NACHRICHTEN
KRITIK: Portia Coughlan, Old Red Lion Theatre ✭✭
Veröffentlicht am
Von
Leitartikel
Share
Portia Coughlan
Old Red Lion Theatre
1. Mai 2015
2 Sterne
Rezension von James Garden
Damit ein Thriller wirklich funktioniert, muss er Spannung aufbauen. Denken Sie daran, wie wenig man in Der weiße Hai den Hai tatsächlich sieht – und wie groß der Schock ist, wenn er endlich auftaucht. Oder das Alien in, nun ja, Alien. Oder, um ein Bühnenstück zu nehmen: wie spät im Stück wir der Frau in The Woman in Black tatsächlich begegnen. In Portia Coughlan, derzeit im Old Red Lion Theatre, fehlt dieser grundlegende Spannungsaufbau. Wenn in der Eröffnungssequenz eine Frau – von Susan Stanley recht überzeugend gespielt – sich mit extremen Schmerzen an den Bauch klammert, begleitet von den laut klagenden Passagen aus Dvořáks Cellokonzert (von vielen Musikwissenschaftler:innen als Inbegriff des Cellokonzerts betrachtet), ist es ziemlich schwer, von einer derart intensiven Ausgangslage aus noch weiter zu steigern.
Und diese Inszenierung tut es auch nicht. Der Weg hin zur großen Enthüllung des Textes ist schlicht kein Aufbau, weil auf der Bühne von Anfang an alle schon am äußersten Anschlag spielen – mit der möglichen Ausnahme von Portia Coughlans Ehemann, den Ben Mulhern hervorragend verkörpert. In anderen Produktionen hat Susan Stanley große Bandbreite gezeigt; hier wirkt es jedoch – auch im Vergleich zu den übrigen Darstellungen, die insgesamt recht statisch erscheinen – eher wie eine Regieentscheidung von Bronagh Lagan als wie die Wahl einzelner Schauspieler:innen.
An den einzelnen Leistungen gibt es wirklich nichts auszusetzen – jede:r Schauspieler:in hat eine vollständig ausgearbeitete, dreidimensionale Figur mit ausgezeichnetem komödiantischem Timing geschaffen. Doch die Gesamtenergie des Abends bleibt erstaunlich zäh, was umso ironischer ist, wenn man die Fluss-Anspielungen bedenkt, die Marina Carrs Text durchziehen.
Ein Beispiel dafür ist der Geist, der gefühlt alle fünf Minuten das berühmte Lied „She Moved Through The Fair“ anstimmt. Dieser Moment wirkt jedes Mal exakt gleich, wenn er wiederkehrt – das ist vor allem ein Problem der szenischen Umsetzung. Wenn man einen Augenblick wiederholt, muss er jedes Mal etwas hinzufügen, damit sich Spannung aufbauen kann. Beim ersten Mal funktioniert es, aber beim gefühlt 20. Mal in weniger als 90 Minuten wird es ermüdend.
Das ist schade, denn auf der Bühne scheint jede:r das Beste aus dem zu machen, was gegeben ist. Dennoch fehlt es an einer Art Dirigent:in, um dieses Konzert zu einem richtigen Höhepunkt zu führen.
Portia Coughlan läuft bis zum 23. Mai 2015 im Old Red Lion Theatre
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie