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REZENSION: Shipwreck, Almeida Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

helenapayne

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Helena Payne rezensiert Anne Washburns Shipwreck in der Regie von Rupert Goold, jetzt im Almeida Theatre.

Das Ensemble von Shipwreck am Almeida Theatre. Foto: Marc Brenner Shipwreck

Almeida Theatre

19. Februar 2019

3 Sterne

Tickets buchen Anne Washburns Shipwreck am Almeida ist ein langer Abend – und man spürt jede Minute. Rupert Goolds durchgeknallte, aber durchaus unterhaltsame Regie und die fantastischen Leistungen eines durchweg starken Ensembles geben ihr Bestes, um dem Stück Tempo zu verleihen; dennoch wirkt es bestenfalls überfrachtet und schlimmstenfalls unerquicklich wortreich und belehrend. Im Zentrum steht lose ein kenianischer Junge, der von einem weissen, christlichen US-Paar aus dem Rust Belt adoptiert wird – und die unvermeidlichen Reibungen zwischen ihnen im Trump-Zeitalter.

Fisayo Akinade als Mark in Shipwreck. Foto: Marc Brenner

Am meisten Spass macht die Synergie zwischen Jack Knowles’ Lichtdesign und Miriam Buethers Bühne. Mittelpunkt des Zuschauerraums ist ein grosser runder Tisch, der zugleich als Spielfläche dient. Darüber schwebt ein wunderschöner Lichtkranz bzw. ein Band aus Licht, das sich geschmeidig verwandelt, um das Geschehen zu unterstreichen – und in einem Moment, wenn die Drehbühne genutzt wird, verwandelt es das ganze Theater in ein riesiges, rotierendes Zoetrop.  Zu Beginn sitzen rund um den Tisch Zuschauerinnen und Zuschauer, durchmischt mit ziemlich offensichtlich platzierten Schauspielerinnen und Schauspielern, die „herumwuseln“. Ein Klischee – wohl mit der Andeutung, dass wir, das Publikum, ebenfalls Mitspielende sind und am sich entfaltenden Geschehen mitschuldig. Das Problem dieser Inszenierung ist allerdings: Sie besteht fast nur aus Geschichte – aus ernsthafter Erzählung und direkter Ansprache. Es fühlt sich an, als müssten Schauspieler TED-Talks über Politik, Trump und „Race“ halten: buchstäblich niemandes Vorstellung von einem gelungenen Theaterabend.

Tara Fitzgerald als Teresa in Shipwreck. Foto: Marc Brenner

Justine Mitchell sticht als Keyboard-Warrior hervor, weil sie den dringend benötigten Humor im Text findet. Ihr Vortrag ist trocken und ausschweifend, und sie fängt die Frustration über die Grenzen der englischen Sprache ein, wenn man über so sensible und zugleich zentrale Themen wie Identität und Rassismus respektvoll sprechen will. Khalid Abdalla liefert eine zurückgenommene Leistung als schwuler Anwalt, der seine Macht genutzt hat, um für Trump zu stimmen – trotz der Proteste und des Entsetzens seines Partners und der übrigen gebildeten, liberalen Elite. Fisayo Akinade zeichnet ein wunderschönes Porträt des adoptierten Sohnes und erkundet schmerzhaft die Entfremdung, die jemand empfinden kann, der in einer Kultur aufwächst, die oft nicht zu seiner eigenen Herkunft passt. Seine Figur macht zudem wichtige Punkte über den Unterschied zwischen seiner Erfahrung als adoptiertem Kenianer bei weissen US-Eltern und jener seiner Altersgenossen, die Nachkommen versklavter Afroamerikaner sind. Doch trotz aller Bemühungen führt der homogene Schreibstil dazu, dass alle Figuren in ein ähnliches Muster von Tonfall und Sprachgestus fallen. Später erfahren wir, dass sich dies durch die Enthüllung erklären lässt, dass alle anderen Figuren Produkte der Fantasie des Jungen sind – aber leichter zuzuhören macht es dadurch nicht.

Khalid Abdalla (James Comey) und Elliot Cowan (Donald J. Trump) in Shipwreck. Foto: Marc Brenner

Shipwreck macht mehrere treffende Aussagen, etwa: „Kunst ist viel weniger wirksam, wenn sie direkt ist“ – umso ironischer bei einem Stück, das jede einzelne Minute seiner drei Stunden moralischer Belehrung auskostet. Die völlige Überzeugungskraft des herausragenden Ensembles bewahrt dieses Experiment vor Selbstverliebtheit, und Luke Halls Projektionen vermitteln eindrücklich die Plage und die sofortige Befriedigung der sozialen Medien, wo die meisten von uns lieber kampagnisieren und von der Seifenkiste aus reden, statt etwas Konkretes und wirklich Wirksames zu tun. Vielleicht hat Washburns groteske Darstellung Trumps in Samthose und mit goldener Körperfarbe das Publikum drüben schockiert. Hierzulande jedoch bluten die meisten, wenn man sie aufschneidet, Satire – was den beabsichtigten Höhepunkt stumpf werden lässt.

Bis 30. März 2019

TICKETS FÜR SHIPWRECK BUCHEN

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