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KRITIK: Forbidden Broadway, Menier Chocolate Factory ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Forbidden Broadway Menier Chocolate Factory 31. Juli 2014 3 Sterne

Du bist zehn. Man lässt dich auf ein Dessertbuffet los. Da ist so viel Eis, wie du essen kannst; Schokolade in allen möglichen Formen – hart, weich, als gefüllte Becher, als kleine Tierfiguren, als Stückchen; Obst in exotischen Farben, Formen, Texturen und mit unterschiedlichem Bekanntheitsgrad; Kuchen – manche schlicht, manche in Sirup ertränkt, manche mit Sahne oder Vanillesosse oder beidem dekoriert, manche heiss, manche eiskalt, manche säuerlich und spritzig; Saucen und Sirupe – dick, zuckrig und manchmal cremig; Pies, Stücke, Kekse, Donuts, Flans, Torten; Wackelpuddings, Trifles, Obstkuchen, Macarons, Éclairs – Willy Wonka wäre stolz auf diese unendliche und vielfältige Auswahl.

Mit weit aufgerissenen Augen, die ganze Zeit grinsend, manchmal vor unerwarteter Freude über irgendeinen verführerischen Bissen kichernd, manchmal die Nase rümpfend, wenn du eine Süsse siehst, die du eigentlich gar nicht so magst, stopft sich dein zehnjähriges Ich den Mund voll. Endlos. Und am Ende kommt diese Stille, die aus schierer Erschöpfung entsteht, weil du dich an Süssem sattgegessen hast. Da ist ein Schleier von Zufriedenheit, die Erinnerung an echtes Vergnügen – aber du erinnerst dich nicht unbedingt an den allerbesten Bissen, und vielleicht bleibt ein leises Anflackern von Übelkeit zurück.

Stimmt's?

Dasselbe, vermute ich, gilt für Musical-Theater-Aficionados, die Produktionen von Forbidden Broadway besuchen – jener satirischen Revue, die in der einen oder anderen Form seit gut 30 Jahren in New York läuft und deren aktualisierte, für London zugeschnittene Version nun in der Menier Chocolate Factory zu sehen ist.

Jedenfalls war das immer meine Reaktion.

Das Konzept ist unwiderstehlich: Man nimmt vier begabte Sänger*innen und einen witzigen Autor und spießt – so bissig oder liebevoll (oder beides) wie möglich – Broadway-Musicals auf, Diven und Stars, Autor*innen und Komponist*innen, Regisseur*innen und Choreograf*innen – eigentlich alles, was mit Musicals zu tun hat.

Und wenn alle Elemente zusammenkommen, ist das Ergebnis köstlich und macht süchtig. Aber, genau wie am Dessertbuffet, kann es auch zu viel des Guten sein: Es wird dann etwas fad bzw. pappig-süss, und nicht alles ist so perfekt geformt oder zubereitet, wie es sein könnte. Aus diesem Grund kann ich keine ganzen Alben mit Forbidden Broadway-Aufnahmen am Stück hören; irgendwann ist es einfach zu viel.

Und so ist es auch live. Unterm Strich bleibt der Eindruck eines richtig guten Abends – aber wenn man gezwungen ist, die entscheidenden Bestandteile dieses Eindrucks zu benennen, legt sich wieder dieser süsse Dunst darüber.

Konzipiert und inszeniert wird das Ganze hier von Gerard Alessandrini, der meist seine Hände bei den verschiedenen Inkarnationen von Forbidden Broadway im Spiel hatte: Es gibt reichlich Glitzer und Glamour und clevere Pointen. Aber nicht jeder Text trifft den richtigen Ton – die Verballhornung von Charlie and the Chocolate Factory mit „No Imagination“ wirkt eher banal als inspiriert, und die Wicked- und Jersey Boys-Persiflagen waren ähnlich. Into the Words schien schlicht gehässig.

Andererseits gab es herrlich Treffsicheres, das Once, Der König der Löwen, The Book of Mormon, Matilda, Miss Saigon und Les Misérables auf die Schippe nahm; Letzteres ist zwar älteres Material, wirkt aber dank so präziser und energiegeladener Darbietungen immer noch frisch und sehr komisch.

Die Darsteller*innen hier sind enorm talentiert. Sie können alle singen (hervorragend und mit ordentlich Wumms) und tanzen – scheinbar mühelos. Ein Teil des Reizes von Forbidden Broadway war früher die Fähigkeit der Mitwirkenden, echte Bühnenstars zu imitieren – manchmal mit verblüffender, nahezu unfehlbarer Genauigkeit. Und zu den grössten Vergnügen gehörte es, ein und dieselbe Person gleich mehrere Sänger*innen meisterhaft nachmachen zu sehen.

Hier jedoch überwiegt, grosso modo, der Eindruck mehr als die Imitation. Und tatsächlich funktioniert der „Eindruck“ oft besser – Damian Humbleys Mandy-Patinkin-Anmutung bereitete zum Beispiel grosses Vergnügen. Auf der anderen Seite brillierte Sophie-Louise Dann mit ihrer Julie-Andrews-Imitation. Doch sie und Anna-Jane Casey waren bei anderen Versuchen weniger treffsicher – La Lansbury, La Minelli und La Menzel; das waren eher Stimmungen als echte Nachahmungen. Trotzdem war es häufig witzig, auch wenn das Zwerchfell manchmal nur streifend getroffen wurde.

Am allerbesten waren die Nummern als Duo, Trio oder Quartett: Ben Lewis und Humbley in der schnippischen Book of Mormon-Nummer; Casey und Dann beim verbalen Schlagabtausch über die Rivalität zwischen Rita Moreno und Chita Rivera; das Trio, das die Eröffnungsnummer von Guys and Dolls parodierte; oder alle vier, die die Glaubwürdigkeit von Once zerfetzten oder den Stil von Der König der Löwen genüsslich rösteten.

Casey und Humbley wirkten am sichersten im Revue-Stil, hüpften von Szene zu Szene und von Gesangsstil zu Gesangsstil, und beide waren bereit, für den Witz in ihrer Spielweise ins Extreme zu gehen. Das Bild, wie Humbley als grell geschminkte Trunchbull (aus Matilda) sich in sexueller Verzückung an der eigenen Brustwarze zupft, wird einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Und Caseys Angriff auf Frozen, „Let It Blow“, war sehr komisch. Ebenso wie das herrlich wahrhaftige Gefühl hinter „This is The Song They Stole From Us“, von Lewis und Dann in wirklich wunderbar spitzer, campiger Manier serviert.

Und der letzte, dunkle Kommentar zum Zustand des Corporate-Broadway war ein hervorragender Weg, den Vorhang fallen zu lassen.

Das ist ein sehr guter Theaterabend – aber er hängt teilweise davon ab, dass man die Musicals der letzten Jahre und die Stars, die sie populär gemacht haben, ziemlich gut kennt. Und das ist nichts Schlechtes. Das Publikum sollte sich mit der Popkultur des Musicaltheaters auskennen.

Mit diesen begabten Performer*innen garantiert der Abend ein Übermass an Vergnügen. Aber dieses unverkennbare „Dessertbuffet“-Nachgefühl bleibt trotzdem.

Forbidden Broadway wechselt im September ins Vaudeville Theatre

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