NACHRICHTEN
VORSCHAU: Prelude, Tristan Bates Theatre
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Von
julianeaves
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Julian Eaves wirft einen Blick auf „Prelude“, eine Plattform für neue Autor*innen am Tristan Bates Theatre
Prelude
Tristan Bates Theatre,
18. Juni 2018
Joel Fisher hat sehr klug gehandelt, indem er Lexi Clares Showcase für neue Musical-Theatre-Texte ins Tristan Bates Theatre geholt hat: Nachdem er es kürzlich „Above the Arts“ gesehen hatte, wusste er, dass es von dem großzügigeren Raum – und der unendlich besseren Akustik – seines Hauses profitieren würde. Und genau so kam es: Es war eine reine Freude, diese neuen Stimmen in einem Raum zu hören, der ihnen wirklich gerecht wurde.
Wie bei den Darbietungen, so auch beim Schreiben: Hier steckte viel junges Talent, rekrutiert aus den führenden Schauspielschulen der Hauptstadt. Nun hören wir viel über die Schwierigkeiten, Zugang zu einer solchen Ausbildung zu bekommen; die abschreckenden Kosten und die fehlenden Fördermöglichkeiten bedeuten, so wird uns immer wieder gesagt, dass zunehmend nur noch eine eingeschränkte demografische Gruppe diesen Weg einschlagen kann. Und nicht nur das: Wenn es um das Entwickeln neuer Stücke geht, schreiben die meisten Menschen im Großen und Ganzen über das, was sie selbst kennen – oder zumindest über das, was sie aus ihrer eigenen Lebenserfahrung heraus verstehen. Wenn die sozialen, kulturellen und literarischen Hintergründe der Autor*innen so ähnlich sind, führt das zwangsläufig zu einer gewissen Gleichförmigkeit in Blickwinkel, Interessen und Überzeugungen. Daher überraschte es nicht, diese Ähnlichkeit auch im hier gebotenen Material recht deutlich wiederzufinden.
Natürlich gilt das nicht nur für dieses Forum, sondern für das gesamte Ausbildungsgefüge der Branche. Produzent*innen in den darstellenden Medien weisen seit Jahren auf die Schwierigkeiten hin, aus einem immer engeren sozialen – und ethnischen – Spektrum neuer Talente auszubrechen, und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der das Land tatsächlich sozial und ethnisch vielfältiger wird, nicht weniger. In einer Hauptstadt mit der größten sozialen Vielfalt des Landes wirken die hier konzentrierten Schauspielschulen zunehmend losgelöst von genau jener Gesellschaft, der sie zu dienen versuchen.
Und so war es auch hier. Wir hörten viele Geschichten, die aus den ganz spezifischen Leidenschaften und Sorgen dieser sozialen Gruppe gespeist waren. Im Wesentlichen ließen sie sich zusammenfassen als: „Werde ich so beliebt, erfolgreich und wohlhabend sein, wie ich es gern hätte?“ Dieser Veranstaltung beizuwohnen war, als würde man ein zweistündiges Selfie ansehen. Aber wo war das Gefühl, dass da draußen eine riesige Welt ist, die zufällig etwas weiter weg liegt als eine Armlänge? Es blieb auf frustrierende Weise schwer greifbar.
Ein Autor, der am ehesten geeignet schien, sich aus diesem erstickenden Griff der Konformität zu lösen, war Harry Style. Er fiel dadurch auf, dass er Humor besitzt und uns zum Lachen bringen kann – mitten unter so vielen Schreibenden, die offenbar darauf bedacht waren, sich selbst möglichst ernst zu nehmen, war das ungemein erfrischend. Seine Arbeit ist im Ton noch sehr „studentisch“ und geht zum Edinburgh Fringe, wo sie ein junges, studentisches Publikum im Handumdrehen amüsieren wird. Doch die handwerkliche Qualität seines Schreibens – sowohl bei Texten als auch Musik – bleibt im Gedächtnis, während er unterschiedliche Stile verarbeitet auf der Suche nach einer eigenen Stimme. Besonders erfreulich: Er verzichtete auf die beinahe allgegenwärtigen pseudoamerikanischen Akzente, die eine deprimierende Mehrheit der dargebotenen Acts annahm.
Das Problem bei Brit*innen, die wie Amerikaner*innen klingen wollen, ist: Sehr, sehr wenige bekommen das überzeugend hin. Spotlight bezeichnet diese Halbkompetenz als „General American“, als ließe sich der Klang einer Stimme mit General Motors oder General Electric vergleichen. Nun, es tut mir leid, Ihnen das sagen zu müssen, aber einen solchen Akzent gibt es nicht – außer in den zufälligen Lautäußerungen britisch ausgebildeter Darsteller*innen: US-Akzente sind alle sehr spezifisch. Sie zu faken reicht einfach nicht. Man muss sie richtig treffen. Und wenn man es nicht kann, sollte man es lassen. Und als uns dann elisabethanische Figuren mit diesem unsinnigen Sound angeboten wurden, war es kaum zu glauben. Ich meine, … warum?
Ähnlich verhielt es sich mit der hier gebotenen musikalischen Palette: Sie spielte auf Nummer sicher und folgte den Konventionen derzeit erfolgreicher Werke, geschrieben von etablierten – gefeierten – Kreativen im West End und (vor allem) am Broadway. Nur ein einziges Mal spitzten sich mir tatsächlich die Ohren, weil ich etwas wirklich Frisches und Ungewöhnliches wahrnahm – und dieser Moment kam leider erst in den Schlussakkorden der letzten Nummer von Thomas Ryalls, die plötzlich und völlig unerwartet ein paar köstlich satte, komplexe Akkorde auf uns warf, markant gegeneinandergesetzt. Dieser Effekt stach wie ein wunder Daumen aus einem Abend heraus, der von langen Wiederholungen altbekannter harmonischer Fortschreitungen und Klischees dominiert war. Man sehnte sich danach, dass diese jungen Talente auf ihre eigenen Gaben vertrauen und sich von den Stilen und Manierismen anderer lösen.
Wir werden sehen müssen, wer von ihnen das künftig tut.
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