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KRITIK: Cats, London Palladium ✭✭✭

Veröffentlicht am

30. Oktober 2015

Von

timhochstrasser

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Die Besetzung von Cats. Foto: Alessandro Pinna Cats

London Palladium

27/10/15

3 Sterne

Karten buchenEs ist eher ein Erlebnis als ein Musical. Menschen, die die Show zum ersten Mal sehen, können kaum genau benennen, was es eigentlich ist. Sie hatten einfach eine wunderbare Zeit.“ – Cameron Mackintosh

1981 galt Cats keineswegs als Selbstläufer – Trevor Nunn war für Shakespeare bekannt, nicht für Musicals, Cameron Mackintosh hatte seinen großen West-End-Erfolg noch vor sich, T. S. Eliots Arbeit fürs Theater führte in ganz andere Richtungen, und Lloyd Webber schlug ein Musical vor, das im Grunde durchkomponiert ist, ohne Dialoge und mit kaum mehr als einem Hauch von Handlung. Und doch ließ sich Cats auf eine Weise, die bis heute nicht vollständig zu erklären ist, nicht mehr aufhalten. Allein in London lief es einundzwanzig Jahre am Stück; diese zwinkernden gelben Augen leuchteten bald rund um den Globus – wie auf jenen Satellitenfotos der nächtlichen Lichter der Erde.

Wie wirkt dieses Phänomen der 1980er heute? Jetzt, da die Wiederaufnahme von 2014 für eine eher kurze Spielzeit ins Palladium zurückgekehrt ist, bekommen wir eine neue Gelegenheit zur Einordnung. Es gibt zwangsläufig einige Umbesetzungen, doch im Kern ist es dieselbe Produktion, die Stephen Collins vor fast einem Jahr besprochen hat. Viele seiner damaligen Punkte gelten weiterhin, allerdings hat sich in der Zwischenzeit auch einiges abgenutzt.

Beverley Knight als Grizabella in Cats. Foto: Alessandro Pinna

Als Erstes: Die Show passt ganz natürlich ins Palladium. Zwar lässt sich das „Theatre-in-the-round“ der Originalproduktion hier nicht nachbilden, doch es gibt nach wie vor viele Momente, in denen die Katzen ins Publikum ausbrechen und sich in den Gängen ein- und ausfädeln. Frank Matchams großzügige Sichtlinien in diesem wunderschönen alten Haus sorgen dafür, dass alle gut sehen und mitten im Geschehen sind. John Napiers berühmtes Bühnenbild verwandelt Müll in Glitzer, sodass man kaum merkt, wo der Abfall endet und die Logen im ersten Rang beginnen. So werden alle schon vor Beginn der Handlung – und in der Pause (wenn Old Deuteronomy für die Kinder auf der Bühne bleibt) – zu einer gemeinsamen Gemeinschaft zusammengeführt.

Das Orchester, erneut unter der Leitung von Graham Hurman, ist ein beeindruckendes Ensemble: präzise zusammen, mit einigen virtuosen Soli, besonders bei den Holzbläsern, die zudem viele klangvolle, feine, stimmungssetzende Momente zu gestalten haben. Die Qualität der Band sorgt für ein absolut solides Fundament für die aufwendig choreografierten Nummern. Beim „Jellicle Ball“ möchte man, dass ein Höhepunkt den nächsten übertrifft – und dank des Timings von Dirigent und Musikern war das auch so. Die einzige Kritik – und sie ist erheblich –: Während der gesamten ersten Hälfte war der Ton entsetzlich überverstärkt. In der Pause wurde zwar nachjustiert, aber da war der Schaden bereits angerichtet.

Das wog umso schwerer, weil die erste Hälfte – ja, die Show insgesamt – inzwischen schlicht zu lang geworden ist. Mit nun zwei Stunden fünfzig Minuten (inklusive Pause) gibt es Stellen, an denen das Material seine Wirkung überstrapaziert, besonders in der Einführungssequenz und bei der „Battle of the Pekes and Pollicles“, die beide wirklich von einem beherzten Schnitt profitieren würden. Deutlich knackiger war der zweite Akt: abwechslungsreicher, in sich geschlossener, und musikalisch schlicht stärker – mit weniger Abhängigkeit von jenem endlos wiederholten, abwärts fallenden arpeggierten Motiv, das anderswo so dominant ist.

Da es abgesehen von der Vorankündigung von Macavitys späterem Auftauchen und der Geschichte von Grizabella kaum Handlung gibt, hängt enorm viel an der Flüssigkeit der Regie sowie an Vielfalt und Glanz der Tanznummern. Sowohl Trevor Nunn als auch Gillian Lynne haben ihre Arbeit noch einmal aufgegriffen, und größtenteils entfaltet sich alles immer noch so gut wie früher. Erneut fällt mir auf, wie klassisch geprägt die Choreografie ist – und wie anspruchsvoll sie damit für die Darstellerinnen und Darsteller wird. Für Näherungswerte ist hier kein Platz, und die Compagnie verdient großes Lob für ihre professionelle Bravour in dieser Hinsicht.

Trotzdem habe ich ein paar Vorbehalte. Vielleicht spukt mir In the Heights noch im Kopf herum, aber ganz ehrlich: Die Rap-Einlage für Rum Tum Tugger wirkt im Vergleich zu dem, was heute anderswo erreicht wird, ziemlich zahm – und der Text ist nach wie vor nur stellenweise verständlich. Außerdem wird mir nach vielen Jahren Abstand klar: Bei aller im Tanz und in der Regie eingefangenen Katzenhaftigkeit fehlen andere Möglichkeiten – sanftere, schlendernde, schleichende Bewegungen. Ja, wir sind auf einer Müllkippe, bei verwilderten, nicht bei Stubentigern – aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir nur einen Teil des Bildes bekommen, wenn auch einen sehr direkten und höchst aufregenden.

Die Chancen zur Charakterzeichnung der einzelnen Katzen und zum Heraufbeschwören von Erinnerungen (anders als „Memory“) werden größtenteils gut genutzt. Die schauspielerischen Ehren gebühren hier vor allem Paul F Monaghan, der die Verantwortung für Bustopher Jones (hier wie Diaghilev in der Pracht der „Ballets Russes“), Gus the Theatre Cat und Growltiger trägt. Drei stark kontrastierende Rollen – und Monaghan bringt, je nach Bedarf, Pomposität, Würde, Pathos und mitreißende Energie in jede einzelne. Diese Szenen sind echte Höhepunkte, und es war eine besondere Freude, die köstliche italienische Opernparodie in „Growltiger’s Last Stand“ wieder dabei zu haben statt der Ballad of Billy McCaw. Wenn Lloyd Webber uns über die Jahre doch nur ein paar mehr solcher Spitzen bissiger musikalischer Satire geschenkt hätte…..

Matt Krzan als Munkustrap in Cats. Foto: Alessandro Pinna

Adam Linstead hatte als Old Deuteronomy eine beeindruckende vokale Präsenz, doch ich fand, er hätte – trotz der Einschränkungen durch den „Yeti-Anzug“ – intensiver mit dem restlichen Ensemble interagieren können. Hervorragend war Matt Krzan, der als Munkustrap gewissermaßen der unbesungene Impresario des ganzen Geschehens ist. Die tänzerischen Starauftritte von Mistoffelees und Skimbleshanks wurden von Mark John Richardson und Evan James gleichermaßen mit Bravour erledigt, und der ginger-punkige Macavity (Javier Cid) wurde seinem Ruf als „Napoleon des Verbrechens“ erwartungsgemäß gerecht (im besten wie im schlimmsten Sinne). Es gab viele sorgfältig ausgearbeitete und gesungene Cameos – in einer Produktion, die die Rollen sehr demokratisch verteilt.

Die größte Enttäuschung war Beverley Knights Grizabella – ein weiteres Beispiel dafür, dass man eine Sängerin in eine Rolle besetzt, die, wenn sie funktionieren soll, vor allem gut gespielt sein muss. Knights Bewegung über die Bühne wirkte zögerlich und wenig mitteilend, und – überraschender noch – sie machte aus „Memory“ lange Zeit wenig, bis sie in der letzten Wiederholung schließlich loslegte. Das rief zwar starke Zustimmung beim nach Soul dürstenden Publikum hervor, doch es kam zu spät, um das Vorangegangene zu retten. Irritierenderweise wurde sie an praktisch jeder Stelle von Jemima (Tarryn Gee) gesanglich übertroffen, die durchgehend ausgezeichnet war.

Was diese Show am Ende trägt, sind der Tanz und die einzelnen Charakterzeichnungen, präsentiert als Reihe halb-operatischer Szenen. Diese Qualitäten sind weiterhin vorhanden – und solange das so bleibt, wird die Produktion gefallen. Jule Styne sagte einmal über Cats: „Man könnte jedes Lied außer ‚Memory‘ wegwerfen, und es würde keinen Unterschied machen.“ Zu hart? Vielleicht … aber ganz unrecht hatte er nicht. Es sind Choreografie und Figuren, die man mit nach Hause nimmt.

Das Publikum an der Pressevorstellung – mit ebenso vielen geschminkten Erwachsenen wie Kindern – liebte es. Wenn Sie einen verlässlichen Theaterabend suchen, bei dem das ganze Repertoire des Musical-Handwerks zu sehen ist, werden Sie nicht enttäuscht sein.

Cats läuft bis zum 2. Januar 2016 im London Palladium. Jetzt buchen!

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