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REZENSION: Coming Up, Watford Palace Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

15. Oktober 2015

Von

danielcolemancooke

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Mitesh Soni, Neil D'Souza, Goldy Notay und Ravin J Ganatra in Coming Up. Foto: Richard Lakos Coming Up

Watford Palace Theatre

14. Oktober

3 Sterne

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Es gibt bereits eine Fülle von Stücken und Filmen über die indische Erfahrung in Grossbritannien. Und dennoch wurde bislang erstaunlich wenig darüber erzählt, wie britische Inderinnen und Inder aufgenommen werden, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren.

Neil D’Souzas Coming Up erzählt die Geschichte von Alan (ebenfalls gespielt von D’Souza), der nach Jahrzehnten in Grossbritannien geschäftlich in die Heimat zurückkehrt. Er stellt fest, dass sich das Indien, das er kannte, massiv verändert hat – ebenso wie seine Beziehungen zu seiner Tante und seinem Cousin. Gleichzeitig kann er den Spuren seines Vaters Jacob folgen, der sowohl in einer älteren als auch in einer jüngeren Version erscheint, eingerahmt von Auszügen aus seinem Tagebuch. Es zeigt Jacobs harte katholische Erziehung vor dem Hintergrund von Gandhi und der indischen Unabhängigkeitsbewegung.

Wenn das nach viel klingt, dann ist es das auch! Es gibt zwei ziemlich gewichtige Handlungsstränge, die sich über mehrere Jahrzehnte und Orte erstrecken und insgesamt rund zwanzig Figuren einbeziehen. Das ist an sich kein Problem, doch die Regieanweisungen verlangen, dass Schauplätze mit „möglichst wenig Aufwand“ verwandelt werden. Die Geschwindigkeit, mit der das Stück umherspringt, ist gewöhnungsbedürftig (manchmal reisen die Figuren innerhalb derselben Szene und desselben Settings in der Zeit zurück), zumal die Charaktere kaum eingeführt werden. In der zweiten Hälfte wirkt das Stück stärker, wenn sich die Erzählung setzt und einige zentrale Handlungspunkte zusammenlaufen.

An dieser Inszenierung gibt es viel zu mögen: Die Figuren sind allesamt komplex und interessant, und der spritzige, gehaltvolle Dialog wirkte authentisch indisch. Mehrere Themen ziehen sich durch das Stück – vor allem Identität und Zugehörigkeit. Alan fühlt sich (vermutlich) in Grossbritannien nicht ganz zu Hause, und dennoch kann er sich für seine Heimat nicht begeistern; er mag die Kultur nicht und hat sich von seinen Verwandten entfremdet, weil er stattdessen finanziellen Erfolg jagt.

Es ist erfrischend, eine widersprüchliche Darstellung einer Heimkehr zu sehen, statt der üblichen „Finde-dich-selbst“-Erzählung; gerade dieses zerrissene Ethos hält das Stück spannend und fesselnd. Indien wird als Land im Wandel gezeigt, das die Kastentrennungen der 1930er Jahre durch eine Konsumkultur ersetzt – auch wenn die Kluft zwischen Arm und Reich weiterhin so riesig ist wie eh und je.

Am stärksten wirkten die Szenen zwischen Alan und seinem entfremdeten Cousin – mit glänzendem Spiel beider Darsteller. Insgesamt war Alans Handlungsstrang emotionaler als Jacobs, auch weil sich Letzterer in eine unnötige Symbolik um einen Tiger verstrickt, die nach Kürzung rief. Es gab zudem ein kluges Ende mit einem indischen jungen Mädchen in einer Abflughalle, das zeigt, wie sehr sich Alan (und Indien) verändert haben, und Alan ermöglicht, seine wahren Gefühle zu erkunden und auszusprechen.

Die Besetzung ist durchweg hervorragend; es ist eine echte Ensemble-Produktion, bei der alle drei oder vier Rollen übernehmen. Von ihnen wird erwartet, Alter, Geschlecht und Akzent zu wechseln – sogar mitten in der Szene; das gelingt allen mit grosser Souveränität.

Zwei stachen besonders heraus: zum einen Goldy Notay, die ihre Wandlungsfähigkeit zeigte, indem sie sowohl den liebenswerten, energiegeladenen jungen Jacob als auch Alans achtzigjährige Tante spielte. Die beiden Leistungen waren grundverschieden, aber ebenso klug gespielt und mit starkem Sinn für Humor. Mitesh Soni ist ähnlich eindrucksvoll als Alans Bruder Daniel und als zerrissener Priester; sein siebenjähriger Daniel war eine Lehrstunde darin, wie Erwachsene jüngere Rollen spielen sollten.

Rebecca Browers Bühne ist ausgezeichnet: durchzogen von religiöser Symbolik, mit einem imposanten Hintergrund und einem Lichtdesign, das die mystischen Themen des Stücks spiegelte. Shona Morris’ Bewegungschoreografie war völlig in Ordnung, passte aber nicht ganz zu dieser Art von Stück; der zunehmende Einsatz von Tanz gegen Ende stand im Weg, gerade als sich ein überzeugendes Finale ganz natürlich abzeichnete.

Coming Up ist ein Stück, das vieles zugleich versucht und dabei mehr Treffer als Fehlschläge landet. Mit etwas kluger Straffung könnte es zu einer der innovativeren Auseinandersetzungen mit Identitätsfragen und kulturellen Spannungsfeldern werden.

Coming Up läuft am Watford Palace Theatre bis zum 24. Oktober 2015

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