NACHRICHTEN-TICKER
REZENSION: Dear Brutus, Southwark Playhouse ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
5. Dezember 2017
Von
markludmon
Mark Ludmon bespricht J. M. Barries selten gespielte Fantasie Dear Brutus im Southwark Playhouse
Edward Sayer und Bathsheba Piepe in Dear Brutus. Dear Brutus
Southwark Playhouse
Vier Sterne
Peter Pan ist als Weihnachtsklassiker bestens etabliert, doch Schöpfer J. M. Barrie erkundete alternative Welten auch in einem deutlich weniger bekannten Stück: Dear Brutus. Die Uraufführung fand 1917 statt – mehr als ein Jahrzehnt nachdem Peter erstmals in unser Leben geflogen war – und nun hat die Theatercompagnie Troupe das Werk wieder auf den Spielplan gesetzt, passend zum 100. Jahrestag der West-End-Premiere. Wie Jerome K. Jeromes Fantasy von 1908 The Passing of the Third Floor Back, die derzeit im Finborough läuft, war Dear Brutus zu seiner Zeit ein Riesenerfolg, hat aber stellenweise nicht gut gealtert. Doch Regisseur Jonathan O’Boyle nimmt die Herausforderung mit Bravour an und schafft eine bezaubernde Inszenierung voller Komik, abgerundet durch feine Anklänge von Melancholie.
Im Mittelpunkt stehen acht Gäste, die vom geheimnisvollen Hausherrn Lob in einem Landhaus zusammengeführt werden. Gemeinsam mit dem Butler wird deutlich, dass viele von ihnen von Reue über frühe Lebensentscheidungen verfolgt werden. Und als die Sommersonnenwende näher rückt, erscheint ein magischer Wald, der ihnen die Möglichkeit bietet, „was hätte sein können“ zu erkunden und ihr wahres Selbst zu erkennen – zum Guten oder zum Schlechten. Wie der Titel andeutet, greift das Stück die Wahrheit von Cassius’ Zeile aus Shakespeares Julius Caesar auf: „Die Schuld, lieber Brutus, liegt nicht in unseren Sternen, sondern in uns selbst.“
Venice van Someren in Dear Brutus
Barrie spielt regelmäßig auf Shakespeares Waldromanzen an, besonders auf Ein Sommernachtstraum mit seinen partnerwechselnden Liebenden und dem schelmischen Puck, der als koboldhafter Lob durchaus weiterhin Chaos stiften könnte. In Dear Brutus bilden die Liebenden der fremdgehende Jack Purdie, seine Ehefrau Mabel und die Geliebte Joanna Trout – mit Verve gespielt von Edward Sayer, Bathsheba Piepe und Charlotte Brimble. Ob das ganz Barries ursprüngliche Absicht war, wird ihr Drama hier mit breitem Humor in einem überdrehten, fast parodistischen Stil ausgespielt (das dürfte Fans von Round the Horne und dessen absurdem Liebespaar Fiona und Charles besonders ansprechen). Zum Glück wird das durch subtileren Witz ausgeglichen, am eindrucksvollsten durch Emma Davies und Miles Richardson als unglücklich verheiratetes Paar Alice und Will Dearth. Ihre traumartige Erfahrung im Wald ist das Herzstück des Abends und liefert – neben den berührenden Auftritten von Josie Kidd und James Woolley als hingebungsvolles älteres Ehepaar und Venice van Someren als ein durch die Mittsommermagie heraufbeschworenes Mädchen – die bewegendsten Momente. Starke komische Unterstützung kommt außerdem von Helen Bradbury als Lady Caroline und Simon Rhodes als Butler – eine Erinnerung an einen weiteren Barrie-Klassiker, The Admirable Crichton – sowie von Robin Hooper als elfischem Lob.
Emma Davies und Miles Richardson in Dear Brutus
Ohne die Vorteile von CGI gelingt der Übergang vom edwardianischen Salon in einen magischen Wald dank Ensemble und Regie auch in der Abstraktion ausgesprochen fantasievoll – ebenso durch Anna Reids Bühnenbild, Peter Harrisons Licht sowie Max Perryments Sounddesign und Musik – plus einer großzügigen Prise mehrfarbiger Blütenblätter. Mit seiner Mischung aus Magie und Komödie ist dies eine souveräne Wiederaufnahme, die angenehm unterhaltsamen Eskapismus bietet – und obwohl sie zur Mittsommerzeit spielt, ist sie ein perfektes Gegenmittel gegen den Winterblues.
Spielzeit bis 30. Dezember 2017
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