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KRITIK: Dirty Rotten Scoundrels, Birmingham (auf Tournee) ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Dirty Rotten Scoundrels
New Alexandra Theatre, Birmingham (anschließend auf Tour)
4 Sterne
In Beaumont-Sur-Mer an der französischen Riviera ist Saison – und für den charmanten Hochstapler Lawrence Jameson, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, wohlhabenden Damen ihr Geld aus der Tasche zu ziehen, beginnt das Spiel. In diesem Jahr könnte es allerdings spannend werden: Freddy Benson, ein junger, vorlauter Amerikaner, taucht auf und bringt das bisherige Gleichgewicht ins Wanken. Nach einem Versuch, gemeinsame Sache zu machen, folgt ein Feuerwerk an Komik, denn beide wollen eine Wette gewinnen, die den Verlierer dazu zwingt, die Stadt zu verlassen.
Eine klassische Filmvorlage zu adaptieren ist oft heikel – doch David Yazbek und Jeffrey Lane haben eine spritzige, dynamische Partitur geschaffen, gespickt mit köstlich komischen Momenten. Yazbeks Songs tragen einen Hauch von Pastiche, der in Kombination mit Lanes messerscharfem, komödiantischem Buch das Publikum schier aus den Sitzen riss.
Entscheidend für den Erfolg von Dirty Rotten Scoundrels ist die Beziehung auf der Bühne zwischen Jameson (Michael Praed) und Benson (Noel Sullivan). Zwischen den beiden stimmt die Chemie sofort – man hat das Gefühl, sie haben noch mehr Spaß als wir im Zuschauerraum, und das ist ansteckend. Diese Chemie fehlte in der West-End-Produktion; diese Tourneeproduktion hat sie in Hülle und Fülle – und noch einiges mehr.
Praed und Sullivan dabei zuzusehen, wie sie ihre Coups in Nummern wie All About Ruprecht und Ruffhousin’ Mit Shuffhausen durchziehen, ist ein echtes Vergnügen. Beide haben ein makelloses komisches Timing und sind außerdem mit großartigen Stimmen gesegnet, die perfekt zu Yazbeks Partitur passen. Jeder gute Betrüger braucht gute Opfer – und Dirty Rotten Scoundrels hat gleich drei der besten. Als Jolene Oakes, eine Erbin aus Oklahoma, bringt Phoebe Coupe mit Oklahoma? die Bühne zum Leuchten – eine Nummer, die mit frenestischer Energie auftrumpft, während Jolene erklärt, was nach der Hochzeit für Jameson auf dem Programm steht. Ein herrlich ausgelassenes Spektakel: Jolene beschert Jameson einen Moment des blanken Entsetzens, als sein Plan in atemberaubendem Tempo aus dem Ruder läuft.
Carley Stenson ist den beiden abgebrühten Gaunern in jeder Hinsicht ebenbürtig. Als Christine Colgate ist sie das perfekte Ziel – doch diese liebenswerte Dame hütet ein Geheimnis. Stenson ist stimmlich in Topform und glänzt, während sie sich von Jameson und Benson einwickeln lässt.
Geraldine Fitzgerald spielt Muriel Eubanks – eine elegante Dame, die um die Welt reist, ihren Platz sucht und nach Liebe Ausschau hält. Schon bei ihrem ersten Auftritt kann man Muriel nur ins Herz schließen; man hat den Eindruck, sie weiß genau, dass man versucht, sie übers Ohr zu hauen – und trotzdem ist sie noch da. Fitzgeralds Muriel besitzt eine feine Zerbrechlichkeit, gepaart mit einem Gefühl des Verlorenseins, das sie zu einer der interessantesten Figuren dieses Schwindels macht.
Die Besetzung von Mark Benton als André Thibault, Jamesons rechte Hand, ist ein Volltreffer und eröffnet der Rolle eine deutlich komischere Interpretation – wovon die Show enorm profitiert. Seine Szenen im zweiten Akt mit Fitzgeralds Muriel ließen das Publikum nach mehr verlangen. Benton hat ein untrügliches Gespür für Pointen und setzt es an entscheidenden Stellen mit verheerender Wirkung ein. Großartig!
Scoundrels verfügt über ein fleißiges Ensemble, das diesem köstlichen Musical das i-Tüpfelchen aufsetzt. Als Hotelpersonal, Diener, Hausangestellte, Gesellschaftstypen, Matrosen und diverse wohlhabende Urlauber sorgt das Ensemble für eine beeindruckende Leichtigkeit im Ablauf und verdient höchstes Lob.
Jerry Mitchell hat als Regisseur und Choreograf eine verführerische Mischung geschaffen – gleichermaßen geschniegelt inszeniert wie urkomisch. Es gibt keinen einzigen Durchhänger in diesem Scoundrels: Die Show sprudelt wie französischer Champagner und ist ein wahres Vergnügen. Mitchell, Yazbek und Lane haben aus einem Klassiker einen Musicalklassiker gemacht – und ihn dabei sogar noch verbessert.
Matthew Brind steuert zusätzliche Orchestrierungen und Arrangements bei, und unter der Leitung von Musical Director Ben Van Tienen knistert die Show vor Leben und unglaublicher Energie. Dazu trägt auch das kristallklare Sounddesign von Paul Groothuis und Tom Marshall bei. Es war eine Freude, jedes Wort dieser großartigen Partitur zu verstehen.
Peter McKintosh hat eine beeindruckende Bühne geschaffen, auf der unsere Scoundrels ihre Spielwiese finden. Sie verwandelt sich mühelos von Szene zu Szene – stilvoll, immer der Handlung dienend und niemals ablenkend. Seine Kostüme sind perfekt auf Figuren und Schauplatz abgestimmt: voller Stil und mit reichlich Panache – sowie einer passenden Portion Geschmacklosigkeit für Benson.
Dirty Rotten Scoundrels ist ein rundum gelungener Theaterabend. Es ist purer Spaß – und ich bezweifle, dass jemand das Theater verlassen kann, ohne einen großartigen Abend voller Lacher gehabt zu haben. Wer die Show im West End gesehen hat, sollte sie sich noch einmal anschauen: Man könnte überrascht sein, wie gut diese Produktion ist. Diese Bande klassischer Gauner kommt in ein Theater in Ihrer Nähe – und es wäre verrückt, sich kein Ticket zu sichern und ihre Eskapaden zu genießen. Aus dem Filmklassiker ist nun ein Musicalklassiker geworden!
TICKETS FÜR DIRTY ROTTEN SCOUNDRELS BUCHEN
PS: Glückwunsch an das Front-of-House-Team im New Alexandra Theatre – die zweisprachigen Publikumsansagen und der großartige Service im Zuschauerbereich haben meinen Theaterabend wirklich bereichert.
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