NACHRICHTEN
REZENSION: Seite an Seite mit Sondheim, Brockley Jack Theatre ✭✭✭
Veröffentlicht am
15. September 2015
Von
danielcolemancooke
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Side by Side by Sondheim
Brockley Jack Theatre
12. September
3 Sterne
Mit Sondheim liegt man nie falsch. Als einer der grössten Künstler des Musiktheaters aller Zeiten müsste schon ein besonders inkompetenter Regisseur am Werk sein, um eine Revue seiner Songs zu verpatzen. Zum Glück ist Side by Side by Sondheim eine gut inszenierte, lebendige Produktion, die den Eintrittspreis absolut wert ist.
Die Originalfassung stammt aus dem Jahr 1976 und enthält daher nur wenig von Sondheims späterem Werk – was sich mit einem aktualisierten Skript fürs 21. Jahrhundert (inklusive Anspielungen auf die Lib Dems und die Chilcot-Untersuchung) stellenweise etwas beisst. Dennoch bleibt ein wunderbarer Fundus an Material, auch wenn die Verteilung der Songs etwas ungewöhnlich ist: Warum gibt es sieben Nummern aus dem – zugegeben grossartigen – Company, während West Side Story nur mit einem Song vertreten ist? Die Lieder sind thematisch geordnet: In der ersten Hälfte geht es vor allem um Sondheims Blick auf Ehe und Beziehungen, in der zweiten Hälfte stehen einige seiner Zusammenarbeiten mit anderen Autor*innen im Mittelpunkt.
Die Songauswahl ist stark gemischt – vertraute Klassiker stehen neben weniger bekannten Perlen. Pretty Lady aus Pacific Overtures war mir völlig unbekannt, und doch machten die hervorragenden Harmonien daraus einen der besten Momente des Abends.
Die Inszenierung ist schlicht, aber wirkungsvoll: Die Bühne ist weitgehend leer, abgesehen von ein paar Stühlen. Der Raum ist eng und intim, und das Ensemble spielt ohne Mikrofone – es fühlt sich an, als säße man bei einem (sehr talentierten) Singalong im eigenen Wohnzimmer. Begleitet wird die Besetzung von zwei fantastischen Pianist*innen, auch wenn man sich bei manchen der grösseren Nummern nach einer volleren Band sehnt.
Durch den Abend führt Musical Director Stuart Pedlar, der bereits als MD an mehreren Sondheim-Produktionen gearbeitet hat. Als Erzähler wirkte er nicht immer ganz natürlich, war aber durchweg charmant und meisterte es mit Esprit und gutem Humor. Der Offie-nominierte Anthony Whiteman hat die Nummern zudem klug choreografiert – besonders das energiegeladene Finale.
Marianne Benedict ist unter einer insgesamt sehr starken Dreierbesetzung klar die herausragende Performerin. Neben ihrer beeindruckenden Erscheinung und Ausstrahlung hat sie eine bemerkenswerte Höhe und eine sprühende Bühnenpräsenz. Ihre beachtlichen stimmlichen Qualitäten zeigte sie vor allem in Another Hundred People (Company), A Boy Like That (West Side Story) und Losing My Mind (Follies). Ausserdem legte sie einen herrlich amüsanten Auftritt als furchteinflössende Showgirl-Figur in You Gotta Get a Gimmick aus Gypsy hin.
Sarah Redmond verdient schon dafür viel Anerkennung, dass sie überhaupt auf der Bühne steht: Sie stiess erst sehr spät zur Produktion, nachdem Su Pollard erst kürzlich ausgestiegen war. Sie ist eine brillante Charakterdarstellerin und sorgt für die meisten komischen Momente des Abends – besonders als nervöse Braut in Not Getting Married Today aus Company. Auch die zungenbrecherische Komplexität von The Boy From aus The Mad Show meisterte sie bemerkenswert souverän. Allerdings war ihre Version von Send in the Clowns zwar stark gespielt, stimmlich für meinen Geschmack jedoch etwas zu zurückhaltend.
Das Trio komplettiert Grant McConvey, ein relativer Neuling. Anfangs wirkte er etwas zurückhaltend, als würde er noch etwas zurückhalten. Doch er fand schnell hinein und lieferte reife Interpretationen von Being Alive (Company) und Could I Leave You (Follies). McConvey ist ein geborener Schauspieler und absolvierte mit seinem ersten grossen Bühnenauftritt eine respektable Leistung.
Side by Side by Sondheim profitiert von hervorragendem Material und einer absolut verlässlichen Besetzung. Es ist eine warme, freundliche Produktion – perfekt für einen trüben Septemberabend.
Side By Side By Sondheim läuft im Brockley Jack Theatre bis zum 26. September 2015
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