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KRITIK: Wie es euch gefällt, Southwark Playhouse ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

emilyhardy

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Wie es euch gefällt

Southwark Playhouse

19. September 2014

3 Sterne




„Wie es euch gefällt“ ist ein Stück, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin. Tatsächlich sage ich’s einfach geradeheraus. (Shakespeare ist nun schon seit etlichen Jahren tot – es ist also nicht so, als würde er mich gleich passiv-aggressiv auf Twitter entfolgen oder so.)

„Wie es euch gefällt“ ist meiner Meinung nach nicht Wills beste Arbeit. Da ich – wie ich nun mal bin – schwärmerisch und romantisch auf das vermeintliche Leben und Wirken unseres geliebten Barden blicke, nehmen wir einfach an, dass er beim Schreiben dieses Stücks gerade interessantere Dinge zu erledigen hatte. Vielleicht hatte er eine völlig unrealistische Deadline … oder einen Kater, möglicherweise? Stellen wir uns vor, Will hat an einem unerwartet stürmischen Tag in der Stadt die Seiten von vier neuen Meisterwerken fallen lassen und sie danach hastig wieder zusammengebunden – und dabei „Wie es euch gefällt“ konstruiert: eine mäandernde, zerstückelte Komödie mit Figuren, deren Schicksale an einem irrationalen Herzog hängen, dessen Launen so wechselhaft sind wie das Wetter, das das Stück selbst zeichnet.

Doch wir verzeihen Shakespeare hier schnell seine Plotlöcher; schließlich gehört „Wie es euch gefällt“ zu den am häufigsten zitierten Stücken im Kanon – nicht zuletzt wegen der „Die ganze Welt ist Bühne“-Rede in Akt II, Szene VII. Die Zutaten für eine feine, wenn auch randvolle, Komödie sind alle da: zwei Brüder – so ähnlich wie Essiggurke und Marmelade; zwei junge Frauen – die eine belesen und groß, die andere quirlig und klein; Verkleidung und Täuschung; der befreiende Wald; ein Narr, und so weiter und so fort. Und auch die Poesie des Stücks sowie Rosalinds ziemlich großartige Verteidigung kluger Frauen liefern dem worthungrigen Publikum mehr als genug Befriedigung.




Ganz wie die zerstreute, ungebremste Komödie selbst sind meine Gedanken zu dieser Inszenierung ein abwechslungsreiches, verknotetes Wirrwarr aus Widersprüchen. Angesichts der zahlreichen Nebenhandlungen und scheinbar zufälligen Abschweifungen des Stücks ist es Regisseur Derek Bond hoch anzurechnen, dass er eine meisterhaft klare, geradezu kristalline Erzählung der Geschichte auf die Bühne bringt. Gleichzeitig nimmt auch diese Produktion das Publikum mit auf ein waghalsig unberechenbares Theaterabenteuer. In zwei Stunden durchqueren wir schwieriges Gelände – vom trockenen, fantasiearmen Beginn hinein in das Heitere und Berauschende –, wobei manche Zwischenstopps unterwegs besser gelingen als andere. Die ersten zwanzig Minuten sind regelrecht ausgehungert nach Farbe, Musik oder Humor. Das überrascht, wenn man die freche Werbung der Produktion und den noch frecheren Prolog bedenkt, den Simon Lipkin als Touchstone – der Narr – liefert. Diese anfänglichen Grautöne werden nur dadurch aufgehellt, vielleicht unbeabsichtigt, dass Minal Patel als Charles der Ringer auftritt – in etwas, das wie ein Damenmantel wirkt, kombiniert mit einem Tarzan-Outfit.

Trotzdem blieb ich hoffnungsvoll; schließlich ist es dem Southwark Playhouse eigentlich fremd, sein Publikum mit dem Gefühl zurückzulassen, es fehle noch etwas. Und ratet mal? Die Belohnung kommt – und sie ist außergewöhnlich. Ein Ende der zähen Tristesse: Das Seufzen eines Cellos und die ersten Schneeflocken ziehen auf die Bühne und entfachen ein Publikum neu, das bis dahin in Exposition zu ertrinken drohte. Der Übergang vom Hof in den Ardenner Wald, wenn weißes Papier wie Hagel auf die Köpfe unserer betrübten Wandernden herabfällt, begleitet von den süßen, feinen Fäden von Jude Obermullers Originalmusik, ist von einer atemberaubenden Schönheit, die alles Vorangegangene vergessen lässt – und ich beginne gewissermaßen von vorn. Ich sehnte mich nach Theaterzauber und fand mich glücklich in Narnia wieder.




Dann kommt, mit fallendem grünem Papier als Sommer, der Spaß und die Unbeschwertheit des Stücks. Lipkin könnte seinen eigenen Namen sagen und es wäre witzig, aber er haucht dieser Produktion erst richtig Leben ein, wenn er mit Audrey erscheint, der beschwipsten Schaf-Handpuppe. Und es ist nicht nur der verspielte Lipkin: Joanna Hickman liefert als Phebe aus dem West Country einen herrlich komischen Auftritt. Phebe ist wohl eine von Shakespeares eher überflüssigen Figuren, doch ihre Präsenz wird letztlich durch Hickmans brillante, rotzige Darstellung gerechtfertigt – ganz zu schweigen von Rosalinds köstlichem Spruch: „Verkauft, solange ihr könnt: Ihr seid nicht für alle Märkte.“

Die Höhen und Tiefen des Stücks, Kicherer und Gähner, gehen weiter – doch so gemischt diese Inszenierung auch ist, das vielseitige Ensemble bleibt konstant stark. Harry Livingstone spielt den missgelaunten jüngeren Bruder, der zum Dichter und Liebenden wird: Orlando de Boys. Livingstone hat eine gelassene Ausstrahlung, einen sehnsüchtigen Charme und eine köstliche Natürlichkeit – ganz zu schweigen von einem heimlichen Lächeln für Rosalind, das selbst uns mit den kältesten Herzen für ihn erwärmt. Sally Scott setzt als Rosalind ebenfalls einen liebenswerten Akzent – am besten in ihrer schnurrbärtigen Verkleidung als „frecher Bursche“, wenn sie ihren Liebsten prüft und erzieht und ihn daran erinnert, dass, wenn es um Frauen geht: „Je klüger, desto launischer.“

PS kurz gesagt: Also ja – diese „Wie es euch gefällt“-Kritik hat zwei Hälften: ein Stück, das zwischen fad und kühn, düster und strahlend hin- und herschwingt. Trotzdem absolut sehenswert – schon allein wegen zehn schöner schauspielerischer Leistungen und einer köstlichen Shakespeare-Flucht aus dem trüben Londoner September.

„Wie es euch gefällt“ läuft im Southwark Playhouse bis zum 18. Oktober 2014

Fotos: Robert Workman

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