbstaufopferung und Widerstand gegen die Bosheit der Welt zu „Ladies“ und „Gentlemen“ werden können. Es mag nicht die Wucht späterer Fantasien wie J. B. Priestleys An Inspector Calls besitzen, doch dies ist eine willkommene Gelegenheit, diesen weitgehend vergessenen Erfolg der Vergangenheit zu sehen – mit einem Hauch Magie passend zur Weihnachtszeit.
Spielzeit bis 22. Dezember 2017
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