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KRITIK: Ah Wilderness!, Young Vic, ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markludmon

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George MacKay und Dominic Rowan in Ah, Wilderness. Foto: Johan Persson Ah, Wilderness!

Young Vic

4 Sterne

In seinem Stück von 1932 Ah, Wilderness kehrt Eugene O’Neill zu vertrauten Themen wie Familienleben, Alkoholismus und gescheitertem Idealismus zurück – doch es hebt sich in seinem Werk durch eine ungewohnt leichte Handschrift und sogar Momente der Komik ab. Angesiedelt in Connecticut am 4. Juli 1906, ist es ein nostalgisches Familiendrama, das als O’Neills Neuerfindung seiner eigenen, alles andere als glücklichen Kindheit gilt – geprägt von einer distanzierten, drogenabhängigen Mutter. In Ah, Wilderness! ist die Hauptfigur, der 17-jährige Richard Miller, ungefähr in dem Alter, das der junge Eugene 1906 gehabt hätte. Doch statt einer dysfunktionalen Familie gibt es eine liebevolle, warmherzige Mutter und einen Vater, der zwar streng wirkt, im Kern aber ein Weichling ist – beide stolz auf ihren poesiebegeisterten Sohn. Der Charme des Stücks wird in einer neuen, gestrafften Inszenierung unter der Regie von Natalie Abrahami am Young Vic wunderbar eingefangen. Gleichzeitig hat sie die autobiografischen Aspekte erweitert, indem sie den Autor durchgehend auf der Bühne präsent sein lässt: David Annen beschreibt die Schauplätze der Szenen und reflektiert das Geschehen – von den Figuren unbemerkt.

Dieses Erinnerungsgefühl prägt auch Dick Birds Bühnenbild: Statt der konventionellen Innenräume des Stücks – ob Haus in Connecticut oder Bar eines Bordells – steht eine expressionistische Szenerie, die an ein verlassenes Haus erinnert, das von Sanddünen überrannt wurde. Es ist, als seien die Figuren aus einer verlorenen Vergangenheit zurückgekehrt, die sich nie wiederherstellen lässt.

George MacKay ist hervorragend als Richard: komisch in seinem Teenager-Kummer und seiner Trotzphase, wenn er Swinburne zitiert, um die Älteren zu schockieren – zugleich aber komplex und glaubwürdig in der Darstellung eines jungen Mannes, der neue Gefühle erkundet und um seine Identität ringt.

Als seine Eltern sind Martin Marquez und Janie Dee ein sympathisches Paar, das auf den rebellischen, oft überdramatischen Sohn mit einer Mischung aus Genervtheit und Nachsicht reagiert. Selbst das Gespenst des Alkoholismus wird in einer Leichtigkeit behandelt, wie man sie aus anderen O’Neill-Stücken nicht kennt: Uncle Sids betrunkene Eskapaden werden von Dominic Rowan eher als Quelle des Humors denn als Tragödie gespielt. Tante Lily, verkörpert von Susannah Wise, ist eine mitleiderregende, zugleich sehr menschliche Figur – hoffnungslos in Sid verliebt, trotz ihres Glaubens an Abstinenz. Ihre stille Resignation angesichts seines Alkoholismus bildet einen Gegenpol zu den kämpferisch-lauten Frauen, die 1906 dabei mitwirkten, die USA in Richtung Prohibition zu treiben – die 1932 bereits in den letzten Zügen lag.

Das ist eine herzerwärmende Inszenierung, voller Charme und Komik – ein Kontrast zu O’Neills moderner Tragödie Long Day’s Journey Into Night, die ebenfalls in einem Haus in Connecticut kurz vor dem Ersten Weltkrieg spielt, dort jedoch mit einer dysfunktionalen Familie und deutlich düstereren Themen. Dieser Vergleich mag Ah, Wilderness! als eines der leichteren Werke O’Neills entlarven, doch auf eine Stunde und 55 Minuten gekürzt ist es ein lebendiger, äußerst kurzweiliger Abend, der eine andere Seite eines der bedeutendsten Dramatiker Amerikas zeigt. Ah, Wilderness ist am Young Vic bis zum 23. Mai 2015 zu sehen. Hin und wieder sind sich zwei unserer Kritiker bei einer gesehenen Produktion nicht einig. Lesen Sie Stephen Collins’ Kritik zu Ah, Wilderness! für eine alternative Sicht auf die Inszenierung. Lassen Sie uns wissen, was Sie denken, falls Sie die Produktion gesehen haben.

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