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KRITIK: Mutter Courage und ihre Kinder, Southwark Playhouse ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

sophieadnitt

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Josie Lawrence in Mutter Courage Mutter Courage und ihre Kinder

Southwark Playhouse

7. November 2017

Vier Sterne

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Ein Stück über eine vom Krieg zerrüttete Welt, die am Rand der totalen Zerstörung taumelt, steht diesen Monat vermutlich nicht ganz oben auf der Liste für einen eskapistischen Theaterabend. In Sachen hochwertiges Theater jedoch hat das Southwark Playhouse wieder einmal geliefert – mit dieser schonungslosen, brutalen Inszenierung von Brechts großem Antikriegsstück. Der Abend startet etwas wacklig, nimmt aber richtig Fahrt auf, sobald die umherziehende Händlerin Anna Fierling (Josie Lawrence), genannt Mutter Courage, mit ihrem Wagen und ihren drei Kindern auftritt. Mutter Courage folgt dem Heer schon lange, kauft und verkauft, was sie kann, unbeirrbar entschlossen, aus der Unberechenbarkeit des Krieges Profit zu schlagen – und verliert dabei am Ende alles.

David Shelley, Josie Lawrence, Julian Moore Cook und Phoebe Vigor in Mutter Courage

Der große Saal des Theaters wurde in etwas verwandelt, das stark an ein Flüchtlingslager erinnert – mit Drahtzäunen, Planen und nacktem Boden ringsum. Das Publikum wird auf einem langen Weg hineingeführt, geleitet von ernst dreinblickenden Ensemblemitgliedern in Armee-Montur, begleitet von Explosionen und Gewehrsalven aus dem Sounddesign. Bei der Ankunft sitzt eines der Ensemblemitglieder mittig auf der Bühne, spielt mit kleinen Zinnsoldaten und ahmt kindlich die Geräusche des Konflikts um ihn herum nach. Das deutet an, dass das, was wir gleich sehen werden, am Ende vielleicht nur ein großes Soldatenspiel ist – zugleich hallt dieses Bild später im Stück nach. Ein vorübergehender Frieden tritt ein, und einige Figuren sehnen sich beinahe nostalgisch nach der Rückkehr des Krieges. Krieg ist das, was sie kennen, und sie haben ihn in ihren Köpfen verklärt, sich eingeredet, Krieg sei wünschenswerter – und profitabler – als Frieden. Als Bewältigungsmechanismus ist das vermutlich nicht einmal der seltsamste.

Julian Moore Cook und Phoebe Vigor in Mutter Courage.

Letztlich bleibt der Rahmen jedoch etwas uneindeutig. Tony Kushners Übersetzung, zuletzt am National Theatre zu sehen, verweist auf den Dreißigjährigen Krieg und verankert das Geschehen klar im 17. Jahrhundert – die Gestaltungselemente wirken dagegen deutlich zeitgenössischer. Courage und ihre drei Kinder tragen Kostüme aus sehr unterschiedlichen Epochen und Orten, und die Uniformen nutzen häufig moderne Tarnmuster. Eine Produktion, die historisch nicht so recht weiß, wo sie stehen will – und dadurch etwas orientierungslos wirkt.

Auch thematisch ist das ein schwerer Brocken. Brecht schrieb Mutter Courage 1941, nachdem er aus seinem Heimatland Deutschland geflohen war, miterlebt hatte, wie es dem Faschismus verfiel, und unzählige Deutsche zur Flucht gezwungen wurden. Diese Themen – ebenso wie die typischen brechtschen Mittel, etwa Erzählen und das Durchbrechen der vierten Wand – sind in Kushners Text weiterhin präsent. Mit knapp drei Stunden bleibt die Inszenierung zudem Brechts Vorliebe für ausgedehnte Abende treu.

Jake Phillips Head in Mutter Courage

Das Ensemble ist in seiner Qualität eine etwas merkwürdige Mischung – doch die Starken darunter sind hervorragend. Zu den herausragenden Leistungen zählen Jake Phillips Head als Courages blutdürstiger Lieblingssohn Eilif, Ivy Corbin als laute, derbe Armeegeneralin und Ben Fox als bodenständiger Koch der Truppe. Laura Checkley bewältigt die komischen wie tragischen Seiten der Prostituierten Yvette mit beeindruckend sichtbarem Talent.

Josie Lawrence in Mutter Courage

Als titelgebende Courage rechtfertigt Josie Lawrence ihre prominente Position in der Werbung des Stücks mehr als nur. Als jemand, die sich zunächst im Comedyfach einen Namen gemacht hat, brilliert sie in dieser anspruchsvollen dramatischen Rolle und reiht sich zu Recht in die Reihe großer Schauspielerinnen ein, die sie zuvor gespielt haben. Ihre Mutter Courage ist wunderbar vielschichtig – ständig hin- und hergerissen zwischen ihren geliebten Kindern, der Aussicht auf Gewinn und dem bloßen Überleben, egal um welchen Preis. Den Humor holt sie erwartungsgemäß aus dem Stoff heraus, doch am meisten beeindruckt das Ernste. Ihre Stimme hat eine herrlich satte Qualität mit großer Ausdrucksspanne, und ihr allmählicher Verfall – von der schnell redenden, schlagfertigen Verkäuferin, der wir anfangs begegnen, bis zum gebrochenen Wrack, zu dem sie wird – ist zunächst subtil und schließlich verheerend umgesetzt. Jedes Mal, wenn ihr etwas Schreckliches widerfährt, rappelt sie sich entschlossen, fast unbegreiflich, wieder auf und macht weiter. Im Kern dieser Darstellung steht eine Figur, deren verzweifelter Selbsterhaltungstrieb – und das Bedürfnis, stets alles zu hinterfragen und allen um sie herum einen Schritt voraus zu sein – ihr eigener Untergang ist.

Fast das gesamte Ensemble agiert zudem als Musiker für Duke Specials raue, aber funkelnde Songs; und es gibt einen einfallsreichen, wenn auch etwas strapazierten Einsatz von Beatbox als Soundeffekt zu Beginn jedes Akts.

Mit seinen unheimlichen Echos heutiger Schlagzeilen bietet Mutter Courage und ihre Kinder reichlich Stoff zum Nachdenken. Kommt dann noch Lawrence’ showstehlende Leistung hinzu, könnte das im November ein Pflichttermin fürs Theater sein.

Bis 9. Dezember 2017

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