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KRITIK: Das Stück, das schiefgeht, Duchess Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

matthewlunn

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Das Ensemble von The Play That Goes Wrong. Foto: Helen Murray

Duchess Theatre

8. September 2016

4 Sterne

JETZT BUCHEN | MEHR INFOS Im Slogan als „Fawlty Towers trifft Noises Off“ beschrieben, ist The Play That Goes Wrong ein ambitioniertes Stück, das das komische Potenzial einer katastrophal misslingenden Aufführung auslotet – und den allmählichen Zerfall der geistigen Gesundheit seiner Darsteller*innen. Seit der Premiere im Duchess Theatre im September 2014 ist die Show ein ungebremster Triumph und gewann bei den Olivier Awards 2015 den Preis für die „Beste neue Komödie“. Während die ursprünglichen Mitglieder von Mischief Theatre inzwischen zu Peter Pan Goes Wrong und anschließend zu The Comedy About A Bank Robbery weitergezogen sind – derzeit im Criterion zu sehen –, haben sie ihre Reihen erweitert. Diese Vorstellung zum zweijährigen Jubiläum lag nun in den Händen der dritten Besetzung, die darauf aus war, an den phänomenalen Erfolg ihrer Vorgänger anzuknüpfen.

Das Ensemble von The Play That Goes Wrong. Foto: Helen Murray Wie bei Noises Off ist das Stück im Stück selbst eher unerquicklich – und wird von einem unerquicklicheren Ensemble gespielt. „Murder at Haversham Manor“ ist ein Produkt der Cornley Polytechnic Drama Society; ihr Vorsitzender Chris Bean (Hayden Wood) eröffnet den Abend mit einem urkomischen Monolog, in dem er sich für die Pannen der vorherigen Produktionen entschuldigt. Das setzt den Ton für eine Inszenierung, die von bizarr überzogenem Spiel, verlegten Requisiten und einem zunehmend fragilen Bühnenbild ausgebremst wird.  Es ist ungeheuer vergnüglich: eine unerschöpflich einfallsreiche Kette von Missgeschicken – und ein Ensemble, das offensichtlich genauso viel Spaß hat wie das Publikum.

Das Stück versucht, die katastrophale Aufführung mit Einblicken in die Schwächen der Truppe zu unterfüttern – gemeinsam wie auch individuell. Eine fehlplatzierte Duran-Duran-CD und ein schlecht konstruiertes Kaminsims-Teil, beide dem Publikum bereits vor Beginn präsentiert, zahlen sich großartig aus, während Spannungen hinter der Bühne dem Slapstick eine erfreuliche Tiefe geben. Besonders hervorzuheben ist das unangenehme Liebesdreieck aus dem ahnungslosen Max (Daniel Millar), Bühnenhelferin Annie (Joanne Ferguson) und Max’ vampiger Kollegin Sandra (April Hughes), wenn der Konflikt zwischen den letzten beiden auf die Bühne überschwappt. Alle drei liefern wunderbare Leistungen – geprägt von herrlich konsequenter Komik und stellenweise überraschender Subtilität. Ebenso machen die leise Tragik hinter Dennis’ (Drew Dillon) Problemen mit dem Text, Trevors (Fred Gray) halbherziger Licht- und Tonbedienung und Jonathans (Oliver Llewellyn-Jenkins) Frust darüber, seine Einsätze zu verpassen, die peinlichen Szenen nur noch komischer.

Joanne Ferguson in The Play That Goes Wrong. Foto: Helen Murray Dennoch erhalten wir – anders als bei Noises Off – kein vollständig ausgearbeitetes Gefühl dafür, wie diese Truppe im Inneren funktioniert und was jede*n Einzelne*n antreibt. Hayden Wood ist zum Beispiel ein großartig pompöser Chris Bean und trifft seinen Basil-Fawlty-artigen Zusammenbruch punktgenau; zugleich hat er aber kaum Gelegenheiten, seine Mitspieler*innen mit etwas anderem als Verwunderung oder Gereiztheit zu behandeln. Adam Byrons Robert ist brillant herablassend, humorlos und egozentrisch – mit hervorragendem Timing und bewusst pseudo-theatralischer Diktion. Doch auch wenn sein Verhalten gegenüber dem restlichen Ensemble überzeugend selbstbezogen ist, erleben wir die Auswirkungen darauf in den anderen – vermutlich ziemlich vor den Kopf gestoßenen – Darbietungen kaum mit. Das macht The Play That Goes Wrong keineswegs weniger als eine fantastisch unterhaltsame Produktion; tatsächlich ist sie thematisch zwar sehr nah an Noises Off, im Ton aber etwas anders gelagert. Das Gefühl unglücklicher Proben und der Effekt jahrelanger ambitionierter, nervöser Produktionen, auf die Chris Bean in seiner Eröffnungsrede anspielt, blitzt nur gelegentlich auf und ergänzt die Farce eher, als sie zu definieren. So können wir „Murder at Haversham Manor“ vollständig erleben – ein äußerst lohnendes Vergnügen, das in einem stärker figurenorientierten Stück womöglich nicht praktikabel wäre –, zugleich fühlt man sich hin und wieder etwas vom Geschehen entfernt.

Das Ensemble von The Play That Goes Wrong. Foto: Helen Murray Natürlich ist Ablenkung bei so vielen erfinderischen Pannen schlicht unmöglich. Der eigentliche Star von The Play That Goes Wrong ist Nigel Hooks Bühnenbild – nach außen ein funktionales, altmodisches Wohnzimmer, in Wahrheit jedoch eine rundum überzeugende Todesfalle. Jede*r Darsteller*in verdient enormen Respekt dafür, wie präzise sie dieses fein austarierte Konstrukt „bespielen“. Unter Mark Bells außergewöhnlicher Regie – allein der Schwertkampf ist den Eintritt wert – bricht das Chaos zur völligen Verblüffung der Figuren los, und doch kommt keine*r der Darsteller*innen zu Schaden. Zusammen mit kunstvoll miserabler Beleuchtung und verunglückten Toneinsätzen, die sich im Verlauf des Abends zuverlässig steigern, ist The Play That Goes Wrong wundersam und makellos präzise – ein Beweis dafür, mit welch feinen Toleranzen Schöpfer*innen von Farcen arbeiten müssen. The Play That Goes Wrong ist eine äußerst vergnügliche Show – mit einer starken neuen Besetzung und einem kunstvoll katastrophalen Bühnenbild. Angesichts dessen und der ausgeprägten Sensibilität des britischen Publikums für persönliche Peinlichkeiten – verbunden mit dem herrlich befreienden Potenzial, sie bei anderen zu beobachten – ist dem Stück eine lange Laufzeit im West End so gut wie sicher.

JETZT BUCHEN: THE PLAY THAT GOES WRONG IM DUCHESS THEATRE

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