Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

REZENSION: Ein Kleines Nachtmusik Konzert, Palace Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

Share

A Little Night Music: Konzert zum 40. Jubiläum

Palace Theatre

26. Januar 2015

4 Sterne

Es ist oft leicht, den bedeutenden Beitrag zu übersehen, den Stephen Sondheims Weggefährten zu seinem Repertoire leisten. Sondheim selbst betont stets, er verdanke ihnen alles – und auch wenn das vielleicht ein wenig dick aufgetragen ist, steht doch ausser Frage: Ohne die Autoren der Bücher, zu denen er Musik komponierte und Liedtexte schrieb, gäbe es kein Sondheim-Repertoire (zumindest nicht so, wie wir es kennen). Hugh Wheelers Buch zu A Little Night Music ist in nahezu jeder Hinsicht nahezu perfekt – eine Wahrheit, die in aufwendigen Inszenierungen (guten wie schlechten) häufig untergeht, in einer unaufgeregten, reduzierten Konzertfassung jedoch geradezu grell hervortritt. Worte gewinnen an Gewicht, wenn Bühnenbild, Kostüme, Lichteffekte und Requisiten so gut wie fehlen. So war es gestern Abend im Palace Theatre, als eine Konzertfassung von A Little Night Music – produziert von Alex Parker, der zudem das 28-köpfige Orchester dirigierte und als Musical Director fungierte, inszeniert von Alastair Knights mit Choreografie von Andrew Wright – vor ausverkauftem Haus zur Feier des 40. Jubiläums der ursprünglichen West-End-Produktion (Premiere am 15. April 1975 im Adelphi Theatre) zu erleben war. Wheelers Dialoge funkelten und sprühten – selbst in den Mündern jener, die merkwürdig oder schlicht falsch besetzt wirkten. Wie literarisch glänzend dieses Buch ist, zeigte sich am deutlichsten bei Joanna Ridings makelloser Countess. Jede Zeile sass. Jede Nuance von Schmerz oder Freude wurde präzise und gründlich ausgelotet. Riding lieferte eine beispielhafte Textarbeit und machte die Countess in jeder Hinsicht lebendig. Auch gesanglich war sie grossartig – herrlich geschniegelt und spitz, wie es sich gehört, in ihren Passagen in A Weekend In The Country; schmerzlich schön und erhaben in Every Day A Little Death. Als diamantenscharfe, plastische Verkörperung der Messerschneide zwischen Liebe und Hass war Riding grandios.

Anne Reid war in ihrer Lieferung der juwelenartigen Dialoge, die Wheeler Madame Armfeldt schenkt, fast ebenso makellos. Auch wenn es nie wirklich glaubhaft war, dass Reid einmal eine königlich anmutende Kurtisane gewesen sein soll, setzte sie jeden Witz, jeden nachdenklichen Moment punktgenau. In diesem Sinne war sie ein Vergnügen. Besonders mochte ich die Chemie, die sie mit Bibi Jays liebenswerter, vorwitziger Fredrika und dem stummen, unglaubwürdig gross gewachsenen Frid (Joe Vetch) entwickelte. Ihr Liaisons geriet etwas mühsam, aber das fiel kaum ins Gewicht. Reid glänzte, so gut es die Rolle hergab – volle Anerkennung dafür.

Sondheim-Musicals bieten Frauen viele wunderbare Rollen (siehe oben); einige der besten Frauenrollen des gesamten Musical-Genres finden sich in Werken, mit denen Sondheim verbunden ist. Aber es gibt auch ein paar Partien, die selbst für die begabtesten Darstellerinnen ausserordentlich schwer zu meistern sind. Dafür kann es viele Gründe geben: stimmlich kann die Rolle an die Substanz gehen, mit grossem Umfang oder einer besonders fordernden, hohen Belt-Lage; dramaturgisch kann sie unbekanntes Terrain betreten und echte Hürden für die Empathie des Publikums aufstellen.

Anne Egerman ist so eine Rolle. Verheiratet mit einem Mann, der ihr Vater sein könnte, mit dem sie die Ehe selbst nach elf Monaten nicht vollzieht, zugleich aber ständig dem Sohn ihres Mannes nachschmachtet – einem attraktiven jungen Mann, ungefähr in ihrem Alter. Dirne und Jungfrau; Kind und Ehefrau; trotzig und verwöhnt; flatterhaft und gedemütigt: Man muss wollen, dass sie gegen Désirée verliert, und sie dennoch genug mögen, um sich zu freuen, dass sie am Ende mit Henrik davonspringt. Anne ist eine harte Nuss. Doch hier, in den Händen von Anna O'Byrne, war Anne Egerman ein voller Triumph – das glitzernde Herzstück des ersten Akts.

In jeder Hinsicht bezaubernd nahm O'Byrne ihre Impulse für die Figur aus dem Text, besonders aus You Must Meet My Wife, und erschuf einen seltenen Singvogel von exquisiter stimmlicher und körperlicher Schönheit: ein Wesen, das sich gefangen fühlte, ohne genau zu wissen warum; das die Möglichkeiten der Freiheit ahnte, aber in seinem verfeinerten Käfig trillernd und hüpfend eine Freude vortäuschte, um den Herrn zufriedenzustellen. Sie machte nicht den Fehler, für die Dialoge eine schrullige Stimmenfärbung zu wählen und diese beim Singen zu vergessen; ihre Szenen mit Fra Fees verwirrtem, leicht dusseligem Henrik waren entzückend. Doch erst in ihrer Arbeit mit Riding begann sie wirklich zu funkeln. Every Day A Little Death war der stimmliche und emotionale Höhepunkt der Produktion. Wie das Lied sagt – diese Frau war Perfektion. Fee war überraschenderweise den stimmlichen Herausforderungen, die Henrik bereithält, nicht ganz gewachsen; von dem feinen, mühelosen oberen Register, das er als Candide so gekonnt zeigte, war nichts zu hören. Ansonsten war sein Henrik jedoch eine gelungene Mischung aus platzendem Testosteron, unbeholfenem Herumstolpern (bei Petra wie bei Worten) und „irgendwo da draussen ist ein junger Mann, der niemals Priester werden wird“ (mit Entschuldigung bei The Sound Of Music). Fee hat eine ansteckende Bühnenausstrahlung und sah genau so aus und klang (abgesehen von der Musik) genau so, wie Henrik sein sollte. Das war gleichermaßen rätselhaft wie enttäuschend. Dagegen war Jamie Parker, der auf dem Papier zumindest nicht unbedingt die naheliegendste Wahl für Carl-Magnus wäre, in jeder Hinsicht auf den Punkt. Er sah grossartig aus, schuf einen herrlich spleenigen, bombastischen Zinnsoldaten und liess jede Sekunde, in der er in einer Szene war, vor Kraft und Interesse knistern. Er vermittelte mit spritziger Energie das verblendete Männlichkeitsgefühl des törichten Grafen, war das perfekte Gegenstück zu Ridings betrogener Countess und in seinen Begegnungen mit dem Rivalen hinreissend prätentiös. Parker sang alles gut, aber In Praise Of Women mit besonderem Elan. Seine Arbeit in A Weekend In The Country und die anschliessende Ankunft im Herrenhaus der Familie Armfeldt war köstlich getroffen – glorios komisch.

Wie man es auch betrachtet: Petra und Frid haben die schwierigsten Aufgaben im Ensemble. Obwohl sie vergleichsweise wenig Bühnenzeit haben und Frid meist schweigt, sind sie Schlüsselrollen. Wie Madame Armfeldt nehmen beide ihr Vergnügen, wann immer es geht – doch anders als die Grande Dame verlangen sie keinen Preis für ihre beträchtlichen körperlichen Reize. Ihre gemeinsame Szene ist der einzige Moment der Show, in dem echte Leidenschaft und Lust erkannt und gestillt werden. Vetch war ein unschlagbarer Frid, und als Petra leuchtete Laura Pitt-Pulford so hell, man hätte sie vom Mond aus sehen können.

Das war keine gewöhnliche Petra. Pitt-Pulford brachte in die frühen Szenen eine lässige Nonchalance, eine starke Sexualität und sinnliche Qualität, die die Luft um sie herum verdichtete. Ihr Geplänkel mit Henrik war komisch und furchtbar zugleich, ihr Spiel mit Vetch’ gut aussehendem Frid elektrisiert und erotisch. Dann war ihre Interpretation von The Miller's Son regelrecht explosiv; einer dieser seltenen Momente, in denen eine Sängerin die stimmlichen Klippen meistert, ohne vom Brust- in den Kopfregisterklang zu kippen (oder es zumindest hörbar zu machen), und einfach mit echter, untrüglicher Linie beltet und singt, wie es die Melodie verlangt. Die Art, wie sie das Lied beendete – in meiner Erfahrung einzigartig – war von bestechender Wirkung: eine präzise, gespenstisch schöne Beschwörung all dessen, was den anderen Figuren im Stück widerfahren war. Einfach grossartig. A Little Night Music lebt von den ineinander verschlungenen Lebenslinien der beiden Hauptfiguren: Désirée und Fredrik. Janie Dee, sonst oft so einnehmend, wirkte als Désirée etwas verloren und schien den Text nicht wirklich im Griff zu haben – obwohl sie ein Skript in der Hand hielt. Aufblitzende Momente ihrer Désirée tauchten auf und verschwanden wieder, in einer enttäuschenden Unbeständigkeit. Am besten war sie in den Szenen mit Jays Fredrika, und an der Emotion, die sie in ihr berührendes Send In The Clowns legte, gab es nichts auszusetzen. Aber Désirée ist mehr als nur diese eine Nummer, und Dee spielte an diesem Abend nicht in derselben Liga wie die übrigen Beteiligten. Rätselhaft.

Auch David Birrells todlangweiliger Anwalt Fredrik half ihr nicht. Damit die Geschichte dieser beiden Schlüsselfiguren funktioniert, muss man das elektrische Knistern spüren können, wenn Fredrik und Désirée sich nach anderthalb Jahrzehnten wieder begegnen – die Anziehung muss greifbar werden. Doch Birrell brachte nichts von dieser kultivierten Erotik in die Rolle, und obwohl er ordentlich sang, blieb sein Fredrik vollkommen blass.

Das Quintett – oder wie man sie inzwischen nennt, die Liebeslieder Singers – war ziemlich grauenhaft. Ihre Aufgaben sind einfach: eine seidige, geschmeidige, verführerische Atmosphäre schaffen; sich zu betörenden Harmonien mischen, die verzaubern und erfreuen; das Geschehen der Hauptfiguren unaufdringlich spiegeln und kommentieren. Nicht hier. Knights und Wright präsentierten sie wie einen schlechten Cabaret-Act auf Koks: laut, grell, überdreht, (unverzeihlich und dauerhaft) schief und völlig fehl am Platz. Statt das Stück zusammenzuhalten, taten diese fünf alles, um es auseinanderzureissen. Unbegreiflich.

Alex Parker leitete das Geschehen mit grosser Sicherheit, und das Orchester lieferte den Solistinnen und Solisten eine satte, köstliche Stütze. Besonders A Weekend In The Country war wunderschön gespielt, und es war eine Freude, die Hörner einmal im Rampenlicht zu hören. Einige Tempi wirkten eigenartig, doch insgesamt wurde die Musikalität von Sondheims Partitur mit Respekt, Frische und Elan behandelt.

Um allen Beteiligten gerecht zu werden: Für dieses Konzert gab es lediglich eine Woche Probezeit – wenig für ein derart komplexes und filigranes Stück Bühnenmagie. Dass es stellenweise solche Höhen erreichte, ist ein Mass für das Können und die Zähigkeit aller Mitwirkenden. Das Publikum im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal liebte es, und der ganze Abend war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, wie viel Freude aus der Verbindung grosser Orchester, grossartiger Partituren und talentierter Musikerinnen und Musiker entstehen kann.

Gemeinsam machten Riding, Reid, O’Byrne, Parker, Vetch, Jay und Pitt-Pulford – zusammen mit Parkers orchestraler Unterstützung – diesen Abend zu einem, den man nicht so schnell vergisst.

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS