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REZENSION: Beautiful, Aldwych Theatre ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Katie Brayben und Carole King in Beautiful. Foto: Brinkoff Mogenberg Beautiful: Das Carole King Musical

Aldwych Theatre

25. Februar 2015

5 Sterne

Aus theatralischer Sicht gibt es kaum etwas Erleseneres als ein Musical, das perfekt besetzt ist – wenn Menschen nicht nur optisch ideal zur Rolle passen, sondern genau so spielen, singen und tanzen können, wie es Partitur und Buch verlangen. Wenn Talent und Können die Kriterien sind – und sonst nichts. Heutzutage kommt es selten vor, dass Musical-Ensembles, besonders bei neuen Stücken, mit einer derart außergewöhnlichen Besetzung aufwarten. Aber wenn es gelingt, wirkt es berauschend. Eben wunderschön. Beautiful.

Aktuell ist im Aldwych Theatre Beautiful: Das Carole King Musical zu sehen. Mit einem Buch von Douglas McGrath und Songs von King, Gerry Goffin, Cynthia Weil und Barry Mann ist diese hinreißende Feier der Zusammenarbeit dieser vier Songwriter*innen – und ihrer Leben – ein uneingeschränktes Vergnügen. Die originale Broadway-Produktion, die zwei Tony Awards gewann, feierte am 12. Januar Premiere und läuft weiterhin stark: Stephens Kritik zur Broadway-Produktion lesen

So großartig diese Produktion auch war – diese West-End-Version ist in jeder Hinsicht besser und stärker.

Ein klarer Vorteil gegenüber dem Broadway ist der Spielort. Das wunderschöne, intimere Innere des Aldwych bietet einen warmen, nostalgischen Rahmen für das Stück und passt perfekt. Irgendwie wirken Bühnenbild und Kostüme hier stimmiger, mehr zuhause, eindringlicher – in diesem grand old theatre.

Das pulsierende, majestätische und leuchtende Herz dieser Inszenierung ist Katie Braybens makelloser, strahlender und rundum triumphaler Auftritt als Carole King. Brayben trifft Gefühl, Klang und Erscheinung von Carole King vollkommen authentisch und mit großer Resonanz – sie wirkt wie die natürliche Frau.

Besonders stark ist, wie Brayben Kings Entwicklung als Autorin und Interpretin nachzeichnet und dabei die Selbstzweifel und Unsicherheit sichtbar macht, die neben ihren unbestreitbaren kompositorischen Fähigkeiten (Text und Musik) standen. Mit dem Verlauf der Geschichte wächst ihr Selbstvertrauen; fein austariert und perfekt umgesetzt liefert Brayben eine Darstellung von unglaublicher Detailgenauigkeit.

Ihr Gesang ist schlicht sensationell. Rau und zögerlich, wenn es sein muss, an entscheidenden Stellen durchzogen von tief empfundenem Schmerz – und dann triumphal, entspannt und souverän in den Carnegie-Hall-Szenen. Es ist einfach großartig, Brayben zu hören, wie sie Nummern wie One Fine Day, It’s Too Late, (You Make Me Feel Like) A Natural Woman und den Titelsong Beautiful aus dem Stadion schießt. Brayben fängt das Wesen von Carole Kings einzigartigem Stil komplett ein – verblüffend.

Auch schauspielerisch ist sie überragend: selbstbewusst, fokussiert und mit einer mitreißenden Präsenz, die vor Vitalität, Hoffnung und Entschlossenheit sprüht. Die echten Bindungen zwischen ihrer King und Kings Umfeld sind klar und lebendig gezeichnet – vollkommen glaubhaft. Großzügig und zugleich bestimmend: Braybens Darstellung der King ist in jeder Hinsicht erstaunlich gut. Sie ist ein West-End-Star – ohne Frage. Gänsehaut, herzzerreißend und unglaublich beglückend. Wenn in der nächsten Saison die Awards wieder anstehen, wird Brayben eine echte Konkurrenz für Imelda Stauntons Mama Rose sein.

Alan Morrissey ist Brayben eine großartige Stütze als der nervöse, lüsterne, untreue Mann in Kings Leben: Goffin. Groß, gut aussehend und zuckend vor Unruhe liefert er eine punktgenaue Leistung, in der jedes Detail sitzt: das Drehen am Ehering, die Nervosität, das Gefühl klaustrophobischer Übelkeit, die Leichtigkeit, mit der er andere Frauen verführt, der (gescheiterte) Versuch, ein besserer Mensch zu sein, das Zucken im Gesicht. Es ist eine wunderbar vollständige Darstellung – und Morrissey macht klar, warum King bereit war, Goffins Untreue zu ertragen.

Stimmlich überzeugt er ebenfalls, auch wenn er nicht so viel Raum zum Singen bekommt wie die anderen Hauptfiguren, und sein Duett mit Brayben, Take Good Care Of My Baby, ist eine Freude. Unheimlich sympathisch und doch fatal fehlerhaft – Morrisseys Goffin ist wirklich großartig.

Auch wenn es Beautiful: Das Carole King Musical heißt, geht es gleichermaßen um Cynthia Weil und Barry Mann – Kollaborateur*innen, die zugleich Rival*innen und beste Freund*innen von King und Goffin waren. Die Geschichte ihrer Musik und ihrer Liebe kontrastiert Kings Story und harmoniert zugleich mit ihr. Lorna Want ist als Weil frech, sexy und unwahrscheinlich geschniegelt und belebt jeden Moment, in dem sie auftritt. Sie singt mit Reinheit und Kraft, ihr Klang ist üppig und sinnlich. Und sie ist sehr komisch – scharf wie Batteriesäure. Ihr Happy Days Are Here Again ist pures Glück, ebenso der Moment, in dem sie begreift, dass sie ihren Mann tatsächlich heiraten will.

Ian McIntosh ist ein reiner Genuss als dieser Mann – der süße Hypochonder mit einem Händchen für eingängige Melodien und schlagfertige Sprüche. Groß, ein wenig schlaksig, aber mit einem gewinnenden Lächeln und frischem, gutem Aussehen, ist McIntosh zugleich nerdig und absolut souverän. Seine totale Hingabe an Weil vermittelt er mit spielender Leichtigkeit. Er hat eine richtig kräftige Stimme, und Walking In The Rain (mit Weil) sowie We Gotta Get Out Of This Place waren echte Höhepunkte an einem Abend ohne Tiefpunkte.

Gary Trainor ist als gewiefter Aufnahme-Supremo Don Kirschner trockener als James Bonds Martini. Sarkastisch und gerissen, aber nicht boshaft oder gefühllos, verkörpert er die Business-Seite des Showbusiness auf sehr menschliche Weise. Und sein kleiner Part im Quartett You’ve Got A Friend mit Brayben, Want und McIntosh ist ebenso warm und glücklich wie komisch.

Als Kings Mutter – die stets gefasste, aber gegen ihren Ehemann ankochende Genie – ist Glynis Barber eine überraschend große Freude. Sie trifft die träge Wut und die straffe Kontrolle der Figur ebenso wie den sehr spezifischen Akzent. Außerdem ist sie witzig – und in jeder Hinsicht stilvoll.

Zusammen sind diese sechs Darsteller*innen eine unschlagbare Kombination: Jede*r bringt Einsicht und Klarheit in die Geschichte von King, ihren Freund*innen und ihrer Musik. Doch sie sind nicht allein: Das hier versammelte Ensemble sprüht vor Talent.

Vivien Carter ist in Topform als Marilyn Wald, die Sängerin, die von King gefördert wird – und mit der Goffin eine Affäre hat. Die Szene, in der King die Affäre entdeckt, hätte aus Walds Perspektive leicht nichts sein können, doch Carter macht jede Sekunde bedeutend; das Ergebnis: die Szene knistert vor Spannung. Auch stimmlich hat sie viel Power – Pleasant Valley Sunday besonders. Joanna Woodwards Betty ist punktgenau getroffen, und Dylan Turner leistet hervorragende Charakterarbeit in einer Reihe von Rollen, darunter ein witziger Neil Sedaka und ein eiskalter Nick. Lucy St. Louis ist fantastisch als Babysitterin, die als Little Eva mit The Loco-Motion die Welt erobert – ebenso Tanisha L. Spring, ein Energiebündel mit voller Kraft in Stimme und Präsenz als Janelle.

Danielle Steers, Tanya Nicole-Edwards, Jay Perry, Terel Nugent, Oliver Lidert und Fela Lufadeju vervollständigen die Besetzung – jede*r singt mit Verve und Stil, spielt mehrere Figuren, tanzt mühelos und mit Zeitkolorit, und alle sind durchweg einfach genau richtig. Und sie sind alle auch Individuen, mit eigener Ausstrahlung; keine Wurstfabrik aus „richtiger Look“-Unsinn. Talent – jede Menge davon – in allen Formen, Größen und Farben. Wunderschön zu sehen.

Marc Bruni führt mit viel Esprit und Charme Regie. Das Tempo lässt nie nach: Von einem sensationellen Hit zum nächsten geht es voran, mit Witzen, Trauma und Triumph auf dem Weg. Josh Princes Choreografie funkelt, lebt vom Rhythmus und vom Puls einer längst vergangenen Zeit. Derek McLanes Bühnenbild funktioniert mühelos – und zusammen mit Alejo Viettis großartigen Kostümen und Peter Kaczorowskis prächtigem Licht entsteht eine Farb- und Ortswelt, in der die Geschichte als reiches Gewebe erzählt werden kann. Sehr passend.

Alles an dieser Produktion wirkt frischer, hübscher und lebendiger als am Broadway. Es ist ein Fest für Augen und Ohren, und wenn es vorbei ist, ist das Hochgefühl unwiderstehlich. Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Musicals mich nach dem Schlussapplaus dazu verleitet haben, zum letzten Tune mitzutanzen – aber diese Show gehört dazu. Und im Zentrum steht die phänomenale Katie Brayben.

Das ist die Art Musical, die man jede Woche sehen könnte, ohne die investierte Zeit oder das Geld zu bereuen. Grundlegend großartig und perfekt ausgeführt.

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