NACHRICHTEN
KRITIK: Anweisungen für amerikanische Servicemen in Großbritannien, Jermyn St Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
sophieadnitt
Share
Anweisungen für amerikanische Soldaten in Grossbritannien
Jermyn Street Theatre
5. Juli 2017
Vier Sterne
Beim Heulen der Sirene zum ersten Akt braucht es nicht viel Fantasie, um sich das im Souterrain gelegene Jermyn Street Theatre als passenden Schutzraum während der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs vorzustellen. Umso stimmiger wirkt es, dass Instructions for American Servicemen in Britain – ein rasantes, witziges und oft herrlich hektisches Stück über kulturelle Unterschiede – genau hier zu sehen ist. Grundlage ist ein staatliches Merkblatt, das neu angekommenen GIs helfen sollte, sich an die britische Lebensart zu gewöhnen.
Wir schreiben das Jahr 1942, und das verschlafene englische Dorf Nether Middleton ist von den Bewohnern des amerikanischen Luftwaffenstützpunkts praktisch übernommen worden. Es ist der Morgen nach ihrer ersten chaotischen Nacht in England: Sie haben sich mit den Einheimischen geprügelt, mehrere Schrebergärten verwüstet, den örtlichen Polizisten weggesperrt und die Katze des Pfarrers verjagt. Das Publikum schlüpft in die Rolle der zurechtgewiesenen Soldaten – mit reichlich Gelegenheit, Vorschläge hineinzurufen und Fragen zu beantworten. Das heisst auch: Wer mutig genug ist, in der ersten Reihe zu sitzen, sollte damit rechnen, ordentlich aufgezogen zu werden – und zwar ziemlich oft!
Auftritt: der örtliche Armeemajor Randolph Gibbons (Matt Sheahan) mit einer Botschaft vom Oberkommando. Das gesamte Lager wird als Strafe für die Eskapaden der vergangenen Nacht abgeriegelt – es sei denn, die Yanks entschuldigen sich und absolvieren im Schnellkurs „englisches Leben“. Viel Wahl scheint es nicht zu geben, auch wenn Colonel Attwood (Dan March), der laute, stolze und arrogante amerikanische Anführer, das für völlig unnötig hält – wie seine Stippvisite (und urkomisch falsche) Demonstration der britischen Geografie eindrucksvoll beweist.
Zwischen Gibbons und Attwood versucht Lieutenant Eugene Schultz (James Millard) zu vermitteln. Er sprudelt vor Ideen (nicht alle davon gut), wie die sehr unterschiedlichen Nationen zur Zusammenarbeit gebracht werden könnten. Gemeinsam versuchen die drei, dem Publikum unter striktem Zeitlimit alles beizubringen, was sie wissen – denn Winston Churchill persönlich ist auf dem Weg, die Truppen zu besuchen, und will sehen, dass alle miteinander auskommen.
Abgedeckt wird eine breite Themenpalette – vom leicht verwirrenden Währungssystem bis hin zur Frage, wie man sich in einem britischen Pub angemessen verhält. Die Show ist herrlich albern, mit einer Portion Slapstick und derbem Ekelhumor, der zum Glück nie zu weit getrieben wird. Wie es bei Comedy oft der Fall ist, wird mitunter auf Klischees gesetzt, aber die besten Lacher kommen aus den subtileren Momenten: Attwood und Gibbons liefern sich grandiose giftige Seitenhiebe, und Schultzs schamlose Wortspiele werden durch seine ansteckend beschwingte Art noch komischer. Das Bühnenbild ist schlicht, erschafft aber mit ein paar gezielt eingesetzten Requisiten wirkungsvoll die Welt des Stücks – Karten, Baupläne und unter anderem ein Porträt von König George.
Sheahan, March und Millard – alias das Comedy-Trio The Real MacGuffins – schlüpfen mit furchtlosem Elan in die unterschiedlichsten Rollen, frotzeln mit dem Publikum und halten das Tempo konstant hoch. Neben einigen stöhnenswerten Kalauer stehen erstaunlich clevere Pointen und ein paar politische Spitzen, die heute noch verblüffend aktuell wirken. Alle drei beherrschen die kleinen Nebenbemerkungen und Zwischenrufe gekonnt, und bei aller Stichelei gegen amerikanische wie englische Eigenheiten wirkt es nie wie ein unfairer Angriff auf eine Seite. Auch die Akzente sitzen: March und Millard zaubern klar unterscheidbare regionale Färbungen hervor, und Sheahans prägnant-britischer Tonfall könnte direkt aus einem Aufklärungsfilm jener Zeit stammen.
Dazu gibt es einige köstlich doofe Zwischenspiele, darunter ein viel zu kurzer Ausflug in die „Nazi-Spionageschule“, wo zwei trottelige Rekruten ihre ganz eigenen Probleme haben, britische Sonderbarkeiten zu durchschauen. Die Publikumsbeteiligung zieht sich konsequent durch den Abend und gipfelt in einem wunderbar transatlantischen Tanzfinale.
Als liebevolle Parodie garantiert Instructions for American Servicemen in Britain Lacher und Nostalgie im Überfluss.
Bis 29. Juli 2017
TICKETS BUCHEN FÜR INSTRUCTIONS FOR AMERICAN SERVICEMEN IN BRITAIN
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie