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REZENSION: The Three Lions, St James Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

Leitartikel

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Die drei Löwen

St. James Theatre

27. März 2015

4 Sterne

Kritik von James Garden

„David Cameron, David Beckham und Prinz William gehen in eine Hotelsuite“ könnte der Anfang eines wirklich zum Fremdschämen peinlichen Witzes sein – doch in Die drei Löwen, derzeit im St. James Theatre zu sehen, ist es eine Ausgangslage, aus der erstaunlich brillante Komik entsteht.

Wir schreiben das Jahr 2010, und das Vereinigte Königreich ist verzweifelt darauf aus, die FIFA-WM 2018 auszurichten. Russland scheint unser Hauptrivale zu sein, obwohl man sich hinter vorgehaltener Hand erzählt, Putin habe sich nicht einmal blicken lassen – vielleicht bringen unsere Jungs in ihrer besten Dad’s Army-Imitation das Ding also nach Hause.

Wie der Dramatiker William Gaminara im Programmheft schreibt: „Ich habe nicht versucht zu zeigen, welche echten Menschen sich vielleicht unter ihrer öffentlichen Fassade verbergen. Ich habe sehr bewusst die öffentliche Persona genommen, die wir – gerade bei diesen drei – unerbittlich auf dem Bildschirm sehen. Drei Menschen konnte man kaum öfter im Fernsehen sehen. Ich spiele mit Karikatur, aber erstaunlich oft denkt man im Stück: ‚So würden die wahrscheinlich tatsächlich miteinander reden – ganz unrealistisch ist es also auch nicht.‘“

Auch wenn diese Figuren tatsächlich Karikaturen sind, sollte man Gaminaras Worten vertrauen: Er führt das Publikum durch die gesamte dreitägige Angelegenheit vor Ort in der Schweiz. Verliert man sich in den teils rassistischen, teils an Homophobie grenzenden Witzen, die sich allzu leicht mitnehmen lassen, verpasst man die scharfe Anklage gegen das Geld im Profifussball, gegen die Presse und gegen die globale Politik. Genau dort hat Gaminara sein Fadenkreuz angesetzt – und trifft immer wieder mit laserartiger Präzision.

Dugald Bruce-Lockhart spielt einen hervorragenden David Cameron – seine wilden Gesten sind vollkommen deckungsgleich mit dem, was man beim echten Premierminister vermuten würde, wenn er verzweifelt versucht, auf einer Baustelle oder in einer Fabrikhalle wie ein Arbeiter zu wirken, während die Fotografen unablässig draufhalten. Tom Davey ist ein ebenso brillanter Prinz William, dessen leicht matte, aber extrem privilegierte Weltsicht als ein wenig hart gelesen werden könnte; sein oberklassiges Herumblödeln streift bisweilen Homophobie. Doch Davey spielt mit so viel echtem Herzen, dass man wirklich einen Mann erkennt, der in seiner Rolle feststeckt und sich nicht bewegen kann. Penny, die Assistentin des Premierministers (Antonia Kinlay), sowie Ashock/Vikram (Ravi Ajula) setzen den drei „echten“ Männern ein starkes Gegengewicht. Und „der Australier“, wie ihn Lewis Collier gibt – fast schon eine konstruktive Verbeugung vor Lady Bracknell –, ist besonders grossartig darin, die Dinge „beim Namen zu nennen“.

Ein Moment des Innehaltens gebührt allerdings Séan Browne, der einen absolut grossartigen David Beckham spielt. Seine schlichte, geradeheraus gesprochene Art wirkt nicht nur wie eine perfekte Kopie des Fussballers – Brownes Fähigkeit zuzuhören ist aussergewöhnlich. Wenn, wie Meisner einst sagte, „Schauspiel Reagieren ist“, dann spielt er wirklich in jeder Sekunde, in der er auf der Bühne steht. Da entstehen wunderbare Momente durch kleinste Veränderungen in seinem Gesicht. Ganze, über das gesamte Skript aufgebaute Set-ups werden mit einem einzigen Blick eingelöst, und man kann die Augen kaum von ihm lassen – weit mehr als nur ein hübsches Gesicht mit einer unglücklichen Neigung zum Fettnäpfchen.

Bühnenbild und Kostüme von Colin Falconer sind hervorragend – besonders stimmig ist diese „Austerity“-Regierung, die in etwas unterkommt, das wie ein easyHotel mit seinen orangenen Akzenten aussieht.

Alles in allem ist Die drei Löwen ein spektakulärer Theaterabend. Man sollte dem Stück vertrauen – und William Gaminaras Worten: Lassen Sie es nicht unter die womöglich etwas selbstgerechte liberale Haut gehen, denn am Ende wird das Publikum reich belohnt.

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