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KRITIK: Das Phantom der Oper, Her Majesty's Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Das Phantom der Oper

Her Majesty's Theatre

12. März 2015

4 Sterne

TICKETS BUCHEN Für eine Show, die vor über 28 Jahren Premiere hatte, spielt Das Phantom der Oper noch immer vor ausverkauftem Haus – und ist in jeder Hinsicht ein Musterbeispiel, vielleicht sogar ein Höhepunkt, für magisches, opulent ausgestattetes Musiktheater. Harold Princes Regie ist nach wie vor so wirkungsvoll, präzise und detailreich wie eh und je; Maria Björnsons aussergewöhnliches Design verleiht jedem Aspekt der Erzählung üppige Pracht und eine zutiefst romantische Sensibilität; Gillian Lynnes musikalische Inszenierung, die Ballettsequenzen und das geradezu überschäumende „Masquerade“, das Akt zwei eröffnet, sind meisterhafte Leistungen. Doch im Kern des Erfolgs und der Langlebigkeit von Das Phantom der Oper – das seit dem 9. Oktober 1986 ununterbrochen im Her Majesty's Theatre läuft – stehen Charles Harts kluge Songtexte (zusammen mit denen von Richard Stilgoe) und Andrew Lloyd Webbers luxuriöse, eingängige Partitur. Trotz aller Vertrautheit bewahren Nummern wie „Music of the Night“, „Prima Donna“, „All I Ask of You“, „Masquerade“, „The Point of No Return“ und der Titelsong ihre Kraft und theatrale Schönheit. Das ist zweifellos auch dem guten Gespür des aktuellen Musical Directors James McKeon zu verdanken, der das 27-köpfige Orchester meisterhaft führt und damit ein Niveau an orchestraler Begleitung sicherstellt, von dem die meisten West-End-Musicals nur träumen können. Natürlich kann man leicht denken, jeder kenne die Show und habe ihre Geheimnisse längst gesehen. Doch wie das Matinee-Publikum um mich herum deutlich zeigte, gibt es immer noch viele Menschen, die Das Phantom der Oper noch nie live erlebt haben. Die Originalinszenierung mit der aktuellen Besetzung zu sehen, gibt Neulingen die Chance, die Wunder der Prince/Lynne-Produktion zu entdecken – und Wiederkehrern die Gelegenheit zu prüfen, ob das Stück dem Test der Zeit standhält.

Das tut es.

Auch wenn die alte Dame hier und da ein wenig knarrt, wirkt die Inszenierung größtenteils erstaunlich zeitgemäß – und fesselt vom ersten Moment an, wenn die leicht bedrohlichen Worte des Auktionators den Beginn der Versteigerung verkünden. Die Szenen im Unterschlupf des Phantoms, samt Boot, Kerzen und prachtvoller Orgel, sind nahezu hypnotisch; Rauchschwaden umschlingen die Fantasie und durchdringen Handlung und Musik mit Geheimnis. Die Spannung in „The Point of No Return“ ist glaubhaft echt, und die finalen Entscheidungen von Christine wie auch vom Phantom wirken so überraschend wie eh und je.

Resident Director Sam Hiller und Resident Choreographer Lynn Jezzard sorgen dafür, dass alles so straff und genau sitzt, wie es sein muss, damit diese Produktion jenes Drahtseil zwischen ernsthafter Romantik und derben Klamauk, auf dem sie furchtlos balanciert, sicher begehen kann. Unterstützt werden sie dabei von einer überwiegend sehr fähigen Besetzung.

Harriet Jones ist schön, zierlich und anziehend – genau so, wie Christine Daaé sein sollte. Sie ist vollkommen zuhause im Ballett-Ensemble der Opéra Populaire und vermittelt mühelos das Bild einer jungen, begabten Künstlerin, die von der Aufmerksamkeit, die man ihr schenkt, zugleich verwirrt und überrascht ist. Ihre Stimme ist in jeder Hinsicht ein Vergnügen: über den gesamten Umfang hinweg sehr ausgeglichen, mit Wärme und Farbe von oben bis unten. Ihr ausdrucksstärkstes Singen ist herrlich, und sie singt nie schief – und nie ohne Wahrheit und echtes Gefühl. „Wishing You Were Somehow Here Again“ ist pures Entzücken.

Besonders beeindruckend ist sie im zweiten Akt – sowohl in der Szene, in der Carlotta und die Direktoren sie wegen „Don Juan Triumphant“ bedrängen (eine Szene, die leicht melodramatisch und albern werden kann, was sie gekonnt vermeidet), als auch im sinnlichen, zugleich tödlichen Duett „The Point of No Return“. Harriet ist in Bestform.

Ihre Christine ist umso bemerkenswerter, weil bei der Vorstellung, die ich gesehen habe, beide männlichen Hauptrollen von Darstellern übernommen wurden, die sonst andere Rollen in der Produktion spielen. Doch dass Harriet mit Schauspielern arbeitete, mit denen sie nicht regelmässig auftritt, hatte keinerlei Einfluss auf die Qualität ihrer zentralen Leistung.

Kieran Brown, der für Gerónimo Rauch als Phantom einsprang, war in glänzender Form und begegnete der Intensität und Detailgenauigkeit von Harriets Spiel mit grosser Souveränität. Es gibt viele Wege, die Rolle des Phantoms zum Funktionieren zu bringen – und Brown hat seinen eigenen gefunden: eine kraftvolle körperliche Darstellung, katzengeschmeidig, durchzogen von Wut, von Zurückweisung geborener Trauer und rücksichtsloser Entschlossenheit. Das ist ein unheimliches Phantom – und gerade dadurch ungemein packend.

Stimmlich ist Browns feiner hoher Bariton seidig, verführerisch und kraftvoll. Er hat ausgezeichnete Kontrolle sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe, was den tiefsten Tönen echte Fülle und den höchsten Punkten einen aufregenden, kantigen Klang verleiht. Sein Zugriff, seine Energie und sein wohltönender Ton machten „Music of the Night“ zu einem echten Genuss; und seine Arbeit mit Harriet in ihren grossen gemeinsamen Nummern – dem Titelsong und „The Point of No Return“ – war hervorragend. Während Brown die fehlerhaften und mörderischen Seiten des launischen Maestros betont, zeigt er zugleich deutlich dessen zarte, verletzliche Seite. In jeder Hinsicht eine eindringliche und berührende Leistung.

Raoul ist eine sehr schwierige Rolle, die man überzeugend hinbekommen muss. Reich, gutaussehend, selbstsicher bis zur Arroganz – und doch verzweifelt in Christine verliebt: Sein Part ist ein nahezu unmögliches Balancekunststück, irgendwo zwischen charmantem Trottel und seltsamem Helden. Der Schlüssel zu einem gelungenen Raoul ist Charme; so viel Charme, dass man die Lücken und Schwächen der Figur überdecken kann.

Oliver Saville, der in Abwesenheit von Liam Tamne den Raoul coverte, bringt mehr jugendlichen Enthusiasmus als Charme mit, geht die Rolle jedoch mit einer Vehemenz an, die man eher bei Löwenbändigern erwarten würde. Er bringt Unruhe und Angst hinein, wo eigentlich Ruhe und Autorität sein sollten. Dennoch: Er sieht gut aus, seine Stimme sitzt und ist kräftig, und am besten ist er in den Szenen, die nicht von seinem Status als romantische Alternative zu Christines geheimnisvollem Lehrer leben – seine Szenen mit Madame Giry, dem Feuerwehrmann und den Direktoren sind alle gut getroffen. Mit der Gelassenheit, die ständiges Spielen erlaubt, wird Saville zweifellos in die Rolle hineinwachsen.

Die Giry-Frauen sind hervorragend besetzt. Jacinta Mulcahy ist eine wunderbar geheimnisvolle und resolute Madame – in jeder wichtigen Hinsicht französisch und eng auf Spannung, wie eine Schlange, die darauf wartet, bezaubert zu werden. Wenn sie auf der Bühne ist, fällt es schwer, jemand anderen anzusehen – so hell brennt ihre Intensität. Alicia Beck ist eine hinreissende Meg, in den Ballettsequenzen souverän und präzise, mit einer entzückenden Singstimme und einer grossartigen Bühnenpräsenz als Darstellerin.

Lara Martins ist eine aussergewöhnliche Carlotta: eine fesselnde Stimme von echter Durchschlagskraft, hell und brillant – egal auf welcher Note –, beweglich und solide gestützt. Martins’ Kontrolle als Sängerin ist aussergewöhnlich; entsprechend steht ihr Status als Supreme Diva ausser Frage – und ist höchst unterhaltsam. Ihre Charakterzeichnung sitzt perfekt: ein knochenhartes Powerpaket von hemmungsloser Lust am Auftrumpfen, aufgeblasen vor Selbstwichtigtuerei. In jeder Hinsicht köstlich.

In Stil, erstklassiger Stimme und gigantischem (und sehr komischem) Ego steht John Ellis’ Piangi Martins in nichts nach: eine Glücksbombe aus Exzentrik und hohen Cs. In den falschen Händen kann Piangi unerquicklich anstrengend sein und dem Tempo der Show schaden – hier jedoch nicht. Ellis ist perfekt als pompöser italienischer Tenor mit begrenztem Können, und die Komplexität und Detailarbeit, die er einbringt, zeigen seine eigene Klasse.

Hervorragend sind auch Philip Griffiths als Reyer/der Auktionator (wenig überraschend, da Griffiths seit 24 Jahren zur Company gehört) sowie Joseph Claus, Fiona Finsbury und David Francis als Il-Muto-Trio. Überhaupt ist das Ensemble in jeder Hinsicht grossartig – vor allem stimmlich.

Eine der nahezu unzerstörbaren Freuden von Das Phantom der Oper ist das komische Duo der Direktoren, Firmin und André. Das sind Rollen von unverfälschter Freude – und wenn sie wirklich funktionieren, funktioniert die ganze Show spürbar besser. Leider war das hier nicht der Fall. Zunächst dachte man, das Gleichgewicht stimme nicht, der komödiantische Rhythmus sei unregelmässig, weil der übliche Firmin, Andy Hockley, nicht da war und der reguläre André, Martin Ball, es nicht gewohnt war, mit seinem Cover Tim Morgan zu spielen. Doch weil es Morgan war, der die sicherere, grosszügigere Leistung bot – und Morgan, der aktiv versuchte, ein echtes Duo herzustellen –, war der erste Eindruck falsch. Leider.

Dennoch – und etwas kurios – funktionierten die beiden zentralen Direktoren-Szenen ausgesprochen gut: Die Anwesenheit anderer Figuren neben Firmin holte das Beste aus Ball heraus. Das „Prima Donna“-Septett war ein echtes Highlight, wie es sein sollte.

Da drei Hauptrollen von Personen gespielt wurden, die diese normalerweise nicht spielen, bestand durchaus die Gefahr, dass diese Vorstellung wacklig werden könnte. Doch die Stärke der aktuellen Company, die Robustheit der wesentlichen Elemente der Inszenierung, die Wucht von Partitur und Texten sowie das Können von Brown und Morgan sorgten dafür, dass die Aufführung – von kleinen Schwächen abgesehen – triumphal ausfiel.

Kein weiteres Gerede von Dunkelheit: Her Majesty's Theatre am Haymarket brennt lichterloh.

TICKETS FÜR DAS PHANTOM DER OPER BUCHEN

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